Gütersloh Elisabeth Morkes feiert ihren 100. Geburtstag

Ehrentag: Diesen Anlass findet sie selbst weit weniger spannend, als alle anderen um sie herum

Jeanette Salzmann

Gütersloh. Zum 80. Geburtstag überraschte Norbert Morkes seine Mutter auf Mallorca indem er mit der ganzen Familie inklusive Hund plötzlich im Urlaub vor ihrer Tür stand. Zum 90. Geburtstag gab es ein "Dinner for One"-Schauspiel. Und wie wird Elisabeth Morkes am heutigen Montag ihren 100. Geburtstag feiern? "Ganz normal", sagt sie mit einem Schulterzucken, "ich lass mich einfach überraschen. Das ist das Beste!" Ganz normal ist es indes nicht, wenn jemand ein volles Jahrhundert erlebt. Zumindest für Außenstehende ist diese Art von Geburtstag immer noch etwas Besonderes. Und erst recht, wenn man körperlich und mental fit ist. Was passt alles rein in 100 Jahre Leben? Eine Kindheit in Ortelsburg zum Beispiel. Ihre Großeltern leben dort auf einem Hof, das ist der Grund, warum die Familie 1930 mit neun Kindern von Herten nach Ostpreußen zieht. "Bei uns war immer was los und es wurde viel gelacht", und während Elisabeth Morkes über ihre eigenen Worte nachdenkt fügt sie hinzu: "Ist das nicht schön, wenn man das von seiner eigenen Kindheit sagen kann?" In Lübeck lernt sie ihren Mann Johann kennen Mit dem Flüchtlingstreck geht es zurück in den Westen. In Lübeck lernt sie ihren Mann Johann kennen, den alle nur Hans nennen. "Er saß im Theater neben mir und ich habe ihm Pralinen angeboten", und fortan geht es gemeinsam weiter von Bad Segeberg nach Gütersloh im Jahr 1953. Die gelernte Krankenschwester fängt bei Vossen an, später bei der Evangelischen Kirchengemeinde in der Schulstraße. Ehemann Hans wird Fernschreiber bei der Kreispolizeibehörde in Wiedenbrück. Er stirbt 2003 im Alter von 85 Jahren. "Es gab gute Tage, es gab schlechte Tage", resümiert Elisabeth Morkes, geborene Glodek. "Aber nur Sonnenschein wäre doch kein Leben!" Und so hat sie gelernt, die Dinge zu akzeptieren, gleich wie sie kommen: "Manchmal denkt man, es musste alles so sein." Sie putzt die Wohnung selbst, kocht, geht zum Frisör usw. 16 Stufen geht es rauf in die gute Stube. Ob das ein Hindernis ist? "Man gewöhnt sich an alles. Ich halte mich eben gut fest", sagt sie. "Ich bin zufrieden und dankbar für jeden Tag, an dem ich aufstehen und alles selbstständig erledigen kann." Sie putzt die Wohnung selbst, kocht, geht zum Frisör, zur Fußpflege oder Maniküre und wenn der Weg etwas weiter ist, steigt sie in den Bus vor der Haustür. Ist in Gütersloh Kirmes, marschiert Kirmeschef August Schneider mit ihr über den Rummelplatz. Auch das Seniorenfrühstück der Johannisgemeinde verpasst sie nicht "und wenn in Pavenstädt Schützenfest ist, ist Mutti hier Dauergast", ergänzt Norbert Morkes. Beide Familien wohnen in einem Haus und Elisabeth Morkes kann gar nicht oft genug betonen, wie toll sie das findet. Ein Geschenk erwartet die zweifache Großmutter von niemandem. "Ich wünsche mir zum Geburtstag nur, dass ich gesund bleibe." Sohn Norbert hat derweil eine kleine Feier im Brauhaus veranlasst. Elisabeths Schwester Mariechen (89) wird kommen und zahlreiche Gratulanten. Der Blindenverein wird dem Geburtstagskind eine Fahrt auf dem Motorrad schenken und Sohn Norbert weiß jetzt schon: "Das wird ihr gefallen!"

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