Fordert mehr Lehrer vom Land: Edith Mathmann will dem Unterrichtsausfall im Kreis Gütersloh nicht tatenlos zusehen. Wie hoch aber ist er wirklich? - © Raimund Vornbäumen
Fordert mehr Lehrer vom Land: Edith Mathmann will dem Unterrichtsausfall im Kreis Gütersloh nicht tatenlos zusehen. Wie hoch aber ist er wirklich? | © Raimund Vornbäumen

Kreis Gütersloh "Der Unterrichtsausfall ist zu hoch"

Schulstunden: Edith Mathmann, Vorsitzende der Kreisschulpflegschaft Gütersloh, schenkt den Stichproben des Ministeriums keinen Glauben - und greift nun zu anderen Mitteln

Jens Ostrowski

Kreis Gütersloh. Der Unterrichtsausfall an den Schulen im Kreis Gütersloh ist zu hoch, bemängelt Kreisschulpflegschafts-Chefin Edith Mathmann. Sie wirft der Landesregierung vor, das gesamte Ausmaß zu verschleiern. Denn während andere Bundesländern regelmäßig die genauen Zahlen veröffentlichen, gibt es in NRW nur Durchschnittswerte, die in anhand von Stichproben erhoben werden. "Wir spielen hier mit den Bildungschancen unserer Kinder", sagt Edith Mathmann im Interview mit NW-Lokalchef Jens Ostrowski. Frau Mathmann, das Schuljahr hat gerade begonnen. Und schon schlagen Sie Alarm ... Edith Mathmann: Unser Verein weist ja bereits seit Jahren darauf hin, dass die Landesregierung endlich etwas gegen den Unterrichtsausfall tun muss. Um entsprechende Maßnahmen einleiten zu können, brauchen wir aber verlässliche Zahlen. Und die bekommen wir nicht über Stichproben. Demnach fallen an den Schulen in NRW derzeit durchschnittlich 1,7 Prozent der Stunden aus. Eine etwas weitergehende Erhebung, die vor einigen Jahren vom Landesrechnungshof parallel zur gewohnten Stichprobe durchgeführt wurde, kam zu einem viel höheren Ergebnis. Mit 4,8 Prozent war der Anteil mehr als doppelt so hoch als die Stichprobe mit 2,2 Prozent. Wie hoch ist der Unterrichtsausfall im Kreis Gütersloh Ihrer Ansicht nach? Mathmann: Aus Gesprächen mit Eltern, Schülern gewinne ich das Gefühl, dass in den Schulen in unserem Kreis weitaus mehr Stunden ausfallen als die vom Land aktuell behaupteten 1,7 Prozent. Möglicherweise sind es sogar über fünf Prozent. Wir haben vor einiger Zeit die Schüler einer Hauptschule im Kreis gebeten, den Unterrichtsausfall täglich zu notieren. In nur einem Monat fielen damals 28 Stunden aus. Und das ist an vielen Schulen Alltag. Um das aber übergreifend belegen zu können, muss das Land endlich Statistik führen. Und da ist das Ministerium gefragt. Die Landesregierung hat sich in der Vergangenheit dagegen ausgesprochen - vor allem, weil für den Mehraufwand neues Personal eingestellt werden müsste. Mathmann: Ich bin mir sicher, dass sich Möglichkeiten finden lassen, den Stundenausfall ohne großen Aufwand zu erfassen. Es braucht doch lediglich eine entsprechende Software, in die jede Schule täglich die ausgefallenen Stunden einträgt. Das muss es unserem Land doch mit Blick auf die Bildungschancen unserer Schüler wert sein. Ich führe viele Gespräche mit ausbildenden Unternehmen. Was ich dort zu hören bekomme, ist alarmierend. Es gibt Schulabgänger, die die geforderten Schlüssel-Qualifikationen nicht mitbringen. Meistens geht es um mathematische und naturwissenschaftliche Eignungen - eben die Bereiche, in denen häufig Lehrer fehlen. Manche Schüler können die einfachste Grundrechenaufgaben nicht lösen. Die Errechnung der Grundfläche einer Tischplatte zum Beispiel. Bei der Ursache spielt natürlich auch der Unterrichtsausfall eine Rolle. Mit Nachhilfe können solche Lücken vielleicht geschlossen werden. Aber nicht alle Familien sind in der Lage, ihren Kindern Nachhilfeunterricht zu finanzieren. So hängt also die Bildung am sozialen Status der Eltern. Und das darf einfach nicht sein. Was also will ihr Verein tun, um Verbesserungen zu erzielen? Mathmann: Wir werden uns mit allen Schulpflegschafts-Vorsitzenden aus dem Kreis in den nächsten Tagen zusammensetzen und ein möglichst umfangreiches Bild vom Stundenausfall an den 135 Schulen im Landkreis zu bekommen. Anschließend werden wir diese Ergebnisse zusammen mit unseren Forderungen detailliert an das Schulministerium senden. Wir fordern eine umfassende Protokollierung des Stundenausfalls an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen. Und wir fordern, dass der Stundenausfall lückenlos durch die Einstellung neuer Lehrer kompensiert wird.

realisiert durch evolver group