Totalschaden: Wie durch das Bekennerschreiben bekannt wurde, handelte es sich bei dem Brandanschlag auf ein Autohaus in Spexard um eine politisch motivierte Tat. In der Nacht zum Sonntag wurden auf dem Parkplatz drei Fahrzeuge abgefackelt, der Schaden wird auf 75.000 Euro geschätzt. - © Andreas Frücht
Totalschaden: Wie durch das Bekennerschreiben bekannt wurde, handelte es sich bei dem Brandanschlag auf ein Autohaus in Spexard um eine politisch motivierte Tat. In der Nacht zum Sonntag wurden auf dem Parkplatz drei Fahrzeuge abgefackelt, der Schaden wird auf 75.000 Euro geschätzt. | © Andreas Frücht

Gütersloh Anschläge auf Autohaus: Spur führt ins kurdisch-linksextreme Milieu

Nach dem Brand bei einem Spexarder Autohändler am Wochenende ermittelt der Bielefelder Staatsschutz

Nicole Hille-Priebe

Gütersloh. Der gewaltsame Konflikt zwischen kurdischen und türkischen Gruppierungen hat Gütersloh erreicht: Nach dem Brand mehrerer Fahrzeuge vor einem Spexarder Autohaus in der Nacht zum vergangenen Sonntag wurde auf dem vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestuften Onlineportal Indymedia ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Der Bielefelder Staatsschutz ermittelt. Als Grund für ihren Anschlag nennen die Aktivisten der "Aktionszelle Haukar Hilmarsson", dass der Autohändler in jüngster Zeit als "großzügiger Sponsor von Propagandaveranstaltungen des AKP-Regimes" aufgefallen sei, zuletzt habe er Mitte Januar das vom türkischen Generalkonsulat ausgerichtete "Atatürk Turnier" in Münster finanziert. Laut dem in Gütersloh geborenen Autohändler mit türkischen Wurzeln, der nach eigenen Angaben auch regionale Sportvereine unterstützt und sich von den Ereignissen ebenso überrascht wie geschockt zeigt, habe es sich bei dem Sponsoring um einen Betrag von 100 Euro gehandelt. Drohungen habe er vor dem Brandanschlag nicht erhalten. "Wir legten Brandsätze" Die Täter beschreiben detailliert ihre Vorgehensweise, sich in den frühen Morgenstunden des 12. März an den Autohändler in Spexard "herangeschlichen" zu haben. "Wir legten Brandsätze unter die Fahrzeuge an der Seite des Firmengebäudes. Mit Bedauern mussten wir feststellen, dass das von uns gelegte Feuer nicht ausreichte, um auch die Lagerhalle des Unternehmens noch mitzunehmen. Dennoch freuen wir uns zu lesen, einen Sachschaden von ca. 75.000 Euro verursacht zu haben." Die Beamten des Bielefelder Staatsschutzes halten das Bekennerschreiben für authentisch, gleichwohl die Gruppe bislang noch nicht in Erscheinung getreten sei und es sich um den ersten Anschlag dieser Art in Ostwestfalen-Lippe handele. "Der Staatsschutz sieht zudem einen Zusammenhang mit den Konflikten zwischen kurdischen und türkischen Gruppierungen", sagte die Bielefelder Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer. Darauf weist insbesondere eine Passage in dem Schreiben hin, in der die Gruppe ihre politischen Motive deutlich macht: "Wir schließen uns mit unserer Aktion dem Aufruf der Autonomen Gruppen sowie der militanten Kampagne ,Fight4Afrin? an und grüßen alle Gefährten und Freunde, die die vergangenen Nächte genutzt haben, um ihrer Wut und ihrem Hass gegen die Massaker des faschistischen türkischen Staates und seiner Komplizen einen unversöhnlichen Ausdruck zu verleihen." "So lange der Konflikt besteht, wird es wohl Anschläge geben" Die Gruppe solidarisiert sich in dem Bekennerbrief ausdrücklich mit den in der syrischen Stadt Afrin eingekesselten Kurden, wo ein "Massaker an der Zivilbevölkerung" drohe. Neben dem Gütersloher Anschlag finden sich auf der Indymedia-Seite zahlreiche weitere Bekenntnisse zu Anschlägen, die unter der Parole "Fight4Afrin" in den vergangenen Tagen in ganz Deutschland verübt wurden, unter anderem auf eine Rheinmetall-Tochter in Berlin und eine Commerzbankfiliale in Hamburg. "Mit jedem Tag des Krieges in Afrin steigt unser Hass auf die Verlogenheit des deutschen Staates", heißt es dort. Obwohl es sich laut Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer um ein neues Phänomen in OWL handelt und noch unklar sei, wer tatsächlich für die Tat und das Schreiben verantwortlich sei, sehe der Staatsschutz ein grundsätzliches Problem: "So lange dieser Konflikt besteht, wird es wohl immer wieder Anschläge geben." Da im Internet von verschiedenen Seiten dazu aufgerufen werde, sei es zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich, die Tat eindeutig zuzuordnen. "Es ist noch unklar wer dahinter steckt, ob kurdisches oder linksextremes Spektrum." Die Ermittlungen des Staatsschutzes im Spexarder Fall werden also noch andauern. Wie der Inhaber des Autohauses an der Wilhelmstraße berichtet, soll das Gelände noch mit Spürhunden abgesucht werden, da man Brandbeschleuniger gefunden habe. Außerdem hätten die Überwachungskameras in der Nacht des Anschlags zwei verdächtige Personen aufgenommen. Bei dem Brand auf dem Parkplatz des Autohauses waren insgesamt drei Fahrzeuge abgefackelt, neben einem VW Bulli brannten ein Pritschenwagen und ein Renault Twingo aus. Auch die Halle wurde beschädigt.

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