Gefällt: 40 Bäume mussten weichen. Doch die Stadt betont, das sei verschmerzbar. Der ökologische Wert einer Gewässerrenaturierung sei um ein Vielfaches höher als eine durchgehende Bepflanzung der Böschung. - © Andreas Fruecht
Gefällt: 40 Bäume mussten weichen. Doch die Stadt betont, das sei verschmerzbar. Der ökologische Wert einer Gewässerrenaturierung sei um ein Vielfaches höher als eine durchgehende Bepflanzung der Böschung. | © Andreas Fruecht

Gütersloh Hier wird der nächste Abschnitt der Dalke renaturiert

Im Bereich von Ruhenstroths Wiese nimmt sich die Stadt den nächsten Abschnitt vor. Der Fluss verändert seinen Lauf und braucht dafür mehr Platz. Die Kosten werden nicht genannt

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Die Stadt setzt ihr Programm zur Renaturierung der Dalke stetig fort. Nun steht der rund 350 Meter lange Abschnitt an Ruhenstroths Wiese unweit der Höfe Amtenbrink und Höner auf dem Plan. Ist der Eingriff abgeschlossen, soll sich die Dalke dort wie früher in einem natürlichen Bett in einigen Schleifen winden - umgeben von Uferstaudenfluren und Wiesenflächen, ähnlich wie im Gütersloher Westen und inzwischen an vielen Stellen der Dalke. Spaziergängern, Radfahrern und Joggern ist der Abschnitt, den sich die Stadt nun vornimmt, bestens bekannt. Die Dalke verläuft dort auf diesen 350 Metern schnurgerade, und seit mehr als zehn Jahren führt die Promenade direkt am Fluss mit seinen Kopfweiden und neben einem Acker entlang; zuvor war der Weg abgerückt gewesen und nahe am Gelände des Hofes Amtenbrink verlaufen. Die Stadt verfolgt mit der Renaturierung auf der anderen Uferseite des Spazierweges den gleichen Zweck wie auf den früheren Abschnitten: Die Dalke wieder erlebbar zu machen, ihre Gewässerstrukturgüte zu verbessern, dem Fluss mehr Raum zu geben und Eigendynamik zuzulassen - und auf diesem Wege die Artenvielfalt zu fördern und den Hochwasserschutz zu verbessern. All das sind Ziele, mit denen Gütersloh das Programm seit nunmehr 18 Jahren umsetzt. Zuletzt war das ganz im Westen auf dem Abschnitt zwischen dem Klärwerk Putzhagen und der Gaststätte Neue Mühle (Herzebrocker Straße) der Fall gewesen, außerdem im Osten auf den letzten 250 "begehbaren" Dalke-Metern bis zur Strangmühle (Spexarder Straße). Der ökologische Vorteil der eingebauten Mäander liegt darin, dass sich dadurch die Strecke verlängert und die Fließgeschwindigkeit verringert. Das wiederum führt zu dem Effekt, dass es nicht mehr zu einer Tiefenerosion kommt und Flora und Fauna mehr Lebensraum finden. Dass die Stadt jetzt mit der Renaturierung in dem Bereich Sundern/Avenwedde beginnt, hatte sie zuvor nicht kundgetan. Die Folge: Als im ersten Schritt nun rund 40 Bäume gefällt wurden, meldeten sich viele besorgte Bürger, sowohl im Grünflächenamt als auch beim Naturschutzteam Gütersloh um Franz Thiesbrummel. Bei den Bäumen handelte es sich um Buchen, Eichen, Weiden und Kastanien; nach Auskunft der Stadtverwaltung waren die meisten von ihnen vor rund 40 Jahren "auf den Stock gesetzt" worden, was zu einem mehrstämmigen und nicht arttypischen Austrieb geführt habe. Gefällt worden seien die Bäume ausschließlich an jenen Stellen, wo der Fluss seinen bisherigen Lauf verändere und dazu mehr Platz brauche. "Im Vorfeld wurden alle Maßnahmen mit der Unteren Landschaftsbehörde, den Verbänden und dem Landschaftsbeirat intensiv beraten, abgestimmt und genehmigt", so die Mitteilung. Bernd Winkler, Leiter des Fachbereichs Grünflächen, verwies darauf, dass eine Gewässerrenaturierung aufgrund der Böschungsbepflanzungen aus der Vergangenheit nie ganz ohne Baumfällungen auskommen könne. Der Mehrwert einer ökologischen Gewässerrenaturierung sei aber um ein Vielfaches höher als eine durchgehende Bepflanzung der Böschungsköpfe. Ohnehin werde der größere Teil der umliegenden Bäume erhalten, außerdem seien Nachpflanzungen im nördlichen Bereich der Wiese vorgesehen. Aus ökologischer Sicht, so Winkler, werde einer Offenlandentwicklung mit Uferstaudenfluren und Wiesenflächen - wie im Gütersloher Westen - Priorität eingeräumt. Die fünf Teiche auf der Ruhenstroths und der benachbarten Wiese hatte das Naturschutzteam schon vor etlichen Jahren angelegt. Über die Kosten des neuen Renaturierungsabschnittes gab die Stadt am Freitag nichts bekannt. Im Haushaltsplan 2018 findet sich dazu kein Posten aufgeführt, dort sind lediglich der Dalke-Abschnitt Im Füchtei und die Lutter vermerkt, beide aber erst ab 2020. Als nächster Schritt sind laut Stadt nun Erdarbeiten geplant. Sofern die Witterung mitspiele, werde die Renaturierung im Herbst abgeschlossen sein.

realisiert durch evolver group