Gütersloh Nach Hundetod: Rattenbekämpfung ist eine Grauzone

Tiere: In Gütersloh wurden zwei Hunde mit Rattengift vergiftet. Beim Einsatz der chemischen Mittel müssen sich Kammerjäger an strenge Richtlinien halten. Die gelten aber nicht auf Privatgelände

Jens Dünhölter

Gütersloh. Der Tod kam leise, qualvoll und auf Raten. Die Vergiftung zweier Hunde im Bereich Bismarckstraße mit Rattengift hat in dieser Woche hohe Wellen geschlagen. Während die sechsjährige Welsh-Terrier-Dame Elli verendete, konnte der Hund der Nachbarin dank eines rechtzeitigen Hinweises gerettet werden. Im Magen des Tieres, einem Jack-Russell-Terrier, fand eine Bielefelder Tierklinik Spuren von Cumarin. Der Wirkstoff wird in hochwirksamen Rattenvernichtungsmitteln verwendet. Im öffentlichen Raum, in Parks, auf Wegen und Plätzen ist das Ordnungsamt für die Eindämmung und Bekämpfung von Ratten zuständig. Fachbereichsleiter Thomas Habig und sein Team beauftragen wiederum Kammerjäger mit der professionellen Bekämpfung. Diese rücken unter anderem mit Röhren und Köderboxen an, um die Nager zu jagen. Dabei müssen sie sich an strenge Sicherheitsvorschriften halten, damit nicht Hunde, Katzen oder Menschen gefährdet werden. Als Paradebeispiel für eine wirksame Bekämpfung führt der Zuständige die Guerickestraße im Ortsteil Spexard an. Anfang Dezember hatten sich dort mehrere Anwohner über eine regelrechte Rattenplage beschwert. Nach einem Bericht der Neuen Westfälischen wurde ein professioneller Schädlingsbekämpfer mit der mehrmaligen Bekämpfung der Tiere beauftragt. "Mittlerweile ist das Ding abgeschlossen", sagt Habig. Sehr viel komplizierter, oft in einer großen Grauzone, bewegt sich die Rattenbekämpfung bei Privatleuten. Anders als in anderen Kommunen oder Städten bedarf die Auslage von Rattengift in Gütersloh keiner behördlichen Erlaubnis. "Die Polizei kümmert sich um Gefahrenabwehr und Strafverfolgung. Ausliegendes Rattengift nicht zu kennzeichnen, ist keine Straftat" "Dafür gibt es keine rechtliche Grundlage", sagt der Leiter des Ordnungsamtes Thomas Habig. Die sachgemäße Verwendung obliege der "Verantwortung jedes Einzelnen". Überspitzt und keinesfalls zum Nachmachen empfohlen formuliert der Fachmann aus dem Rathaus: "Es kontrolliert niemand, ob man damit nach dem Kauf eine Suppe für die Schwiegermutter kocht oder es zur Tierbekämpfung einsetzt". Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Privatpersonen in Deutschland ausschließlich Rattengifte kaufen und anwenden, die Warafin enthalten. Andere, hoch toxische Mittel, sind ausschließlich ausgebildeten Schädlingsbekämpfern oder Personen mit entsprechendem Nachweis zugänglich. Für die Auslage oder das Ausbringen gibt es dagegen Vorgaben, die im Prinzip dem gesunden Menschenverstand entspringen. Bei frei zugänglichen Außenbereichen oder Grünlagen wie vor mehrgeschossigen Wohnhäusern oder Reihenhäusern sind nach Aussage von Thomas Habig "deutlich sichtbare Warnhinweise anzubringen". Bei abgeschlossenen, eingezäunten Privatgrundstücken liege der Fall anders. "Auf dem eigenen, mit einem Zaun abgetrennten Grundstück hat niemand etwas zu suchen", sagt Habig. Der zu beurteilende Einzelfall hänge also immer von der jeweiligen Örtlichkeit und der Frage ab, ob die Köder offen oder versteckt ausgelegt werden. "Die Grauzone ist da leider ziemlich groß", sagt Thomas Habig. Fehlende Warnhinweise erfüllen aus Sicht der Kreispolizeibehörde keinen Straftatbestand. "Die Polizei kümmert sich um Gefahrenabwehr und Strafverfolgung. Ausliegendes Rattengift nicht zu kennzeichnen, ist keine Straftat", sagt Polizeisprecherin Katharina Felsch. Für Helmut und Ingrid Kruse, Ellis Herrchen und Frauchen, ist das natürlich kein Trost. Noch immer trauern die beiden um den Sonnenschein der Familie: "Das ist für uns ein Riesenverlust." Damit es anderen Hundebesitzern nicht ähnlich ergeht, empfehlen sie nachdrücklich: "Passt auf eure Tiere auf und nehmt auf jeden Fall die Hinterlassenschaften mit. So geben wir Hundehassern keinen Anlass mehr."

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