Verhandlungsgegenstand: Pachtet die Stadt Gütersloh das Heidewald-Stadion auch über 2019 hinaus ? Im kommenden Jahr endet der 1969 geschlossene Vertrag zwischen der Gütersloher Schützengesellschaft und der Stadt Gütersloh. - © Jens Dünhölter
Verhandlungsgegenstand: Pachtet die Stadt Gütersloh das Heidewald-Stadion auch über 2019 hinaus ? Im kommenden Jahr endet der 1969 geschlossene Vertrag zwischen der Gütersloher Schützengesellschaft und der Stadt Gütersloh. | © Jens Dünhölter

Gütersloh Gütersloher Schützengesellschaft fordert mehr Stadion-Pacht

Die Verlängerung des 2019 auslaufenden Vertrags mit der Stadt stand im Mittelpunkt der GSG-Hauptversammlung. Neben finanziellen Verbesserungen umfasst die Wunschliste noch einiges mehr

Jens Dünhölter

Gütersloh. Nur drei Tage nach der Präsentation der Pläne für einen Multi-Funktionsraum im Energie-Versum-Stadion durch den FC Gütersloh hatte am Wochenende der Eigentümer des Heidewalds das Wort. Die Gütersloh Schützengesellschaft (GSG) befasste sich auf ihrer Jahreshauptversammlung freilich mit der Zukunft der Gesamtimmobilie. Denn noch ist überhaupt nicht klar, ob die Stadt Gütersloh als Pächterin des Geländes dem Fußballverein das Stadion über das Jahr 2019 hinaus weiter zur Verfügung stellen kann. Das Fragezeichen fußt im absehbaren Ende eines "Mehr-Generationen-Pachtvertrages". 10.000 Quadratmeter des Filetgrundstücks am Stadtpark nutzen die Schützen selbst (Schützenheim, Schießstand); 30.000 Quadratmeter hat die Stadt Gütersloh für das Stadiongelände gepachtet. Mitte 2019 endet der 1969 geschlossene 50-Jahres-Pachtvertrag. Beide Seiten sind stark an einer Vertragsverlängerung interessiert, wie es heißt. Unterschrieben ist trotz des von Schützenseite bewusst großzügig gewählten "Zeit- und Entscheidungsfensters" mit im Sommer 2016 begonnenen, "guten, konstruktiven, einvernehmlichen, vertrauensvollen Gesprächen" (so der Vorsitzende Patrick Seidel) indes nichts. Dies erklärte der Chef der Stadtschützen vor den Mitgliedern am Freitagabend im Heidewald-Schießstand. Seidel sagte: "Wir sind der Überzeugung, dass wir mit der Stadt Gütersloh auf dem richtigen Weg sind". Trotz einiger lose eingegangener anderer Anfragen, brauche man sich "nicht nach Alternativen" umzuschauen. Bislang stehe jedoch "noch keine Summe drunter, es ist noch nichts unterschriftsreif". Primären Gesprächs- und Verbesserungsbedarf sieht der Vermieter neben zeitgemäßen Vertragsformulierungen in der Anpassung der finanziellen Konditionen. Nach Informationen aus dem Verein überweist die Stadt den Stadtschützen einen Pachtzins von 11.000 Euro pro Jahr. Nach Einschätzung lokaler Immobilienhändler liegt der ortsübliche Satz bei vergleichbarer Lage und Grundstücksgröße in zweieinhalb- bis dreifacher Höhe. Angesichts der für 2018 im Haushalt verankerten Rekordinvestitionen von 52,5 Millionen Euro erachten Insider die von der GSG mutmaßlich angestrebte Erhöhung auf rund 25.000 bis 28.000 Euro pro Jahr nicht als unmöglich. Der 1. Vorsitzende hielt sich in großer Runde mit Aussagen zu konkreten Beträgen jedoch bewusst zurück: "Der Vorstand hat mit der Stadt Stillschweigen vereinbart. Daran halten wir uns. Zahlen gibt es, wenn wir soweit sind." Zu den von Seidel vorgebrachten "Wünschen an die Stadt" zählt dabei die Erhöhung der Verkehrssicherheit des unbeleuchteten, nachts stockdunklen Areals durch das Aufstellen von Laternen sowie eine Umfeldverbesserung der Parkflächen. Denn bei starken Regenfällen erinnert die von Schlaglöchern gesäumte Schotterzufahrt einer Seenlandschaft. Die Stadtschützen möchten die Verdichtung der Oberfläche sowie die Bestandspflege für Grund und Boden vertraglich manifestieren. Patrick Seidel: "Mit den Anliegen stoßen wir bei der Stadt auf offene Ohren." Die Verhandlungspartner würden bereits mit den Fachbereichen der Kommune kommunizieren. Bereits Konsens besteht offenbar über eine Verkürzung der Pachtdauer von 50 auf künftig 20 oder 30 Jahre. In Sorge um den Verein mahnte der Ehren-Vorsitzende Günter Knopp zu kühlem Kopf während der Verhandlungen: "Wir müssen das Heidewaldstadion als unser Vermögen sehen. Das ist eine Konstante. Unser Pfand für die nächsten Generationen als Einnahmequelle." Nach dem Auslaufen des 50-Jahres-Pachtvertrags "sind wir autark, über das Gelände zu verfügen. Wir sollten nichts übers Knie brechen", mahnte Knopp. Das hat der Vorstand auch nicht vor. Laut Zielsetzung des Vorsitzenden soll "im Herbst der ersten Meilenstein gesetzt werden". Den unterschriftsreifen Vertrag möchte der Vorstand den Mitgliedern "zwischen Herbst 2018 und Ostern 2019 im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung oder während der Jahreshauptversammlung präsentieren", so Seidel. In der Versammlung am Freitag erschien eine Pachtverlängerung zwar als wahrscheinlich. Aber ob die Stadt auf die Wünsche des Eigentümers eingeht, muss sich in den weiteren Verhandlungen erst noch zeigen.

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