Zeigt her eure Handtaschen: Beim Frauenfrühstück offenbarten die Teilnehmerinnen, was sie so alles mit herumtragen. - © Nicole Hille-Priebe
Zeigt her eure Handtaschen: Beim Frauenfrühstück offenbarten die Teilnehmerinnen, was sie so alles mit herumtragen. | © Nicole Hille-Priebe

Kreis Gütersloh Vortrag zum Thema: Die Geschichte der Handtaschen

Bettina Speckhahn referiert heute Abend in Herzebrock-Clarholz zur Geschichte der Handtasche. Was Frauen schon immer geahnt haben: Luis Vuitton ist der Erfinder der Marken-Handtasche

Anja Hustert

Kreis Gütersloh. Sie selbst hat in ihrer Handtasche einen Müsliriegel, eine Flasche Wasser, Deo, Handy, Ladekabel, Lippenstift. Grau ist die abgewetzte Ledertasche, 20 mal 25 Zentimeter groß. "Sie hat mich schon nach Afrika und China begleitet", erzählt Bettina Speckhahn. "Nicht ohne meine Handtasche" das ist ihr Thema. Die Rietbergerin, Vorstandsmitglied der kfd Bokel, lädt am heutigen Weltfrauentag zum Frauenabend nach Herzebrock-Clarholz, wo sie nicht nur Interessantes zur Geschichte der Handtasche erzählt, sondern die anwesenden Frauen zum Handtaschentausch animiert. "Die ersten Taschen gab es schon in der Steinzeit", erzählt Bettina Speckhahn. Schon damals mussten Beeren in die Höhle und Feuersteine zur Feuerstelle transportiert werden - dies geschah vermutlich in Häuten, die an einen Stock gebunden waren. "Um die Hände frei zu haben, wurden mit der Zeit die Beutel an Hüftgurten befestigt." Die Römer entwickelten laut Speckhahn zusätzlich einen Vorläufer des heutigen Rucksacks: Legionäre schulterten ein Holzgestell mit einem Ledersack, der mit einem Riemen über den Rücken getragen wurde. Im 15. und 16. Jahrhundert gab es beutelförmige Taschen, die vor allem zum Verstauen von Münzen dienten. "Kaufleute und Adelige zeigten so ihren Reichtum", hat Bettina Speckhahn bei ihren Recherchen herausgefunden. Die ärmere Bevölkerung trug große, derbe Beutel, die ebenfalls auf ihre Herkunft hindeuteten. Die Beutel wurden meistens am Gürtel befestigt. Damals entstand das Wort "Beutelschneider" für einen Dieb. Denn diese schnitten die Beutel vom Band und erbeuteten so das Geld. "Im 18. Jahrhundert ging die Tasche zum ersten Mal an die Hand", erzählt Bettina Speckhahn launig. Und von da an war sie Frauensache. "Die Männer bekamen ihre Taschen direkt an die Kleidung genäht", weiß die Rietbergerin. Für die katholische Frauengemeinschaft in Bokel hatte sie im vergangenen Herbst die Handtaschentausch-Idee entwickelt und sich dann auch mit der Geschichte des weiblichen Accessoires befasst. Im 19. Jahrhundert, als die höhere Gesellschaft das Reisen mit der Eisenbahn entdeckt, wurden die ehemaligen Beutel robuster, aus Leder, teilweise mit Henkel. "Louis Vuitton war vermutlich der Erste, der 1896 die Taschen aus seiner Fabrikation mit seinem Markennamen kennzeichnete", erzählt Bettina Speckhahn. Die Markentasche war geboren. Viele nette Geschichten rund um das Kultobjekt für Frauen weiß sie zu erzählen. Beispielsweise erlangte die Handtasche Haut à Courroies von Hermès 1956 große Berühmtheit. Grace Kelly versuchte, sie sich vor das Schwangerschaftsbäuchlein zu halten. Der Name "Kelly Bag" ist bis heute geblieben. Übrigens geht es beim Vortrag "Nicht ohne meine Handtasche" von Bettina Speckhahn nicht um den Inhalt der Handtaschen. Stattdessen bringt jede Teilnehmerin des Abends eine nicht mehr geliebte Handtasche in neutrales Zeitungspapier eingewickelt mit, die dann im Laufe des Abends getauscht wird. Die Handtasche als Zufallsobjekt.

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