Böckstiegel, ganz frisch: Ilka Meyer-Stork (v. l.) hat das seit 1945 verschollen geblaubte, 2012 von David Riedel (r.) wieder entdeckte "Familienbild" Peter August Böckstiegels restauriert, Marion Denis hat den Prozess fotografisch dokumentiert.
Foto: Rolf Birkholz - © Rolf Birkholz
Böckstiegel, ganz frisch: Ilka Meyer-Stork (v. l.) hat das seit 1945 verschollen geblaubte, 2012 von David Riedel (r.) wieder entdeckte "Familienbild" Peter August Böckstiegels restauriert, Marion Denis hat den Prozess fotografisch dokumentiert.
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Gütersloh Vom Wandschrank ins Museum

Verschollen geglaubtes Gemälde von Peter August Böckstiegl im Stadtmuseum

Rolf Birkholz

Gütersloh. Mit einigem Stolz präsentiert des Stadtmuseum ein altes „neues“, frisch restauriertes Gemälde des Expressionisten Peter August Böckstiegel (1889-1951). Das „Familienbild“ war vermutlich zuletzt 1927 im Münchener Glaspalast öffentlich gezeigt worden. Danach hatte es im Haus Böckstiegels in Arrode/Werther gehangen, um dann für wohl 60 Jahre in einem Wandschrank dort zu verschwinden. Nun erstrahlt es in neuer Frische. Ab Sonntag, 10. Mai, 11.30 Uhr, wird es erstmals seit fast 90 Jahren wieder öffentlich gezeigt. „Das ist für uns etwas Außergewöhnliches“, empfindet es Museumsleiter Dr. Rolf Westheider als eine Auszeichnung, das Werk als erstes Museum wieder vorstellen zu dürfen. Das hat auch damit zu tun, dass das Haus kein eigentliches Kunstmuseum ist. Als Stadtmuseum sei es vielmehr eine Stätte, an der „auch Geschichten erzählt werden können“, sagt David Riedel. Der Kunsthistoriker und Leiter des Böckstiegel-Hauses in Arrode will um das zentrale „Familienbild“ herum neben einigen weiteren, thematisch verwandten Bildern auch den Prozess der mühevollen Instandsetzung der 134 mal 179 Zentimeter messenden und damit fast größten Arbeit Böckstiegels vor Augen führen.    Denn das Entdecken war schnell getan. Im Sommer 2012, kurz nachdem Riedel seine Stelle angetreten hatte, öfnette er einfach einen Wandschrank und fand darin unter altem Fotometarial des Böckstiegel-Sohnes und Fotografen Vincent eine zusammengefaltete Leinwand: Es handelt sich um eben jenes den Maler selbst und sieben weitere engste Familienmitglieder versammelnde Gemälde. Es hatte laut Riedel nach dem großen Bombenangriff auf Dresden, wo der Künstler sein Atelier hatte, im Februar 1945 als verbrannt, jedenfalls verschollen gegolten.   Dem großen Kunsthistoriker-Glück folgten die Mühen der Restauratorin. Ilka Meyer-Stork war, wie sie sagt, sehr „betroffen“, als sie die schwer beschädigte Leinwand zu Gesicht bekam. Auseinander gefaltet konnte das Stück überhaupt nur waagerecht, durch ein Fenster aus dem Böckstiegel-Haus gehoben und in ihr Atelier in Bergisch-Gladbach gebracht werden. Dort musste das brüchige Gewebe behutsam geglättet, die abgesprungenen rund 600 Farb-Schollen in einer Puzzle-Arbeit in die urprünglichen Stellen des Gemäldes eingefügt, manche Fehlstellen gefühlvoll im Leinwandton angepasst werden.    Es habe sich gezeigt, so die Restauratorin, dass Böckstiegel die Rückseite eines anderen Motives, zwei weibliche Akte, bemalt und die Leinwand offenbar auch nicht ideal grundiert habe, wodurch ein Halt der Farben beeinträchtigt worden sei. Die weiter bestehende Empfindlichkeit des Gemäldes machte es erforderlich, es hinter (entpiegeltem) Glas zu zeigen. Den 1.000 Arbeitsstunden dauernden Restaurationsprozess, der vom Land NRW und dem Böckstiegel-Freundeskreis gefördert worden ist, hat überdies die Bielefelder Künstlerin Marion Denis fotografisch dokumentiert. So handelt die Ausstellung denn auch „Vom Suchen, Finden und Restaurieren“, macht  mittels Petrischalen und chirurgischem Besteck ähnlichen Gerätschaften umfassend die „Wiedergeburt“ nachvollziehbar. Eine schwere Geburt, aber ein ansehnliches Ergebnis.

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