Feuer und Flamme: Kim Nadine Ortmeier wurde bei der Jahreshauptversammlung des Löschzuges Isselhorst zur Brandinspektorin befördert. Ihr Vater Rolf - seit 50 Jahren Mitglied der Isselhorster Feuerwehr - kann stolz auf sie sein. - © Anja Hustert
Feuer und Flamme: Kim Nadine Ortmeier wurde bei der Jahreshauptversammlung des Löschzuges Isselhorst zur Brandinspektorin befördert. Ihr Vater Rolf - seit 50 Jahren Mitglied der Isselhorster Feuerwehr - kann stolz auf sie sein. | © Anja Hustert

Kreis Gütersloh Isselhorsterin ist erste Brandinspektorin beim Kreisfeuerwehrverband

Kim Nadine Ortmeier, Brandinspektorin, kümmert sich unter anderem um die Ausbildung ihrer männlichen Kollegen

Anja Hustert

Kreis Gütersloh. Frauen bei der Feuerwehr? Im Gütersloher Stadtteil Isselhorst eine Selbstverständlichkeit. 1993 wurde hier mit Sandra Gerecht die erste Feuerwehrfrau in den aktiven Dienst aufgenommen. Da ist es fast eine logische Folge, dass der Löschzug Isselhorst nun auch die erste Frau mit der Qualifikation einer Zugführerin vorweisen kann. Kim Nadine Ortmeier, 35 Jahre und seit 20 Jahren Mitglied, hat die Ausbildung zum ehrenamtlichen Zugführer bestanden und wurde vor kurzem zur ersten Brandinspektorin im Kreisfeuerwehrverband Gütersloh befördert. Ein silberner Streifen ziert seither ihre Schulterklappe. Eine Frau in einer Männerdomäne, wie fühlt sich das an? "Gut", meint die 35-Jährige, "bei uns im Löschzug fühlt man sich nicht als Exot." Besonders reizvoll sei für sie das Zusammenspiel der Generationen im Löschzug. "Das geht bei uns von 18 bis 67. Man profitiert von der Erfahrung der Älteren und bekommt Input von den Jüngeren". Kim Nadine Ortmeier selbst war 15 Jahre, als sie zur Feuerwehr kam. Zur Jugendfeuerwehr, die in Isselhorst ebenfalls eine Vorreiterrolle im Kreisfeuerwehrverband spielte. "Wir waren damals drei Mädchen, ich und die Töchter des langjährigen Löschzugführers Bernd Sachse", erinnert sie sich. Eigentlich war es selbstverständlich, dass Kim Nadine Ortmeier in die Feuerwehr eintrat. Ihr Vater Rolf feierte dort gerade sein goldenes Jubiläum und besitzt außerdem eine riesige Feuerwehrsammlung, die er in seiner Gaststätte "Zur Linde" am Isselhorster Kirchplatz präsentiert. "Feuerwehr, das ist ein Ehrenamt, das sinnvoll ist", ist die junge Frau überzeugt. Und eines, in das sie viel Zeit investiert. 15 Jahre lang war sie Ausbilderin bei der Jugendfeuerwehr. Jetzt ist sie beim Löschzug ebenfalls für die Weiterbildung der Kameraden zuständig. "Ich bereite die Dienste vor", sagt sie. So gab es am Montag eine Einheit zu "Technischer Hilfe", die ein Kamerad aus Wiedenbrück schulte. Dabei wurde simuliert, wie man jemanden aus einem Pkw retten kann. Als das benötigte Fahrzeug kurz vor dem Schulungsabend nicht auf dem Parkplatz vor dem Feuerwehrgerätehaus stand, holte Kim Nadine Ortmeier kurzerhand selbst den Lkw mit dem Schulungsfahrzeug ab. "Meinen Lkw-Führerschein habe ich bei der Feuerwehr gemacht", erzählt sie. Und ihre männlichen Kollegen hätten auch kein Problem damit, sie fahren zu lassen. " Aber man muss sich den Respekt auch verdienen", sagt sie. Einige seien schon am Anfang kritisch gewesen, vor allem, weil die Männer den Frauen körperlich meist überlegen sind. "Wir sind vielleicht nicht ganz so stark wie die Männer, aber wir haben durchaus auch andere Qualitäten, die von den Männern geschätzt werden", sagt die Brandinspektorin selbstbewusst. Frauen seien strukturiert und gut organisiert und hätten manchmal einen anderen Blick auf die Dinge - "auch für das Zwischenmenschliche". Kim Nadine Ortmeier ist Diplom-Biologin und seit 2012 beim Kreis Gütersloh in der Koordinierungsstelle Energie und Klima beschäftigt. Landrat Sven-Georg Adenauer war gerne bereit, sie im vergangenen Sommer zwei Wochen zu beurlauben, damit sie beim Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen in Münster ihren F IV-Lehrgang zum ehrenamtlichen Zugführer absolvieren konnte. "Da war ich auch die einzige Frau", erzählt sie. Zwar gebe es auch spezielle Lehrgänge nur für Frauen, aber davon hält sie gar nichts. "Ich will keine Extrawurst haben. Ich will dazugehören." Beim Zugführerlehrgang - "vorher habe ich einige Wochenenden mit Lernen verbracht", sei ihr keiner der männlichen Kursteilnehmer doof gekommen. "Es war auch keiner dabei, der einen angemacht hat", erzählt sie. Mann oder Frau - "da wird im Einsatz nicht drauf geachtet", ist sich Kim Nadine Ortmeier sicher. Vor dem Umbau des Feuerwehrgerätehauses hätten sich die Frauen in der Dusche umgezogen, weil es noch keine separaten Umkleiden, Toiletten und Duschen für Frauen gab. "Da haben wir nicht mal die Türen zugemacht. Ich fühle mich nicht beobachtet", sagt sie. Die Tätigkeit bei der Feuerwehr sei vielseitig - "Technik, Erste Hilfe, Feuerbekämpfung, der Gedanke des Helfens steht immer an erster Stelle." Es sei schade, dass es Nachwuchsmangel gebe. "Man kann da sehr viel Positives für sich mitnehmen", ist sich die Brandinspektorin sicher. Ihr Freund unterstützt sie bei ihrem Engagement. "Der kennt die Abläufe vom Rettungsdienst", erzählt sie. Gelegentlich muss er aber auch außerhalb der regelmäßigen Treffen auf sie verzichten. "Ich mache Brandsicherheitswache im Theater", erzählt Kim Nadine Ortmeier. Normalerweise eine schöne Tätigkeit, Kunstgenuss inclusive. Nur im vergangenen November, da bekam die Feuerwehrfrau gut zu tun: Beim Konzert von "Schiller" sorgte eine Nebelmaschine für so starke Rauchentwicklung, dass die Brandmeldeanlage ansprang. "Wir haben das Theater geräumt", erzählt sie. Kein Problem für die erste Frau am Zug.

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