Vor zwei Wochen in Bielefeld: Auch dort packten Helfer an, um Turnhallen innerhalb kürzester Zeit als Notunterkunft herzurichten. Andere Quartiere und auch die Erstaufnahmeeinrichtung waren schon belegt. - © Sarah Jonek
Vor zwei Wochen in Bielefeld: Auch dort packten Helfer an, um Turnhallen innerhalb kürzester Zeit als Notunterkunft herzurichten. Andere Quartiere und auch die Erstaufnahmeeinrichtung waren schon belegt. | © Sarah Jonek

Gütersloh 400 Flüchtlinge kommen nach Gütersloh

Bezirksregierung Detmold ordnet kurzfristige Unterbringung in zwei Sporthallen an

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Die Bezirksregierung Detmold richtet in der Sporthalle „Alte Ziegelei“ in Friedrichsdorf und in der Sporthalle Spexard zwei Notunterkünfte für Menschen ein, die in der Bundesrepublik Asyl suchen. In der Friedrichsdorfer Halle kommen die ersten Flüchtlinge bereits am Donnerstag an. In Spexard werden sie ab Dienstag, 28. Juli, erwartet. In den beiden Hallen sollen jeweils 200 Menschen Unterkunft finden. Wie lange sie dort bleiben, ist noch unklar. Laut einem Sprecher der Bezirksregierung hänge das von der Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge und der Auslastung der bestehenden Unterkünfte ab. Die Betreuung der in Friedrichsdorf und Spexard untergebrachten Flüchtlinge übernimmt der Kreisverband Gütersloh des Deutschen Roten Kreuzes. Das DRK leistet auch die sanitätsdienstliche Versorgung und die Verpflegung der Flüchtlinge. „Wir sind gefragt worden, ob wir den Dauerbetrieb übernehmen können, und wir sind dazu bereit“, sagte DRK-Kreisgeschäftsführer Günter Göpfert. Seit Dienstag, 21. Juli, wisse man davon.Fraglich, ob die 400 Plätze ausreichen Die Bezirksregierung teilte mit, den Ausschlag für die Wahl dieser beiden Hallen habe gegeben, dass sie zügig verfügbar seien. Man habe daher kurzfristig die Stadt Gütersloh ersucht, diese Gebäude zur Verfügung zu stellen. „Wir haben aus Gütersloh schnell die Nachricht bekommen, dass alles klappt“, sagte Sprecher Andreas Moseke auf Anfrage. Das habe rasch unkompliziert funktioniert. In OWL seien in auch in anderen Orten Notunterkünfte eingerichtet worden. Die Lage sei in ganz NRW sehr angespannt, und die Landesregierung habe die Bezirksregierung aufgefordert, weitere Unterkünfte zu beschaffen. Moseke: „Das ist uns durch die Bereitschaft der Stadt Gütersloh gelungen.“ Die Bezirksregierung gehe davon aus, dass die 400 Plätze noch nicht ausreichen. Die beiden Sporthallen sind die einzigen im Stadtgebiet, die nicht an eine Schule angebunden sind; möglicherweise gab auch das den Ausschlag bei der Auswahl. Denn es sei wohl kaum damit zu rechnen, hieß es gestern, dass die Hallen bis Ende der Schulferien wieder frei seien. Freilich hatte die Stadt ohnehin kein Mitspracherecht. Auswahl und Entscheidung lagen in der Hand des Landes.Stadt will den Sportvereinen beistehen Die Sportvereine – betroffen sind der SV Spexard, der TuS Friedrichsdorf und der SV Avenwedde – wurden gestern Nachmittag über die neue Entwicklung informiert. „Das müssen wir erst mal verdauen“, sagte Hubert Kötter, Vorsitzender des SVS. Es sei zu befürchten, dass der Sportbetrieb im Verein beeinträchtigt werde, dennoch trage man die Entscheidung des Landes natürlich mit. „Die Aufnahme und Betreuung der Flüchtlinge ist eine Aufgabe, der sich die gesamte Gesellschaft stellen muss, also auch wir.“ Mit Blick auf das Schützenfest am Wochenende – der Festplatz liegt direkt nebenan – kämen die ersten Flüchtlinge erst am Dienstag an. Sozialdezernent Joachim Martensmeier sagte, die Stadt werde den Vereinen beistehen. „Wir werden versuchen, das zu kompensieren und ihnen andere Hallen anzubieten.“ Beim SV Spexard (2.800 Mitglieder) sind neben den Abteilungen Handball, Badminton, Tischtennis und Volleyball vor allem Kurse im Breiten- und Gesundheitssport betroffen. Für den SV Avenwedde sagte dessen Vorsitzender Joachim Schuster, der Verein akzeptiere die Entscheidung. „Wir werden Ausweichregelungen finden.“Bis Jahresende wohl 560 Flüchtlinge in der Stadt Fest steht, dass die Stadt die 400 zusätzlich zu dem bestehenden Kontingent aufnehmen muss. Das Flüchtlingsaufnahmegesetz besagt, Notunterkünfte werden nur dann auf die Quote angerechnet, wenn sie länger als sechs Monate bestehen. Aktuell leben circa 320 Flüchtlinge in Gütersloh, die Stadt geht bis Jahresende von einem Anstieg auf bis zu 560 aus. DRK-Chef Göpfert sagte, man fange mit der Herrichtung der Halle Alte Ziegelei an. Betten werden aufgestellt, Boden verlegt, Stationen aufgebaut. In den ersten Tagen bekomme das DRK Unterstützung durch die Malteser, ab Montag bewältige man den Betrieb allein. Je Unterkunft brauche man circa 20 Kräfte.

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