Erfolg mit Kryptowährung: Ilyas Yücel (28) hält einen symbolischen Bitcoin in die Kamera. Seinen ersten Kontakt zu der Kryptowährung hatte er im Mai 2017. Wenig später investierte er seine Ersparnisse in die Währung. In Gütersloh betreibt er seit Februar das "Bitcoin Bistro", wo man mit drei unterschiedlichen Kryptowährungen bezahlen kann. - © Amelie Förster
Erfolg mit Kryptowährung: Ilyas Yücel (28) hält einen symbolischen Bitcoin in die Kamera. Seinen ersten Kontakt zu der Kryptowährung hatte er im Mai 2017. Wenig später investierte er seine Ersparnisse in die Währung. In Gütersloh betreibt er seit Februar das "Bitcoin Bistro", wo man mit drei unterschiedlichen Kryptowährungen bezahlen kann. | © Amelie Förster

Gütersloh In diesem Gütersloher Lokal können Gäste ihren Kaffee mit Bitcoin bezahlen

Wie das funktioniert und warum Bitcoins Banken überflüssig machen könnten

Amélie Förster

Gütersloh. "Meine erste Frage lautet immer: Auf welchem Stand bist Du?", sagt Ilyas Yüce. Der 28-jährige Gütersloher führt das "Bit-coin Bistro" an der Berliner Straße. Hier können Gäste ihren Kaffee mit der Kryptowährung "Bitcoin" bezahlen, die sie auf das "Konto" bzw. in ihre digitale Brieftasche geladen haben. Und das sogenannte Wallet, wie die Bitcoin-Brieftasche genannt wird, ist als App auf dem Smartphone immer dabei. Ein normaler Kaffee kostet bei Yüce im Laden 1,60 Euro und das Bezahlen funktioniert so: Über Plattformen wie Bitcoin.de können Nutzer ihr Wallet nach einer Verifizierung direkt mit Bitcoins aufladen. Und dann? Ilyas Yüce generiert auf dem Tablet einen QR-Code, für den er lediglich den Preis in Euro eingeben muss. "Der Code wird mit der Wallet-App auf dem Smartphone eingescannt, der Kunde bestätigt die Aktion mit dem Button "Geld senden" und schon ist das Geld abgebucht", erklärt Yüce weiter. Ohne auch nur einen Cent Bargeld in der Tasche zu haben, ist der Kaufvorgang abgeschlossen. Und noch etwas fehlt in dem Bezahlvorgang, was bei sonstigen Überweisungen immer der Fall ist: "Die Banken fallen weg", sagt Yüce. Normalerweise würde das Geld bei digitalen Transaktionen von Bank zu Bank den Besitzer wechseln. Diese würden den Zahlungsvorgang in Stellvertretung für ihre Kunden, die dafür Geld in Form von Kontoführungsgebühren zahlten, übernehmen. "Bei der Kryptowährung wechselt das Geld den Besitzer unmittelbar, ohne zusätzliche Kosten", sagt Yüce. Bitcoin-Transaktionen können nicht rückgängig gemacht werden Genau darin sieht Matthias Trepper, Pressesprecher der Sparkasse Gütersloh-Rietberg, ein Problem: "Im Gegensatz zu klassischen Zahlungsmitteln, ist es bei einer Bitcoin-Transaktion nicht möglich diese zurückzunehmen." Ist das Geld also einmal gesendet, hat der Kunde keine Chance es zurück zu holen. Und noch einen anderen Nachteil hat die Kryptowährung, wie Dennis Will, Pressesprecher der Volksbank Bielefeld-Gütersloh erklärt, starke Kursschwankungen nämlich: "Wir gehen davon aus, dass eine Währung mit derart starken Kursschwankungen, wie Bitcoin sie aufweist, rasch ihre Funktion als allgemein eingesetztes Zahlungsmittel verlieren und - ähnlich wie Kryptowährungen - im wesentlichen nur noch als Spekulationsobjekt genutzt würde." Sowohl Trepper als auch Will sind sich einig, dass das starke Auf und Ab, das die Währung derzeit erlebt, dazu führt, dass Bitcoin keine Gefahr für das Bankensystem darstellt. Auch Yüce sieht in den Kursschwankungen ein Problem, allerdings: "Der Bitcoin unterliegt immer starken Kursschwankungen, das liegt daran, dass einzelne Personen oder Institutionen große Mengen von Bitcoins besitzen. Verkaufen diese ihre Anteile, geht der Kurs rapide nach unten." Besonders in der Zeit vor Weihnachten sei das jedes Jahr der Fall. Im Januar stiegen dann viele neu ein, dann gehe der Kurs meist wieder rauf. Wie die New York Times berichtet, soll die US-amerikanische Bank "Goldman-Sachs" zukünftig den Handel mit "Bitcoin-Futures" anbieten. Dabei handelt es sich um Termin-Kontrakte, bei denen auf Kursverläufe spekuliert wird. Bitcoin basiert auf der Blockchain-Technologie, in dieser werden die Daten kumulativ gespeichert. Jeder Teilnehmer kann so einsehen, welcher Teilnehmer wieviele Bitcoins wohin transferiert hat, erklärt Yüce das System. Natürlich anonymisiert, jedoch kann jeder Teilnehmer sehen, von wem zu wem welche Zahlung überwiesen wurde. Eine Art Pseudo-Anonymität also? Dennis Will äußert sich kritisch: "In der Tat genießt die Privatsphäre bei Bitcoin einen nur geringen Schutz, verglichen beispielsweise mit dem bankbasierten elektronischen Zahlungsverkehr. Kursschwankungen beim Bitcoin sind normal Auch aufgrund der hohen Bedeutung, die das Bankgeheimnis für die Kunden hat, halten wir es daher für unwahrscheinlich, dass sich Kryptowährungen wie Bitcoin als Zahlungsinstrumente in der Breite durchsetzen können." Yüce glaubt an die Zukunft des relativ jungen Zahlungsmittels: "Ich glaube nicht, dass das Bargeld aussterben wird. Allerdings denke ich, dass Bitcoin sich beispielsweise in Regionen, in denen Menschen keinen Zugang zu Bargeld haben, durchsetzen wird. Außerdem glaube ich, dass es als Währung im Urlaub sehr praktisch ist. Geld zu wechseln und die Gebühren, um am Automaten die Fremdwährung abzuheben, entfallen." In Yüces Bistro werden auch andere Währungen akzeptiert. Neben der Kryptowährung Bitcoin, können die Kunden bei Yüce ihr Frühstück, aber auch die Nudelgerichte, die Yüce in seinem Bistro anbietet, mit den Kryptowährungen Ethereum und Bitcoin-Cash bezahlen - aber auch mit Euros: "Es gibt einfach noch nicht so viele Menschen in Gütersloh, die mit Kryptowährungen zahlen und sich überhaupt damit auskennen. Deshalb biete ich auch Zahlungen mit Bargeld an." Pro Woche kommen derzeit etwa zwei Personen und zahlen mit Bitcoins, schätzt Yüce. "Bis 2020 werden es pro Woche aber bestimmt vier oder fünf Leute sein", vermutet Yüce. Weil sich viele Kunden aber für die Kryptowährung interessieren, öffnet Yüce sein Lokal, an der Berliner Straße 87, jeden ersten Samstag im Monat und steht allen Neugierigen bei einer Fragerunde Rede und Antwort.

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