Oft überlastet: Die Friedrichsdorfer Hauptkreuzung passieren täglich viele tausend Fahrzeuge. Am Freitag werden sich die Auto- und Lkw-Fahrer auch aus einem anderen Grund gedulden müssen, denn nachmittags wollen Anwohner wieder für den Bau einer Ortsumfahrung demonstrieren. - © Andreas Frücht
Oft überlastet: Die Friedrichsdorfer Hauptkreuzung passieren täglich viele tausend Fahrzeuge. Am Freitag werden sich die Auto- und Lkw-Fahrer auch aus einem anderen Grund gedulden müssen, denn nachmittags wollen Anwohner wieder für den Bau einer Ortsumfahrung demonstrieren. | © Andreas Frücht

Gütersloh Neuer Anlauf für die Ortsumgehung in Gütersloh-Friedrichsdorf

Die Stadt führt mit den Bielefelder Nachbarn Gespräche auf der Fachebene

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Die Friedrichsdorfer geben nicht auf. Nach beendeter Winterpause will die Bürgerinitiative "Pro Umgehungsstraße" am kommenden Freitagnachmittag erneut mit einem Protestzug durch den Ort für den Bau der neuen Straße demonstrieren. Ein kleiner Hoffnungsschimmer schwingt dann mit. Denn nach NW-Informationen sind die Verhandlungen zwischen den in dieser Frage uneinigen Städten Gütersloh und Bielefeld wieder aufgenommen worden - mehr als sechs Jahre, nachdem die frühere rot-grüne Landesregierung das Vorhaben wegen des fehlenden regionalen Konsenses aus dem NRW-Straßenbedarfsplan gestrichen hatte. Herrling bestätigte Gespräche der Kommunen auf Fachebene Stadtbaurätin Nina Herrling bestätigte auf Anfrage, dass die beiden Kommunen Gespräche auf Fachebene führten. Möglicherweise könne bereits in der Planungsausschusssitzung am Dienstag kommender Woche über Ergebnisse berichtet werden. Weitere Einzelheiten nannte Herrling nicht. Die Stadt Bielefeld ließ eine schriftliche Anfrage unbeantwortet. Umstritten ist zwischen den Nachbarn seit jeher der Verlauf der Umgehung auf der Ost-West-Achse, da hier im Wesentlichen Bielefelder Terrain berührt ist. Bei der Bezirksvertretung Senne stieß der geplante Trassenverlauf stets auf Ablehnung, und der Bielefelder Rat schloss sich dieser Haltung an. Es kommt auf die Verkehrsbelastung an Wie der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Raphael Tigges sagte, könne der Bau der insgesamt gut 6,5 Kilometer langen Umgehungsstraße nicht allein am fehlenden Konsens scheitern. Worauf es letztlich ankomme, sei die Verkehrsbelastung, und die sei nicht wegzudiskutieren. Dies sehe das neue CDU-geführte Verkehrsministerium im übrigen genauso, meinte Tigges. In der Tat hatte sich Minister Hendrik Wüst im vorigen Sommer selbst ein Bild an Ort und Stelle gemacht und im Beisein vieler Friedrichsdorfer seinen klaren Willen zum Bau der Umgehung bekundet. Allerdings räumte Wüst auch einen eklatanten Mangel an Planungskapazitäten bei den Landesbehörden ein. Für die Realisierung sind die einzelnen Länder zuständig Doch selbst wenn, wie im Januar von Düsseldorf angekündigt, 50 neue Planer eingestellt werden, dürfte die Landesregierung auf lange Zeit mit der Umsetzung des Masterplans in Sachen Bundesfernstraßen ausgelastet sein. Denn für die Realisierung der einzelnen Vorhaben sind die jeweiligen Länder zuständig. Kleiner Trost aus Sicht des Kreises Gütersloh: Die B 64 n mit der Ortsumfahrung Herzebrock-Clarholz zählt dort zu den Projekten des "vordringlichen Bedarfs". Stadtbaurätin Herrling liegt mit ihren Aussagen auf einer Linie mit Tigges. "Wir spüren jeden Morgen und an jedem Feierabend Handlungsdruck", sagte die Beigeordnete angesichts des für viele Anwohner belastend hohen Verkehrsaufkommens. Die letzten Messungen stammen aus 2015 Wie hoch es exakt ist, darüber liegen freilich keine ganz frischen Daten vor. Die letzten offiziellen Messungen des Bundes datieren von 2015. Demnach ist das Aufkommen auf der Windelsbleicher Straße sowie auf der Avenwedder Straße (L 788) seit Eröffnung des Autobahnanschlusses Buschkampstraße der A 33 gestiegen (um knapp 1.000 auf rund 11.000 Fahrzeuge pro Tag). Hingegen wurde auf der Brackweder Straße (L 791) ein leichter Rückgang auf 8.300 Fahrzeuge täglich verzeichnet. Diese Zahlen sind zwar bereits drei Jahre alt, aber immerhin bilden sie die von beiden Kommunen vermisste gemeinsame Datenbasis. Ob nach 2015 in Friedrichsdorf und Senne darüber hinaus jeweils eigene Verkehrszählungen erfolgten, ist unklar. Stadtbaurätin will Dialog mit Demonstranten suchen Sicher ist indes, dass die Stadtbaurätin am Freitag den Dialog mit den Demonstranten in Friedrichsdorf suchen will. Herrling: "Das habe ich mir fest vorgenommen." Außen vor ist derzeit die Bezirksregierung in Detmold. Als Planfeststellungsbehörde sei sie erst ab der Antragstellung durch einen Vorhabenträger mit einem solchen Vorhaben befasst. "Dies ist derzeit nicht der Fall."

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