Schotter marsch: Nikolas Johannknecht (l.) und Ole Hauernherm befüllen das Gleisbett. - © Anja Hustert
Schotter marsch: Nikolas Johannknecht (l.) und Ole Hauernherm befüllen das Gleisbett. | © Anja Hustert

Gütersloh Dampfkleinbahn Mühlenstroth startet in die Saison

Am "Tag der Arbeit" beginnt für die Hobby-Eisenbahner wieder die Saison. Um die Gleise zu sanieren, fassen alle ordentlich mit an

Anja Hustert

Gütersloh. Nikolas Johannknecht (19) hat jede Menge Schotter. Zumindest auf dem Waggon seiner kleinen Diesellok. Laut tuckernd setzt diese sich langsam in Bewegung, ein Hupsignal ertönt, gleichzeitig fallen staubend Schottersteine aus dem Anhänger. Auf dem Gelände der Dampf-Kleinbahn Mühlenstroth am Postdamm in Isselhorst wird eifrig gearbeitet. Schließlich muss zur Saisoneröffnung am 1. Mai alles fertig sein. "Wir sanieren unsere Gleise", sagt Ole Hauernherm. Der 29-Jährige ist für den Arbeitseinsatz am Wochenende aus Bochum gekommen. 85 Meter Bahnschienen - zweigleisig - werden an der Haltestelle Postdamm in ein neues Bett gelegt. "33 Kilogramm wiegt ein Meter Schiene", erzählt der Maschinenbau-Student. Die alten Schienen, die die Vereinsmitglieder Anfang Februar auf dem Gelände abgebaut hatten, wogen nur 18 Kilogramm. "Wir haben die Gleise von der Westfälischen Landes-Eisenbahn übernommen. Sie haben vorher in Rüthen bei der Möhnetalbahn gelegen." Die Gütersloher Kleinbahnfreunde haben jede Schiene selbst abgebaut, samt Schrauben und Platten. Bei den Tiefbauarbeiten am Postdamm wurden die Hobby-Eisenbahner vom Abbruchunternehmen Hagedorn unterstützt. Als nächstes wurden die Schienen verlegt, die nun mit den Holzschwellen verschraubt werden müssen. "Danach werden die Gleise mit Schotter angehoben und gerichtet", erläutert Hauernherm. Das ist heute seine Aufgabe, gemeinsam mit Nikolas Johannknecht, sonst bei Claas als Azubi zum Industriemechaniker im dritten Lehrjahr. Die Vereinsmitglieder leisten schwere Handarbeit mit Schaufel und Hacke. Beim Unterfüttern der Gleise hilft jedoch eine "Stopfmaschine", die dafür sorgt, dass der Gleisbauschotter aus Beckum die Schienen fest hält. Seit 1973 dampfen die Museumseisenbahnen über das Gelände am Postdamm. Die Gründung des Vereins Dampf-Kleinbahn Mühlenstroth (DKBM) erfolgte im Sommer 1972, als eine Gruppe von Eisenbahnfreunden aus dem Ruhrgebiet eine 750-mm-Dampflok von einem Schrotthändler kaufte und aufarbeitete. 60 Mitglieder hat der Verein, darunter viele Jugendliche. Sie alle investieren ihre Freizeit, damit in den Sommermonaten Lokomotiven über die Gleise dampfen können. Nikolas Johannknecht und Ole Hauernherm wurden bereits früh mit dem Eisenbahner-Virus infiziert. "Wenn ich gekonnt hätte, wäre ich schon als Zweijähriger eingetreten", sagt Hauernherm, der seit 2004 Mitglied ist, schmunzelnd. Damals fuhren seine Eltern zum ersten Mal mit ihm über die Strecke am Postdamm. An der Haltestelle am Postdamm sitzt Wolfang Rieländer in einem Bagger und bewegt Erde. "Wir müssen den Bahnsteig wieder auf Niveau bringen", erläutert der 68-Jährige, der 43 Jahre als Starkstromelektriker bei Miele gearbeitet hat. Schließlich müssen die Fahrgäste, die am 1. Mai um 10.27 Uhr am Kleinbahnhof zur ersten von vielen Saisonfahrten starten, bequem ein und aussteigen können. Den ersten Teil der Wintersaison haben die Hobby-Eisenbahner ihren Maschinen gewidmet. Zehn Dampf- und acht Dieselloks, dazu 40 Personen- und Güterwagen umfasst der historische Fuhrpark. Die Eisenbahnfreunde planen, dafür eine Museumshalle zu errichten. "Wir müssen zusehen, dass alles unters Dach kommt", sagt Hauernherm. Denn was der Regen nicht kaputt mache, erledige die Sonne. 350.000 Euro würde die Ausstellungshalle kosten, die Architekt Reinhard Michel entworfen hat. Derzeit versuchen die Vereinsmitglieder Spenden und Fördergelder zu bekommen. Unter anderem werden sie VITAL-Landesmittel beantragen. "Neben der Präsentation von Fahrzeugen und Originalexponaten könnte hier eine mediale Darstellung der vielfältigen Klein- und Privatbahngeschichte Westfalens erfolgen, als Beispiele seien die Bielefelder Kreisbahn, die Mindener Kreisbahn oder auch die Wallückebahn in Kirchlengern genannt", heißt es in dem Antrag. Das Projekt sei "mehr als ein Lokschuppen". Doch bevor dieses große Projekt in Angriff genommen wird, muss erstmal die Saison am 1. Mai beginnen. "Jetzt kontrolliert der TÜV nur noch die Kessel, dann kann es losgehen", so Hauernherm.

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