Teufelsgeier: Igor Epstein brillierte auf seiner E-Geige und führte mit Witz und Charme durch sein poppiges Programm. - © Matthias Gans
Teufelsgeier: Igor Epstein brillierte auf seiner E-Geige und führte mit Witz und Charme durch sein poppiges Programm. | © Matthias Gans

Gütersloh Konzert zum 25. Jubiläum des Forums Russische Kultur

Musikalischer Funkenflug - Viele lobende Worte gibt es für den Vorsitzenden Franz Kiesl. Mancher Gast hat auch noch mehr im Gepäck

Matthias Gans

Als „Brückenbauer zwischen den Kulturen" bezeichnet ihn Güterslohs Bürgermeister Henning Schulz, als jemand, der „mit langem Atem diesen Kontinent kulturell ausgemessen hat", beschreibt ihn Dr. Ernst-Jörg von Studnitz, langjähriger deutscher Botschafter in Moskau. Gemeint ist Franz Kiesl, Vorsitzender des Forums Russische Kultur Gütersloh. Und gesprochen wurden diese lobenden Worte zur 25-Jahr-Feier dieses Vereins in der Stadthalle. Peter Franke, Vorsitzender der Bundesverbandes der Deutschen West-Ost-Gesellschaften, stellt die besondere Größe des Forums heraus, das inzwischen weit mehr als 400 Mitglieder zählt. Er verrät zudem, dass Franz Kiesl am 18. November in Wittenberg erster Preisträger des „Jörg-Bohse-Preises für Zeit- und Ideenstifter" sein wird. „Franz Kiesl hat dieses Amt zu seiner Lebensaufgabe gemacht und wichtige Beziehungen geknüpft", stellt Heinz Pastel denn auch richtig während des nachmittäglichen Festakts vor 200 geladenen Gästen fest. Wie fruchtbar und effektiv dieses Beziehungsgeflecht ist, zeigt sich dann beim abendlichen Jubiläumskonzert vor weitaus mehr Gästen. Rund 700 Besucher erleben musikalisch, was es bedeutet, „unser bester Freund" zu sein, wie die Vize-Präsidentin der Moskauer Stiftung „Neue Namen", Tatjana Avdjunina, diese Verbundenheit ausdrückt. Bevor die mitgebrachten Musiktalente die Bühne entern, überbringt sie eine Videobotschaft des Stiftungs-Präsidenten Denis Matsuev, in der der Starpianist seine tiefe Verbundenheit mit dem Forum ausdrückt. Der Erinnerungsorden der „Neuen Namen", der anschließend überreicht wird, ist bereits der zweite, den Franz Kiesl an diesem Tag erhält. Schon am Nachmittag hatte ihn der in Oerlinghausen lebende Schriftsteller Heinrich Dick mit einem Orden für sein kulturelles Engagement ausgezeichnet. Der 14-jährige Pianist Wladimir Ivanov eröffnet mit einem Satz aus Prokofieffs „Romeo und Julia" brillant den musikalischen Reigen und erweist sich in Folge auch als aufmerksamer Begleiter. Die gleichaltrige Elisaveta Sessjolkina meistert an seiner Seite ihren Geigenpart bravourös und lässt sich auch durch ein paar heisere Flageoletts nicht aus der Ruhe bringen. Wie Sarasates „Zigeunerweisen" mal nicht auf der Violine, sondern auf dem Saxofon wirken, offenbart begeisternd der 19-jährige Artjom Golubkin. Noch tiefer in die Trickkiste greift der 18-jährige Alexej Schipunov, der im Stück „Immer weniger und weniger" mehr und mehr von seiner Klarinette verliert und am Ende nur noch auf dem Mundstück bläst – fulminant. Dass beide nicht nur Virtuosen, sondern Musiker mit viel Gefühl sind, beweisen sie in einem Tango. Ein Genie auf dem Bajan ist der zwölfjährige Rostislav Mudritzkij. Überschäumende Spiellust, musikalische Intelligenz, viel Herz und eine fabelhafte Beherrschung seines Instruments machen seinen Auftritt zu einem Höhepunkt des Abends, den auch das beseelte Spiel des bunt kostümierten Domra-Quartetts kaum toppen kann. Kontrastprogramm im zweiten Teil. Der in Köln lebende „Teufelsgeiger" Igor Epstein entführt auf der E-Geige und zu Playback-Musik auf eine musikalische Reise, bei der er Schlager von Ralph Siegel mit ebensolchem Charme und Schwung wie russische Volkslieder, Broadway-Hits oder irische Weisen spielt. In der „Las Vegas Country Show" erweist sich Franz Kiesl sogar als souveräner Bogenhalter. Nicht zuletzt angesichts dieser ungeahnten musikalischen Entwicklung des Forums-Vorsitzenden kann man mit Vadim Danilin, Botschaftsrat der Russischen Botschaft in Berlin, nur wünschen, „dass wir hier auch noch das goldene Jubiläum feiern können".

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