Ausbilder-Team Rippert: Christoph Landwehr, Meike Wiethaup, Sven Muckermann, Marvin Daut und Tim Strickmann ließen kleine Metallfahrzeuge zusammenschrauben. - © Becker
Ausbilder-Team Rippert: Christoph Landwehr, Meike Wiethaup, Sven Muckermann, Marvin Daut und Tim Strickmann ließen kleine Metallfahrzeuge zusammenschrauben. | © Becker

Gütersloh Firmen drängeln sich auf der Suche nach Nachwuchs

Berufs-Informations-Börse: 118 Firmen machen sich in der Stadthalle für die jungen Leute interessant. Die Veranstaltung genießt inzwischen derart viel Zuspruch, dass sie im nächsten Jahr wohl erweitern wird

Robert Becker

Gütersloh. Wie groß das Ringen der heimischen Unternehmen um qualifizierten Nachwuchs ist, beschreibt der Andrang auf der Berufs-Informations-Börse: 118 Firmen, so viele wie nie zuvor, präsentierten sich bei der vierstündigen Messe in der Stadthalle und im Theaterfoyer. Der Besucherandrang war entsprechend. "Wir sind sehr zufrieden", zog Organisator Helmut Flöttmann von der Probierwerkstatt e.V. am Samstag ein Fazit. Bereits der Elternabend am Donnerstag zuvor war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Viele Firmen versuchten, sich mit Hinweisen auf spezielle Bewerbertage, auf denen vertiefende Gespräche möglich sind, oder mit kleinen Aufgaben die Jugendlichen für sich zu interessieren. Am Stand der Firma Rippert aus Herzebrock-Clarholz sollten die Schüler beispielsweise aus vorgefertigten Metallteilen und kleinen Schrauben ein handliches Fahrzeug zusammenschrauben. Rund 40 Modelle wurden erstellt. "Am Ende waren einige Besucher traurig, dass wir keine Teile mehr hatten", sagte Marvin Daut und Tim Strickmann, die den Interessierten am Rippert-Stand Rede und Antwort standen. "Wir hatten viele tiefgehende Gespräche", war Ausbildungsleiter Sven Muckermann aber nicht nur mit den Basteleinlagen, sondern auch mit den Gesprächsergebnissen zufrieden. Besonders die dualen Ausbildungsgänge waren gefragt. Rippert bietet zwei neue Duale Ausbildungsgänge an, "Digitale Technologie" und "Product Services Engineering". Bis August läuft dort die Bewerberphase für 2019, sagte Muckermann. Derzeit hat das Unternehmen 39 Azubis. Für 2019 sollen 12 bis 14 Plätze geben, so Muckermann: "Wir bilden nach Bedarf aus". Aufgaben stellte auch die Steuer- und Unternehmensberatung Taxnavigator. Das Herzebrocker Unternehmen sammelte Kandidaten für einen Bewerbertag in zwei Wochen. Dort können sich dann zwölf Kandidaten an einem eineinhalbstündigen Spiel "Digital Escape" beteiligen. Gelöst wird die Aufgabe, einen Koffer zu öffnen, im Team. Etwa 60 bis 70 Gespräche mit Interessierten habe er geführt, sagte Mario Fritsch von Taxnavigator und war mit dieser Resonanz "sehr zufrieden". Steuerfachangestellte und ein duales Studium mit Abschluss Bachelor of Arts bietet das Büro den Einsteigern an. Eine Verschiebung der Interessen hatten die Ausbilder, Ralf Strewe und Matthias Bergmann, von Mohn Media festgestellt. An einer Ausbildung zum Drucker und in der Druckweiterverarbeitung (Buchbinder) sei das Interesse geringer gewesen. Viele Nachfragen und Gespräche habe es für Ausbildungen zum Mediengestalter gegeben, sagte Bergmann. Der Zulauf am Mohn-Media-Stand war groß gewesen, insbesondere zwischen zehn Uhr und der Mittagszeit gab es kaum ein Durchkommen. Dass die Messe in diesem Jahr durch die Hinzunahme weiterer Flächen im Theater entzerrt wurde, habe gut getan, sagten Strewe und Bergmann. Besonders das Handwerk klagt über Nachwuchsprobleme Eine Aufgabe hatten - wie jedes Jahr - auch die Ausbilder am Gerry-Weber-Stand gestellt. In diesem Jahr konnten Turnbeutel (selbst) genäht werden. "Es waren erstmals Herren hier, die sich für den Beruf interessierten", sagte Ausbildungsleiterin Jutta Imkemeier. Die Nähmaschine sei "dauerbesetzt" gewesen. Als Imkemeier das sagte, nähte gerade der Gütersloher Abiturient Daniel Fuchs unter Anleitung von Andrea Schneitker Stoffkanten zusammen. "Es ist Interesse da, aber Bewerbungen zum Textil- und Modeschneider kamen von Jungs bislang nicht", sagte Imkemeier. Auch Daniel Fuchs will nach dem Abi erst einmal etwas anderes machen. Zufriedene Gesichter sah Helmut Flöttmann, der die Messe zum 12. Mal in Gütersloh ausrichtete. Bis auf den letzten Quadratmeter seien die Flächen in Stadthalle und Theaterfoyer belegt gewesen, sagte Flöttmann. Für 2019 erwäge er, Flächen in den oberen Geschossen des Theaters mit anzubieten. In Interviews mit den Unternehmen und Ausbildern hatte Flöttmann erfahren, dass nicht alle Berufsbilder gute Nachfrage hatten. Flöttmann, der 40 Jahre lang die gewerbliche Ausbildung bei Miele leitete, macht sich für die Handwerksberufe stark. "Studium ist der Renner, doch die Nachwuchsprobleme beim Handwerk sind groß. Klempner gebe es schon heute viel zu wenige. Flöttmann glaubt, dass in den Handwerks-Berufen die Löhne anziehen; Angebot und Nachfrage regelten den Preis: "Mit Bachelor-Absolventen kann man bald die Straße pflastern."

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