Vorbei: Der Betrieb der Löwenzahn-Filiale an der Berliner Straße wurde mit dem Jahreswechsel eingestellt. - © Andreas Fruecht
Vorbei: Der Betrieb der Löwenzahn-Filiale an der Berliner Straße wurde mit dem Jahreswechsel eingestellt. | © Andreas Fruecht

Gütersloh Bioladen Löwenzahn verlässt Gütersloh

Die Kunden werden über Aushänge an den Fensterscheiben informiert - zu den Gründen gibt es keine Stellungnahme

Nicole Hille-Priebe

Gütersloh. Lange Gesichter bei den Kunden, die nach den Feiertagen im Bioladen Löwenzahn an der Berliner Straße ihre Vorräte wieder auffüllen wollten: Obwohl die Geschäftsräume hell erleuchtet und die Regale noch vollgepackt sind, bleibt die Tür gestern verschlossen. Der Laden hat praktisch über Nacht zugemacht: "Auf Wiedersehen" steht auf Aushängen an den Fensterscheiben, man bedanke sich "bei allen für die großartige Unterstützung in Gütersloh". Offenbar hat sie nicht ausgereicht, um die Gütersloher Niederlassung des Bielefelder Hauptgeschäftes halten zu können. Da die Geschäftsführerin Sabine Schwarz gestern keine Stellungnahme zu den Gründen der Aufgabe abgeben wollte, kann man darüber zurzeit nur mutmaßen: Gut möglich, dass die Konkurrenz durch die im Frühjahr 2017 nur wenige Schritte entfernt an der Strengerstraße eröffnete Filiale der Bio-Supermarktkette "Denn?s" einfach zu groß war. Kundenkarten und Gutscheine noch in Bielefeld einlösbar Kundenkarten und Gutscheine können Löwenzahn-Kunden jetzt nur noch im Geschäft in der Bielefelder Altstadt einlösen. Dort ist der Biomarkt-Pionier eine Institution in der Ökoszene, dessen 40. Geburtstag im vergangenen Jahr groß gefeiert wurde. Als Detlef Stoffel und Jürgen Klaubert 1977 den Löwenzahn als ersten Naturkostladen in OWL gründeten, waren sie noch echte Exoten, die mit ökologisch und ideologisch korrekten Produkten eine Randgruppe versorgten. Sabine Schwarz wurde 1991 Teilhaberin, mit dem Umzug ins Bielefelder Wellehaus 2004 verpasste sie dem Laden ein neues und schickeres Image in bester Lage. Doch während der Löwenzahn über einen 1982 eröffneten und nach wenigen Jahren wieder geschlossenen Ableger in Herford jahrzehntelang nicht hinauskam, nahm der Bioboom seinen Lauf - und mit ihm expandierten große Unternehmen wie die 1996 gegründete Supermarktkette "Denn's" mit Sitz in Töpen (Landkreis Hof), die mit einem Nettojahresumsatz von 234 Millionen Euro und 2.400 Mitarbeitern in mehr als 250 Geschäften in Deutschland und Österreich zu den Großen der Branche zählt. Dass auch "Denn's" in die Innenstadt zieht, wurde spät bekannt Trotzdem lagen die beiden Geschäfte bei der Verkaufsfläche und dem Sortiment gar nicht so weit auseinander: "Denn's" bietet mehr als 6.000 Produkte auf rund 450 Quadratmetern, im Löwenzahn waren es etwa 5.000 Produkte auf einer Fläche von 350 Quadratmetern. Von der Einrichtung her erinnerten die großzügigen Räumlichkeiten in der ehemaligen Bank-Filiale an das Bielefelder Mutterhaus, ebenso wie die Produkte, die in den Regalen zu finden waren: Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, eine große Käse- und Weinauswahl, Naturkosmetik und ein eigenes Bistro. Mit der Eröffnung an der Berliner Straße zog auch die Löwenzahn-Küche von Bielefeld nach Gütersloh. Als kurz vor der Einweihung bekannt wurde, dass "Denn's" in der unmittelbaren Nachbarschaft einen Mietvertrag unterschrieben hatte, fragten sich bereits viele Gütersloher, ob die Nachfrage der Kunden für zwei Geschäfte ausreichen würde. Eine Anfrage der Neuen Westfälischen in der bayerischen Zentrale dazu blieb gestern unbeantwortet. Bei der Eröffnung war der Niederlassungsleiter noch davon ausgegangen, dass die Gütersloher Innenstadt groß genug sei für einen zweiten Markt - doch offensichtlich ist sie das nicht.

realisiert durch evolver group