Klärschlamm: Wohin damit? - © NW
Klärschlamm: Wohin damit? | © NW

Kreis Gütersloh Gemeinden: Wohin mit dem Klärschlamm?

Kommunen wie Herzebrock-Clarholz rufen den "Entsorgungsnotstand" aus

Ludger Osterkamp

Kreis Gütersloh. Im Kreis Gütersloh gibt es mehrere Gemeinden, die ein Problem mit der Entsorgung ihres Klärschlamms haben. Ihnen wurden die Verträge gekündigt. Das Thema ist akut: Die Gemeindewerke Herzebrock-Clarholz beispielsweise, deren Vertrag schon am 30. Juni endet, berichten von einem "Entsorgungsnotstand". Wie drängend das Problem ist, zeigt sich daran, dass bei der GEG, der Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen Kreis Gütersloh, gestern eine Sitzung dazu abgehalten wurde. Teilnehmer waren die Betreiber von Kläranlagen im Kreisgebiet. Viele von ihnen fürchten, dass sie schon bald auf dem Klärschlamm sitzen bleiben. "Es fehlen kurzfristige Entsorgungskapazitäten. Das Problem spitzt sich zu", bestätigte Frank Scheffer, Leiter Dezernat Bauen und Umwelt beim Kreis Gütersloh. Der Kreis sei bemüht, den Städten und Gemeinden im Rahmen seiner Möglichkeiten zu helfen. In Herzebrock-Clarholz bringen die Gemeindewerke ihren Klärschlamm seit Jahrzehnten zur Müllverbrennung. Ihr Entsorger, eine Firma aus dem lippischen Kalletal, hat den Vertrag nun aber gekündigt - und eine neue Ausschreibung, von der Gemeinde direkt in die Wege geleitet, blieb ohne jede Antwort. "Es gingen keine Angebote ein", hieß es. Auch von den großen Entsorgungsfirmen habe man nichts als Absagen erhalten. Umliegende Städte haben dasselbe Problem Laut Marco Schröder, Betriebsleiter der Gemeindewerke, haben umliegende Städte dasselbe Problem. "Auch bei einigen anderen Gemeinden wurden die Entsorgungsverträge gekündigt." Auch dort gebe es keine neuen Verträge. Die betroffenen Kommunen behülfen sich mit provisorischen Zwischenlagern. Der Abteilungsleiter Dienstleistung der GEG, Andreas Meschede, bestätigte den Entsorgungsengpass in vielen Kommunen. Die Gründe lägen im wesentlichen in der neuen Klärschlamm- und der neuen Düngeverordnung. Da Klärschlamm, anders als früher, kaum noch auf die Felder gefahren werden darf, zudem nun in Konkurrenz zur Gülle gesehen werden müsse, dränge die ganze Menge in die Verbrennung - dort aber reichen die Kapazitäten nicht aus. "Wahrscheinlich wird es erforderlich sein, Zwischenlager einzurichten", so Meschede. Herzebrock-Clarholz kündigte an, notfalls eine Meldung ans Umweltamt NRW zu geben. Mittelfristig sind die Kommunen ohnehin in der Verpflichtung, sich neue Entsorgungswege für ihren Klärschlamm zu überlegen. Von 2023 an müssen sie den Phosphor herausfiltern, damit er verwertet werden kann. Eine Komplettverbrennung scheidet damit aus. Die Städte Gütersloh, Bielefeld und Herford haben vor einiger Zeit mit einem "letter of intent" (Absichtserklärung) bereits ihre Bereitschaft zu einem Verbund erklärt.

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