Protest: An der Ecke Syltweg/Föhrweg hat ein Unbekannter das Hinweisschild angebracht, das Gerd Haubold und den restlichen Anwohnern des Wohngebietes zwischen Isselhorster- und Haller Straße aus dem Herzen spricht. - © Jens Dünhölter
Protest: An der Ecke Syltweg/Föhrweg hat ein Unbekannter das Hinweisschild angebracht, das Gerd Haubold und den restlichen Anwohnern des Wohngebietes zwischen Isselhorster- und Haller Straße aus dem Herzen spricht. | © Jens Dünhölter

Gütersloh Verärgerte Isselhorster Bürger beschweren sich über Ausweichverkehr

Seit der Sperrung der Haller Straße suchen Autofahrer Ausweichstrecken durch die Wohnsiedlungen

Jens Dünhölter

Gütersloh. Das Wohngebiet Syltweg/Föhrweg/Amrumweg in Isselhorst ist mit seinen verengten Fahrbahnen, Betonblumenkübeln und Berliner Kissen eine an sich sehr beschauliche Wohngegend. Lediglich während der Dorfkirmes an Fronleichnam herrscht durch die räumliche Nähe zum Trödelmarkt einmal im Jahr richtig Betrieb. Seit vergangenen Montag ist es mit der Ruhe in der Tempo 30-Zone allerdings komplett vorbei. Mittlerweile herrscht in den schmalen Straße fast so viel Verkehr wie sonst auf der Haller Straße. Nach der vor gut einer Woche erfolgten Sperrung der Haller Straße im Abschnitt zwischen Postdamm und Haverkamp nutzen rund um die Uhr Auto-, Transporter-, Kleinlaster- oder Rollerfahrer statt der offiziellen zwei bis drei Kilometer langen Umleitung über die B 61 den gut 300 Meter langen Abschnitt als Abkürzung zwischen der Isselhorster Straße und dem nicht gesperrten Abschnitt bis zum Autohaus Brinker. Ortskundige schlängeln sich in Schlangenlinien Stoßstange an Stoßstange vom Postdamm/Brinkhof-Siedlung kommend ins Dorf Richtung Grundschule, Kitas, Lebensmitteldiscounter oder zurück. Durch parkende Anwohnerfahrzeuge nebst der seit Jahrzehnten installierten Verkehrsberuhigungsmaßnahmen kommt es im Begegnungsverkehr speziell an den beiden 90-Grad-Abknickungen Syltweg/Föhrweg und Föhrweg/Amrumweg immer wieder zu kritischen Situationen, so die Anwohner Marianne Buchmann und das Ehepaar Ursula (77) und Gerd (77) Haubold. »Der Durchgangsverkehr hat rapide zugenommen« Alle drei wohnen schon seit einer halben Ewigkeit im betroffenen Bereich. Familie Buchmann ist 1975 im Syltweg ansässig geworden, das Ehepaar Haubold hat 2001 eine Eigentumswohnung am Föhrweg erworben. Das vermutlich noch bis zum Ende der Baumaßnahmen Ende September zu beobachtende erhöhte Verkehrsaufkommen durch Umleitungs-Verweigerer betrachten sie gemeinsam mit der gesamten Nachbarschaft mit großer Sorge. Gerd Haubold: "Der Durchgangsverkehr hat rapide zugenommen. Speziell in den Stoßzeiten kommen die vielen Schul- und Kindergartenkinder kaum noch über die Straße." Marianne Buchmann pflichtet dem bei. Am schlimmsten sei die Situation morgens und abends: "Zwischen 7 und 8 Uhr fahren alle zur Arbeit; zwischen 16.30 und 18 Uhr kommen sie zurück. Da kriegt man auf Dauer einen dicken Hals". Ein unbekannter Nachbar hat als ersten Hilferuf vor wenigen Tagen ein Schild mit der Aufschrift "An alle Pendler und Nichtdorfbewohner - hier NIX Umleitung, hier Wohngebiet" angebracht. Erfolg? Gleich Null. »Wenn sich nichts ändert, werden wir das Ordnungsamt anrufen« Nach polizeilichen Kontrollfahrten in der ersten Woche haben die Isselhorster gestern Hilfe von der Stadt bekommen. An den Einfahrten Isselhorster Straße/Syltweg sowie Haller Straße/Amrumweg wurden vom Ordnungsamt Baken mit "Durchfahrt-verboten"-Schildern samt des Zusatzes "Anwohner frei" aufgestellt. Viel zu helfen scheint auch dies nicht. Beim NW-Besuch vor Ort schlich im 30 Sekunden-Takt ersichtlicher Durchgangsverkehr durch den dafür nicht ausgelegten Abschnitt. "Da kommt schon wieder einer", kann Gerd Haubold die Ignoranz vieler Verkehrsteilnehmer nicht fassen. Ortsunkundige würden sich zudem bei der Suche nach einer Umfahrung des verwinkelten Irrgartens oftmals im Spielstraßenbereich Föhrweg/Pellwormweg verfahren. Um den Such- und Umfahrungsverkehr zu unterbinden, hat Gerd Haubold einen humorvollen Lösungsansatz entwickelt: "Wenn die Stadt einen Schlagbaum für alle Nicht-Anwohner aufstellt und Maut kassiert, könnte sie jeden Tag sehr, sehr viel Geld verdienen". Ohne Witz fügt er Sekunden später hinzu: "Wenn sich nichts ändert, werden wir das Ordnungsamt anrufen und um weitere Maßnahmen durch die Polizei bitten". Laut Stadt-Sprecherin Susanne Zimmermann kann Gerd Haubold sich diesen Anruf sparen: "Die Polizei ist informiert. Es sollte sich niemand darauf verlassen, dass nicht kontrolliert wird. Es wird alles unternommen, was geht."

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