Gesang in jeder Lebenslage: Auch beim Bad im Toten Meer ließ es sich der Bachchor nicht nehmen, mit Noten in der Hand, unter der Leitung von Sigmund Bothmann ein bisschen zu singen. - © Fritz Husemann
Gesang in jeder Lebenslage: Auch beim Bad im Toten Meer ließ es sich der Bachchor nicht nehmen, mit Noten in der Hand, unter der Leitung von Sigmund Bothmann ein bisschen zu singen. | © Fritz Husemann

Gütersloh Gütersloher Bachchor besucht Israel und Palästina

Die 54-köpfige Gruppe besuchte auch jene Orte, über die der Chor sonst in seinen Passionen und Oratorien singt

Anke Poon-Hebenstreit

Gütersloh. Mit vielen Eindrücken kultureller, geschichtlicher, geistlicher und musikalischer Natur kehrte kürzlich der Bachchor Gütersloh von einer elftägigen Konzert- und Studienreise in Israel zurück. Sie begann in Jerusalem, wo der Chor im Deutschen Hospiz St. Charles der Borromäer-Ordensschwestern einzog. Hier war der Ausgangspunkt für Aktivitäten in Jerusalem und für Ausflüge. Diese fanden immer unter Berücksichtigung der Sicherheitslage statt, denn ein paar Tage zuvor hatten die USA erst ihre Botschaft nach Jerusalem verlegt. Ein beeindruckender Besuch von Yad Vashem, der „Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust", gehörte ebenso dazu wie eine Stadtführung, die bei Temperaturen von über 40 Grad Celsius am Ölberg über den Garten Gethsemane durchs Kidrontal über die Via Dolorosa bis nach Golgatha führte und einen Besuch der Klagemauer einschloss. Viele biblische Texte und Geschichten, von denen der Bachchor singt, bekamen auf der Reise ihre originalen Schauplätze. Jeder Ort, an dem etwas stattgefunden hat, wie beispielsweise der Ort der Bergpredigt über dem See Genezareth oder der Ort der Speisung der Fünftausend, ist von einer Kirche überbaut. Und in jeder Kirche sang der Bachchor ein Stück aus dem Psalmenprogramm zur Freude der gerade anwesenden Pilger, Touristen und Kirchenvertreter. Auch im See Genezareth und im Toten Meer wurde gesungen Dies hat neben der Konzerttätigkeit den besonderen Zauber der Reise ausgemacht, die von 40 Singenden und 14 Familien- und Fördervereinsmitgliedern angetreten wurde. Die Gemeinschaft reiste nicht nur als Touristen und nicht nur als Pilger, sondern auch als Musizierende. Dieser Umstand war der Schlüssel zu den vielen außerordentlichen Erlebnissen dieser Passage. Gesungen wurde auch im See Genezareth und im Toten Meer, wo der Chor mit den Notenblättern in der Hand entspannt im salzreichen Wasser floatend Sigmund Bothmanns Dirigat folgte. Das offizielle Programm begann mit der musikalischen Gestaltung des Pfingstgottesdienstes in der Erlöserkirche, einer Auslandsgemeinde der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) in der Altstadt von Jerusalem. Da am Pfingstmontag das St.-Charles-Konvent sein 125-jähriges Bestehen feierte, konnte der Chor den Festgottesdienst in Anwesenheit des Deutschen Botschafters Dr. Clemens von Goetze, von Johannes Singhammer, Vizepräsident des Bundestages, und des Apostolischen Nuntius in Israel, Leopoldo Girelli, musikalisch bereichern. Die Ordensschwestern verabschiedeten den Chor dementsprechend herzlich, die ein baldiges Wiedersehen mit einem traditionellen jüdischen Spruch wünschten: „Nächstes Jahr in Jerusalem." Das Konzertprogramm wurde in Palästina fortgeführt. Für drei Tage zog der Bachchor in die Deutsche Schule Talitha Kumi in Beit Jala bei Bethlehem. Obwohl der Weg nur zehn Kilometer vom Aufenthaltsort in Jerusalem entfernt ist, war dies eine Reise in eine andere Welt, vorbei am Checkpoint und der teilweise acht Meter hohen Mauer zum Westjordanland. In der der Geburtskirche benachbarten Katharinenkirche gab es ein Konzert mit Begegnung des ansässigen palästinensischen Chores. Tel Aviv wirkte wie eine Stadt in einem anderen Land Bevor es weiter nach Tel Aviv ging, wurde die Wüste bereist. Eine Wanderung durchs Wadi Qelt bis nach Jericho beeindruckte den Chor ebenso wie die Besichtigung der Festung Masada über dem Toten Meer mit einem spektakulären Blick über die weite Wüstenlandschaft bis ins fruchtbare Jordantal. Nachdem der Chor die Heilige Stadt Jerusalem kennengelernt hatte, wirkte dann das nur 70 Kilometer entfernte weltoffene, lebensfrohe, so konservative wie tolerante Tel Aviv am östlichen Mittelmeer wie eine Stadt in einem anderen Land. Hier fand das letzte Konzert des Bachchores im Vortragssaal des Israel Conservatory of Music gemeinsam mit dem dortigen Ma‘ayan Choir und dem Bat-Kol Girls‘ Choir statt. Wie schon oft zuvor bot das Konzert Raum für Begegnung und Verständigung zwischen Menschen, Kulturen und Religionen. Zurück in Gütersloh werden die Bachchor Sängerinnen und Sänger künftig ihre Passionen, Oratorien und Messen vor dem Hintergrund eines erweiterten Erfahrungsschatzes singen können. Die Aussage ihres Leiters Sigmund Bothmann, dass sich jede Reise des Bachchores in Herz, Seele und Stimmbänder einbrennt, trifft auf diese elf Tage in ganz besonderer Weise zu. Ermöglicht wurde die Fahrt neben den Eigenanteilen der Reisenden durch großzügige Spenden des Fördervereins und weiterer Sponsoren, die ungenannt bleiben möchten. Weitere Informationen unter www.bachchor-gt.de.

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