Gleichberechtigt: Margret Mersmann ist als Schöffin dem hauptamtlichen Richter gleichgestellt. Das bedeutet auch, dass sie ihr Urteil am Jugendschöffengericht gut abwägen und vertreten muss. - © Foto: Andreas Frücht||
Gleichberechtigt: Margret Mersmann ist als Schöffin dem hauptamtlichen Richter gleichgestellt. Das bedeutet auch, dass sie ihr Urteil am Jugendschöffengericht gut abwägen und vertreten muss. | © Foto: Andreas Frücht||

Gütersloh Wie es ist als Schöffin Verantwortung zu übernehmen

Margret Mersmann empfindet ihr Ehrenamt als Auftrag. Kurz vor dem Ende ihrer dritten Amtszeit zieht sie ein durchweg positives Fazit

Ingo Müntz

Gütersloh. Besonnen ist wohl der richtige Begriff, um Margret Mersmann zu beschreiben. Sie ist Jugendschöffin am Amtsgericht, in ihrer dritten Amtszeit. Als Laienrichterin in Straffällen war sie zum ersten Mal in den 90er Jahren aktiv. Jetzt neigt sich ihre ehrenamtliche Dienstzeit dem Ende zu. Anfang 2019 werden neue Schöffen bestimmt. Warum sie diese Verantwortung übernimmt? "Ich bin damals angesprochen worden, ob ich als Schöffin tätig sein möchte. Damals hatte ich aufgrund meiner Berufstätigkeit immer wieder mit Gerichten zu tun", erklärt die Diplom-Sozialarbeiterin. Dass sie ausgerechnet Jugendschöffin wurde, habe sich so gefügt. "Jugendschöffin ist ein Ehrenamt mit einer besonderen Wertigkeit. Besonders daran ist auch, dass man das Ehrenamt nicht ablehnen kann." In der Tat: Bürger können als Schöffe oder Schöffin bestimmt werden, sie haben aber auch die Möglichkeit, sich freiwillig um dieses Ehrenamt zu bemühen. Mitbringen müssen die Bewerber ein tadelloses Führungszeugnis. "Als Schöffe sollte man die Flexibilität besitzen, sich auf unterschiedliche Umstände einzustellen. Vorverurteilungen, Klischees oder eigene Weltbilder sind hier völlig fehl am Platz", sagt Margret Mersmann. Der Weg auf den Schöffenstuhl ist grunddemokratisch. Während die Land- und Amtsgerichte die Zahl der notwendigen Jugend-, Haupt-, und Hilfsschöffen ermitteln, sind die Kommunen aufgerufen, Bewerber zu generieren und Vorschlagslisten zu erstellen. "Vorverurteilungen, Klischees oder eigene Weltbilder sind hier völlig fehl am Platz." Die werden öffentlich ausgelegt und nach Prüfung von einem Gremium am jeweiligen Gericht gewählt. Das Gremium besteht aus einem Richter, einem Beamten und sieben Vertrauenspersonen. Die ausgewählten Schöffen bekommen höchstens zwölf Verhandlungstage pro Jahr zugewiesen. Aktuell ist die Zahl der Bewerber übersichtlich, es sind schlicht zu wenige. Viele Menschen scheuen offenbar die Verantwortung oder den Aufwand. Der Gesetzgeber hat Regelungen getroffen, um mit Arbeitgebern oder Verdienstausfällen umgehen zu können. Wenn die Zahl der freiwilligen Bewerber nicht ausreicht, werden für das Schöffenamt geeignete Personen von Gemeinderat, Gewerkschaft, Kirchen oder sonstigen Organisationen benannt. Oder die Gemeinde greift auf das amtliche Melderegister zurück und entnimmt dort Namen und Anschriften in der erforderlichen Zahl. Das Telefon kann also bei jedem klingeln. Wie geht Jugendschöffin Mersmann mit ihrer Verantwortung um? "Zunächst muss es möglich sein, vorurteilsfrei in die Verhandlung zu gehen. Das gilt sowohl für den vermeintlichen Täter als auch für das vermeintliche Opfer", sagt sie nach langem Überlegen. Denn vor dem Jugendschöffengericht stehen Jugendliche und Heranwachsende zwischen 14 und 21 Jahren, die mit Freiheitsstrafen zwischen zwei und vier Jahren rechnen müssen. Ihr zur Seite stehen ein zweiter Schöffe und ein hauptamtlicher Richter. Alle drei haben gleiches Stimmrecht. "Bevor ich ein Urteil empfehlen kann, muss ich mich intensiv mit dem Sachverhalt auseinandersetzen, der sich häufig in vollem Umfang erst in der Verhandlung offenbart." Margret Mersmann muss ergründen, ob der Täter aufgrund seiner Reife eine Haftstrafe antreten kann oder zunächst erzieherische Maßnahmen angesetzt werden sollten. Diese Abwägung ist auch der Grund, warum die Schöffin über die Jahre mit den gefällten Urteilen gut leben konnte. Bei der Urteilsfindung können bei drei gleich berechtigen Richtern auch drei Meinungen aufeinander treffen. "Die Abstimmung innerhalb des Gerichts ist ein wichtiger Faktor. Wir müssen gucken, wie wir das hinbekommen." Hier können die Schöffen den Empfehlungen des Vorsitzenden folgen. "Aber auch er kann unseren Empfehlungen folgen". Schließlich könnten die zwei Schöffen den Hauptamtlichen sogar überstimmen. Was macht also einen guten Schöffen aus? "Objektiv Sachverhalte abwägen, gute Menschenkenntnis, eine gewisse Entscheidungsfreude und Kompromissbereitschaft", antwortet Mersmann. Und dass der Bewerber das Ehrenamt auch als Ehre empfinde. "Das ist schon ein gesellschaftlicher Auftrag", sagt sie. Was sie mitgenommen habe? Ganz wichtige Lebenserfahrung."

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