Kennt die Gefahren: Kriminaloberkommissarin Vanessa Ogan - hier mit einer bei Jugendlichen beliebten Wasserpfeife - unterstützt Schulen bei Konzepten gegen die Sucht. - © Anja Hustert
Kennt die Gefahren: Kriminaloberkommissarin Vanessa Ogan - hier mit einer bei Jugendlichen beliebten Wasserpfeife - unterstützt Schulen bei Konzepten gegen die Sucht. | © Anja Hustert

Kreis Gütersloh Diese Polizistin warnt vor Energy-Drinks

Vorbeugung: Kriminaloberkommissarin Vanessa Ogan tummelt sich überall dort, wo Schüler und Jugendliche feiern. Den Eltern erklärt sie derweil, warum Haschischzigaretten früher weniger gefährlich waren

Anja Hustert

Kreis Gütersloh. Als sie am 1. Mai in Gütersloh durch die Dalke-Auen ging und Jugendliche ansprach, wurde sie erkannt. "Hey, Sie waren doch auch schon bei uns an der Schule." Genau. Und sowohl in der Schule als auch bei den feucht-fröhlichen Mai-Feiern ging es Vanessa Ogan darum, Jungen und Mädchen über die Gefahren von Alkohol aufzuklären. Die Kriminaloberkommissarin ist bei der Kreispolizeibehörde neben Jugendschutz und Jugendkriminalität auch für die Alkohol- und Drogenprävention zuständig. "Mir ist es wichtig, vernünftig zu informieren und Gefahren aufzuzeigen", sagt die 42-Jährige, die im Januar 2017 die Nachfolge von Hauptkommissar Dieter Jung angetreten hat. Sie ist viel unterwegs. "Ich habe den Anspruch, dass mich jede weiterführende Schule im Kreis kennenlernt." Dort ist die Frau aus dem Ruhrgebiet ein gern gesehener Gast, wenn sie über Alkohol und Drogen informiert. "Die Lehrer sind sehr interessiert." Und haben viele Fragen. Wie erkenne ich beispielsweise, dass ein Schüler Cannabis konsumiert? "Es gibt gewisse Indizien", so die Kriminaloberkommissarin. "Gerötete Augen, veränderte Pupillen, fahle Gesichtsfarbe, Unruhe, Lachflashs", zählt sie auf. Cannabiskonsum kann weitreichende Folgen haben Cannabis sei die Jugenddroge Nummer eins. "30 Prozent der 12- bis 25-Jährigen haben Cannabis-Erfahrung", so Ogan. Und immer noch sei die Meinung weit verbreitet, dass kiffen gar nicht so schlimm sei. "Besonders auf Elternabenden begegnet mir das - die Eltern denken dann an ihre eigene Jugend", erzählt sie schmunzelnd. Sie gibt den Eltern jedoch zu bedenken: "Wir sprechen heute über ganz andere Potenzen. Früher lag der THC-Wert, also die Chemikalie, die die psychologischen Wirkungen von Cannabis verursacht, bei maximal fünf Prozent. Heute kann er bis zu 30 Prozent hoch sein." Gerade für das jugendliche Gehirn, das sich noch in der Entwicklung befindet, kann Cannabiskonsum weitreichende Folgen haben. Angefangen bei Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, eine Absenkung des Intelligenzquotienten und - bei starkem Konsum - sogar eine Entwicklung von Psychosen, bis hin zu Halluzinationen und Verfolgungswahn. "Nicht umsonst gibt es jetzt auf dem LWL-Klinikum-Gelände eine neue Kinder- und Jugendpsychiatrie in Gütersloh", so Ogan. Rauchen spielt bei den Heranwachsenden nicht mehr eine so große Rolle Während Rauchen bei den Heranwachsenden nicht mehr eine so große Rolle spielt - "das gilt heute nicht mehr als cool", ist Alkohol bei den Jugendlichen nach wie vor ein Thema. Laut Jugendschutzgesetz dürfen Jugendliche ab 16 Bier, Wein und Sekt kaufen. Harte Alkoholika wie Spirituosen, Schnaps und Alkopops allerdings erst ab 18. Dennoch wurden 2016 bundesweit 22.309 junge Patienten im Alter von 10 bis 20 Jahren völlig betrunken in eine Klinik gebracht. "Wir raten Eltern auch bei privaten Feten, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und sich auch den Inhalt von mitgebrachten Rucksäcke zeigen zu lassen", so Ogan. Sie zeigt Eltern gerne Bilder von der "kleinen" Party einer 15-Jährigen, die am Ende - nicht zuletzt durch übermäßigen Alkoholkonsum - völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Je früher ein junger Mensch beginnt, Alkohol zu konsumieren, desto kürzer ist der Weg über die Gewöhnung in die Sucht. Daher ist Vanessa Ogan am 1. Mai in den Dalke-Auen unterwegs, sie war aber auch zur Weiberfastnacht und Rosenmontag in Rietberg anzutreffen. "Da habe ich eine Gruppe junger Mädchen angesprochen, die Baby-Nuckelflaschen um den Hals hängen hatten. Darin war dann neben O-Saft auch noch Wodka", erzählt die Kriminaloberkommissarin. Vor den Augen der Polizei mussten die jungen Damen ihre Fläschchen ausschütten. Die nächsten Termine für die Jugendschützerin und ihre Kollegen von der Kriminalprävention und dem Bezirks- und Schwerpunktdienst sind die Schützenfeste in der Stadt, Public Viewing und der Wiesenrock am 23. Juni. "Wir werden Jugendliche gezielt ansprechen und sehen, ob und welche Art von Alkohol sie trinken." Sorgen bereitet der steigende Konsum der Energy-Drinks Sorgen bereitet Vanessa Ogan der zunehmende Konsum von Energy Drinks - nicht nur in Verbindung mit Alkohol, sondern auch pur. "Wenn ich in der 7. Klasse frage, wer das schon getrunken hat, gehen fast alle Hände hoch." Zu viel Zucker, zu viel Koffein - seit Anfang März dürfen Aldi und Lidl in ihren britischen Filialen keine Energy-Drinks mehr an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verkaufen. Der Grund sind gesundheitliche Gefahren - erhöhter Blutdruck beispielsweise. "Das würde ich mir für Deutschland auch wünschen." Sie schlägt aber beispielsweise den Schulen im Kreis vor, ein Verbot dieser Energy Drinks in die Schulordnung mit aufzunehmen. Vanessa Ogan freut sich über die gute Zusammenarbeit mit den Schulen im Kreis. Einige von ihnen - zuletzt das Einstein-Gymnasium in Rheda-Wiedenbrück - haben mit ihr und der Caritas (Fachstelle für Suchtvorbeugung ) gemeinsam ein umfangreiches Konzept zum Umgang mit drogenkonsumierenden Jugendlichen entwickelt. "Da geht es vor allem um Prävention, der Vorbeugung durch Aufklärung, aber auch darum, wo Betroffene systematisch Hilfe finden", so Ogan.

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