Sucht im Alter: Vor allem die Gefahr von Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit besteht zunehmend auch bei älteren Menschen. Die Zielgruppe Senioren will die Aktionswoche "Sucht hat immer eine Geschichte" deshalb gezielt mit Veranstaltungen ansprechen. - © dpa
Sucht im Alter: Vor allem die Gefahr von Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit besteht zunehmend auch bei älteren Menschen. Die Zielgruppe Senioren will die Aktionswoche "Sucht hat immer eine Geschichte" deshalb gezielt mit Veranstaltungen ansprechen. | © dpa

Kreis Gütersloh Eine Woche gegen die Sucht

Aktion: Suchtprävention im Kreis braucht eine enge Zusammenarbeit von Vereinen, Verbänden, Beratungsstellen - und nimmt eine neue Zielgruppe in den Blick

Rolf Birkholz

Kreis Gütersloh. Im regelmäßigen Glas zuviel kann sich ein Suchtproblem zeigen. Doch entstanden ist es bereits viel früher. Unter dem Leitsatz "Sucht hat immer eine Geschichte" hat im Kreis Gütersloh eine bis zum 13. November laufende Landeskampagne begonnen, um Bürger für die Thematik Sucht und Suchtvorbeugung zu sensibilisieren. Es sind landesweit die 198. Aktionstage, zum sechsten Mal finden sie im Kreis statt. Die Eröffnung Peter Köchling und Lars Riemeier von der Sucht- und Drogenhilfe des Caritasverbandes für den Kreis Gütersloh haben die Aktionswoche mit rund 100 Kooperationspartnern organisiert. Angesichts dieser vielen Partner würdigte die stellvertretende Landrätin Christine Disselkamp zur Eröffnung der Aktionswoche ein "sehr aktives" Netzwerk im Kreis, das den Betroffenen helfe. "Ich freue mich, dass sich so viele für das Thema starkmachen." Die Geschichte Stark hat schon Martin Luther gegen die Trinkerei seiner Landsleute gewettert. "Saufteufel" habe der die Leute genannt, denen "das Paradies auf Erden näher war als das Himmelreich", so Hans-Jürgen Hallmann. Der Leiter der ginko-Stiftung für Prävention und der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung NRW in Mülheim schilderte, wie es zu allen Zeiten bei Alkohol- oder anderem Drogenmissbrauch stets auch schon Vorbeugungsmaßnahmen gegeben habe. Die Aufklärung habe sich erst seit den 1960er und 1970er Jahren systematisch entwickelt, sagt Hallmann. Da sei oft mit Abschreckung gearbeitet worden, etwa nach dem Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" über das Schicksal der Christiane F. Später seien Sportler als Idole herausgestellt worden, was sich spätestens nach der Kokaingeschichte von Fußballtrainer Christoph Daum als unglücklich erwies. Heute sei der Suchtfaktor in der Prävention wichtiger als die Frage nach der Substanz einer Droge. Die Prävention Die moderne Prävention setzt laut Hallmann auf "kombinierte Maßnahmen", die etwa in Kindergärten durchgeführt werden und so auch die Eltern einbezögen. In den Schulen gelte es, eng mit den Lehrern zusammenzuarbeiten, diese den Einsatz des "Methodenkoffers" zu lehren. Zudem seien Medienkampagnen und gesetzgeberische Initiativen nötig. Erforderlich ist es laut Hallmann auch, die Tätigkeiten der oft nebeneinander agierenden Verbände in der Prävention zu bündeln. Er führte hier das kommunale Netzwerk "Gemeinsam gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen" an. Klar sei, dass "wir nur über Netzwerke unsere Ziele erreichen können". Vor allem: Dass Kinder und Jugendliche zufrieden und ohne den Griff zu abhängig machenden Hilfsmitteln ihren Weg gehen können. Die Zielgruppe Senioren Aber auch Seniorinnen und Senioren können noch vom Weg abkommen. Armin Koeppe, zuständig für die Landeskampagne, sagte, man werde sich verstärkt dieser Zielgruppe widmen. Einige der 600 Plakate, die im Kreis auf die Aktionstage aufmerksam machen sollen, thematisieren Abhängigkeit im Alter. Das Programm 120 Programmpunkte umfasst das Veranstaltungsheft. So werde etwa das Thema Alkohol und Karneval bei Jugendlichen behandelt ("Null Alkohol - voll Karneval"). Auch der Sport als Vorbeugung und der Blick auf die Angehörigen von Süchtigen werden beleuchtet. Ein besonderes Netzwerk ist für Rheda-Wiedenbrück geplant. Dort werden sich alle Schulen mit dem Abhängigkeitspotenzial Neuer Medien beschäftigen. Abschließend soll eine von Rheda bis Wiedenbrück reichende Menschenkette mit 3.000 Schüler gebildet werden.

realisiert durch evolver group