Großaufgebot: Von allen Seiten wurde das weitläufige Schulgelände durch bewaffnete Polizisten abgeriegelt. Erst nach einer gründlichen Untersuchung durch Beamte des SEK Bielefeld nach einem Amokläufer wurde das Gelände wieder freigegeben. - © Andreas Großpietsch
Großaufgebot: Von allen Seiten wurde das weitläufige Schulgelände durch bewaffnete Polizisten abgeriegelt. Erst nach einer gründlichen Untersuchung durch Beamte des SEK Bielefeld nach einem Amokläufer wurde das Gelände wieder freigegeben. | © Andreas Großpietsch

Borgholzhausen Amok-Fehlalarm nach technischem Defekt

Alle Eingänge sind von Uniformierten mit automatischen Waffen abgeschirmt worden

Andreas Großpietsch

Borgholzhausen. Schwerbewaffnete Männer mit dunklen Helmen sind auf den Fluren der PAB-Gesamtschule zu sehen. Alle Eingänge zu dem verwinkelten Gebäudekomplex werden von Uniformierten mit automatischen Waffen abgeschirmt. Auf der Osningstraße in Höhe des Busparkplatzes steht ein Großaufgebot an Streifenwagen, deren weithin sichtbar aufblitzende Blaulichter an diesem trüben Nachmittag die unheimliche Stimmung verstärken. Von allen Seiten kommen besorgte Eltern, die ihre Kinder von der Schule abholen wollen. Die meisten von ihnen sind über Botschaften in den sozialen Medien grob über die Geschehnisse an der PAB-Gesamtschule informiert worden, doch genaue Informationen hat niemand. Etwas Licht ins Dunkel bringt erst Katharina Felsch, die Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde. Technischer Defekt löst Alarm aus Demnach sei um 15 Uhr an der PAB-Gesamtschule in Borgholzhausen Amok-Alarm ausgelöst worden. Laut Angaben der Polizei am Dienstag erfolgte die Auslösung des Alarms durch einen technischen Defekt. Im Zugriffsbereich der Lehrerinnen und Lehrer gibt es einen Notfallknopf, mit dem der Alarm ausgelöst werden kann. Nach den ersten Erkenntnissen von Schule und Polizei sei dieser Knopf aber nicht betätigt worden. Gleichwohl wurde der Alarm ausgelöst und damit ein umfangreicher Notfall-Mechanismus in Gang gesetzt. Bis in den letzten Winkel der Schule wurde über Lautsprecher die Warnung vor einem Amoklauf verbreitet. In der abgespielten Botschaft fordert eine ruhige Frauenstimme in dringlichem Tonfall Schüler und Lehrer dazu auf, sich unverzüglich in die Klassenräume zu begeben. Die Türen sollen verschlossen, aber nicht verbarrikadiert werden, mahnt die Stimme weiter. „Damit soll verhindert werden, dass die Polizei nicht in Klassenräume vordringen kann", erklärt die Pressesprecherin. Auch die Polizei wird in einem solchen Fall informiert. Und anders als im Jahr 2013 reagierte sie mit der ganzen Wucht, die für solche Gefährdungslagen vorgesehen ist. Aus der gesamten Umgegend wurden Streifenwagen nach Borgholzhausen beordert. Auf dem Gelände von Storck in Halle gab es noch eine Eingreif-Reserve, die letztlich nicht benötigt wurde. Gerüchte, es habe auch beim Süßwarenhersteller einen Alarm nach Drohungen gegeben, waren gegenstandslos. Die Einsatzkräfte waren rasch vor Ort und begannen dann, die Schule zu räumen. Seit dem Alarm 2013 gab es eine klare Weiterentwicklung Weil der Schulschluss bevorstand, trafen auch die Busse ein. Sie wurden auf der Sundernstraße aufgereiht und dienten als trockener Aufenthaltsort für die Schülerinnen und Schüler, die zum Teil ihre Sachen und auch ihre Jacken in den Klassenräumen zurückgelassen hatten. Zusammen mit den Lehrern wurde in einem aufwendigen Prozess ermittelt, ob die einzelnen Klassen jeweils vollzählig das Schulgelände verlassen hatten. Wer registriert war, konnte von seinen außerhalb der Absperrung der Schule wartenden Eltern abgeholt werden. Insgesamt dürften mehrere hundert Kinder in der PAB-Gesamtschule gewesen sein. Um 16.30 Uhr sei die Räumung zum großen Teil abgeschlossen gewesen, so die Einschätzung der Polizei. Danach begann die Arbeit der SEK-Beamten, die den Gebäudekomplex Raum für Raum nach eventuell vorhandenen Amokläufern absuchten. Der Einsatz erinnert fatal an den 13. November 2013, als der Alarm ebenfalls ausgelöst wurde und mehr als 700 Menschen eine qualvoll lange halbe Stunde in der Angst lebten, dass es wirklich einen bewaffneten Amokläufer auf dem Gelände ihrer Schule geben könnte. Ein Handwerker hatte 2013 den Fehlalarm ausgelöst. Wesentlich besonnener als beim ersten Fehlalarm reagierten nach ersten Erkenntnissen die Lehrerinnen und Lehrer. Das dürfte den jungen Menschen vieles erleichtert haben.

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