Gütersloh Doch kein Blitzer: Blaue Kontrollsäule misst Maut

B61: Verkehrsteilnehmer sind verwirrt beim Anblick der auffälligen Anlage an der Wiedenbrücker Straße. Eine Geschwindigkeitsmessanlage ist es nicht, deshalb muss niemand auf die Bremse treten

Ingo Müntz

Gütersloh. Die neue blaue Säule an der Bundesstraße 61 kontrolliert lediglich die Mautzahlungen der Lastwagen, nicht die Geschwindigkeit der Autofahrer. Anfang der Woche errichtete die Firma Toll Collect die Säule am Standort Buxels See in Fahrtrichtung Gütersloh. Übrigens die einzige Mautstation im Kreis Gütersloh. Denn am 1. Juli tritt die Mautpflicht für Lkw ab 7,5 Tonnen auf den Bundesstraßen in Kraft. Zu den 12.000 Autobahnkilometern kommen 40.000 Kilometer Bundesstraße hinzu. Der Standort für die vier Meter hohe Kontrollsäule scheint auf den ersten Blick nicht gut gewählt. Denn der Bereich zwischen Autobahn und Stadtgrenze ist einer der Unfallschwerpunkte. Insbesondere während der Stoßzeiten kommt es hier immer wieder zu Auffahrunfällen. Betreiber setzt auf auffällige Lackierung der Mautsäule Und tatsächlich fällt im Berufsverkehr hektisches Bremsen mancher Autofahrer auf. Denn die Verunsicherung ist bei denen groß, die hier eine Geschwindigkeitsmessanlage vermuten. Dieser Eindruck sei tatsächlich kontraproduktiv, teilte der Kreis mit. Denn "grundsätzlich versucht der Kreis Gütersloh, durch seine Geschwindigkeitsmessungen Unfallschwerpunkte zu entschärfen." Der Standort der Säule wurde vom Betreiber mit dem Bundesamt für Güterverkehr abgestimmt. Die jeweiligen Standortplanungen mussten bei den zuständigen Straßenbauverwaltungen zur Zustimmung eingereicht werden. Toll Collect weist darauf hin, dass die Mautsäule durch die blaue Lackierung und den grünen Streifen ausreichend kenntlich gemacht wurde. "Wir haben uns bewusst für die auffällige Gestaltung entschieden, da Blitzanlagen in der Regel unauffällig gestaltet und häufig versteckt aufgestellt werden", so ein Sprecher. Und tatsächlich steht schriftlich auf der Säule vermerkt, dass es sich um eine Mauteinrichtung handelt. Der Sprecher räumt ein, das sei aus einem fahrenden Fahrzeug nicht zu erkennen, eher im Vorbeigehen. Das Unternehmen setzt auf Gewöhnung. Allerdings wird dafür etwas Zeit in Kauf genommen. Denn im weiteren Gespräch räumt der Toll Collect-Sprecher auch hier ein, dass immer noch "einige Autofahrer auf der Autobahn bremsen, wenn sie auf eine überspannende Mautbrücke zufahren". Die Lkw-Maut wurde übrigens 2005 eingeführt. Gleichzeitig ist die Mautsäule an der B 61 auch ein Wink mit dem Zaunpfahl für die Transportbranche. Denn die Fahrer und Transportunternehmen müssen sich ab dem 1. Juli automatisch oder manuell in das Mautsystem einbuchen können. Dabei kommen Kosten auf die Transporteure zu, die sich für den Einbau einer sogenannten automatischen On-Board Unit entscheiden. Pro Fahrzeug können einige hundert Euro auf der Rechnung stehen und ein Tag Stillstand in der speziell geschulten Werkstatt. Die manuelle Einbuchung geschieht online über Computer, Smartphone, Tablet oder an einem Mautstellen-Terminal. "Die reinen Mautkosten auf der Bundesstraße entsprechen den Kosten auf der Autobahn", sagt Detlev Kahmen. Der Transporteur aus Lintel rechnet aktuell mit 13,5 Cent pro Kilometer für einen Lastwagen der Schadstoffklasse sechs auf fünf Achsen. Künftig wird er zu den Autobahnkilometern auch die Bundesstraßenkilometer zahlen. Zudem erwartet Kahmen einen Anstieg der Maut um 40 bis 50 Prozent zu Beginn des kommenden Jahres. Somit stiege der Kilometerpreis auf 18,7 Cent. "In einem Gutachten für das Verkehrsministerium haben Experten die Mehrkosten für Erhalt und Ausbau der Infrastruktur beziffert." Und bisher sei das Ministerium den Gutachten immer gefolgt. Das bedeutet auch für den Endverbraucher höhere Preise. Denn die Mautkosten werden auf die Waren umgelegt.

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