Stolz: Ladenbetreiber Achraf Al Mansour präsentiert syrische Spezialitäten wie Harisse (Grießkuchen mit Zuckersirup, hinten auf dem Teller) oder Kataif (Pfannkuchen mit arabischem Pudding und Zuckersirup, vorne auf dem Teller). - © Jens Dünhölter
Stolz: Ladenbetreiber Achraf Al Mansour präsentiert syrische Spezialitäten wie Harisse (Grießkuchen mit Zuckersirup, hinten auf dem Teller) oder Kataif (Pfannkuchen mit arabischem Pudding und Zuckersirup, vorne auf dem Teller). | © Jens Dünhölter

Gütersloh Hier können Sie in Gütersloh echt syrisch essen

Achraf Al Mansour bietet seinen Gästen im "Amal Damaskus" typische Gerichte aus seiner Heimat

Jens Dünhölter

Gütersloh. Gedämpftes Licht, orientalische Musik, rote Ledersitze. In der Ecke plätschert ein kleiner Brunnen. Von der Theke zieht der Duft von frisch gebrühtem Tee herüber. Mit geschlossenen Augen kann man sich wunderbar Kamel-Karawanen vorstellen, die durch unwirkliche Wüstenlandschaften ziehen. Ziel: Damaskus. Die Hauptstadt von Syrien. Vor 34 Jahren kam Achraf Al Mansour in genau diesem bebenden Moloch zwischen Orient und Abendland zur Welt. Im Jugendalter zog er nach Deutschland. Am 3. November 2017 hat der Syrer christlichen Glaubens seine beiden Heimatländer unter einer gemeinsamen kulinarischen Klammer vereinigt. Nach seiner Ausbildung unter anderem im "Glück und Seligkeit" in Bielefeld hat Achraf Al Mansour an der Carl-Bertelsmann-Straße 40 nur wenige Gehminuten vom neuen Szene-Viertel Gleis 13 entfernt in Eigenregie das erste syrische Lokal im Stadtgebiet aufgemacht. Der Name ist als Verbeugung vor seinem Geburtsort anzusehen: "Amal Damaskus" - "Hoffnung Damaskus". Seit 2011 herrscht in Syrien Bürgerkrieg. Mit Damaskus ist auch eines der kulturellen und religiösen Zentren des Orients betroffen. Unterschwellig steht "Amal Damaskus" deshalb auch für die Hoffnung auf Frieden im Bürgerkriegsland. Die ersten 90, ohne Ruhetag durchgearbeiteten Tage sind dem Gastronom beim Besuch der NW nicht anzusehen. Mit einer Mischung aus Stolz, ein großes persönliches Ziel erreicht zu haben und angeborener orientalischer Gelassenheit stellt er fest: "Wir sind nicht nur das einzige syrische Restaurant in Gütersloh, sondern auch im Kreis". Früher hätte es in Bielefeld mal einen "arabischen Laden gegeben, aber keinen syrischen". Für Europäer ein kleiner, für Syrer ein gewaltiger Unterschied. Arabisch ist die Hauptsprache des gesamten Orients. Die Syrer sind stolz auf ihren eigenen Dialekt. Wohin die kulinarische Karawane auf der insgesamt 120 Quadratmeter großen Fläche im Amal Damaskus zieht, zeigt schon der erste Blick auf die Karte. Unter der Skizze eines Mannes mit riesigem Schnäuzer und dem typischen Fes (Kopfbedeckung) leuchtet der Schriftzug "Reise nach Syrien". Während des Gespräches kommen immer wieder Landsleute herein. Achraf Al Mansour begrüßt sie standesgemäß: "Ahla Osahla" - "Willkommen". Die Zweisprachigkeit setzt sich auch auf der arabisch/deutschen Speisekarte fort. "Wir haben primär syrische Spezialitäten aus der Heimat", fasst der Gastronom die auf sechs Seiten präsentierten Geschmackserlebnisse zusammen. Als ein Gast zu den bekannten Falafel (frittierte Bällchen aus Kichererbsen) Pommes haben will, ist dies auch kein Problem. Während der Wartende sich die Zeit an einem der 85 in der Mittagszeit noch nicht voll besetzten Sitzplätze mit einem Glas frisch zubereiteten Tee vertreibt, macht sich Schwager Rani Albadin (33) am drehenden Hähnchen-Spieß zu schaffen - dem Shaorma. "Shaorma ist der Standard-Döner für Syrer", klärt der Chef. Die angebotenen Speisen Harisse (Grießkuchen mit Zuckersirup) und Kataif (Pfannkuchen mit arabischem Pudding) zerfließen förmlich auf der Zunge. Neben vielen vegetarischen Angeboten, wie den unverzichtbaren, landestypischen Kichererbsen-Gerichten und einem wechselnden Mittagsmenü hat das Restaurant auch Shish Taouk (Hähnchenspieße), Kibeh Maqliye (Klöße aus Bulgur und Hackfleisch) oder gefüllte Weinblätter zu bieten. Auf Schweinefleisch wird komplett verzichtet: "90 Prozent der Syrer sind Moslems. Damit würde ich mir keinen Gefallen tun", erzählt der zur christlichen Minderheit Gehörende. Die Geschäftsidee kommt gut an. Nach Aussage von Achraf Al Mansour leben alleine im Stadtgebiet rund tausend Landsleute. "Die freuen sich über die Abwechslung. Viele haben sehnsüchtig auf das kleine Stück Heimat gewartet, das wir ihnen bieten". Die Resonanz sei nach drei Monaten sehr zufriedenstellend. "Wir sind gut besucht. Viele Leute sind neugierig", so Achraf Al Mansour. Wenn es vor dem Abschied um das Begleichen der Rechnung geht, geht es allerdings nicht wie auf den im Orient extrem beliebten Basaren zu. Den deutschen Gepflogenheiten entsprechend sind die Preise nicht verhandelbar. Die Reise nach Syrien endet mit dem typischen Gruß: "Maa Al Salamec" - "Auf Wiedersehen".

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