Der frühere Hausarzt Ulrich Linke (links) ging zum 1. April in den Ruhestand. Seine Mitstreiterin Iris Jakob-Mikoleit (rechts) wollte die Gemeinschaftspraxis nicht mehr alleine weiter führen. Seitdem haben Stieghorster Bürger Probleme, neue Hausärzte in der Nähe zu finden. - © Christian Weische
Der frühere Hausarzt Ulrich Linke (links) ging zum 1. April in den Ruhestand. Seine Mitstreiterin Iris Jakob-Mikoleit (rechts) wollte die Gemeinschaftspraxis nicht mehr alleine weiter führen. Seitdem haben Stieghorster Bürger Probleme, neue Hausärzte in der Nähe zu finden. | © Christian Weische

Stieghorst Die Hausärzte in Stieghorst sind völlig überlastet

Ingo Kalischek

Stieghorst. Wenn die Augen tränen, die Nase läuft und der Schädel brummt, kommt der Hausarzt ins Spiel. Was aber, wenn die Praxis maßlos überfüllt ist - und der Doktor keine neuen Patienten mehr aufnimmt? Vor diesem Problem stehen immer mehr Stieghorster, die seit einigen Monaten auf drei Hausärzte verzichten müssen. Ihnen bleibt oftmals nur die Fahrt in einen anderen Stadtteil. "In Stieghorst ist die Decke schon dünn", bestätigt Ulrich Weller. Er ist Sprecher der Initiative Bielefelder Hausärzte, in der verschiedene Ärzte aus der Stadt vertreten sind. Eine Lücke sei vor allem nach dem Abzug der Doppelpraxis Linke/Jacob-Mikoleit zum 1. April sowie der Praxis von Karl Tappeser zum 1. Juli entstanden. "Das war ganz bitter", sagt Weller. Er und seine Kollegen hätten daraufhin einige Patienten aus dem Stieghorster Raum übernommen. Aber: "Wir können nicht alle Menschen aufnehmen, weil wir sie nicht alle hausärztlich betreuen können - mit dem Anspruch von Hausbesuchen", erklärt Weller. Er verweist darauf, dass viele Hausärzte ohnehin schon 12 bis 13 Stunden pro Tag arbeiteten. Auch Wolfgang Picker-Huchzermeyer kennt das Problem. Er betreibt eine Praxis für Allgemeinmedizin an der Detmolder Straße. "Wir waren elf Ärzte für die Bereiche Stieghorst, Ubbedissen und Hillegossen. Jetzt sind wir noch acht", sagt er. Die Belastung habe sich seitdem deutlich erhöht. "Wir mussten und müssen weiterhin eine ganze Reihe von Patienten abweisen", bestätigt Picker-Huchzermeyer. Vor zehn Jahren habe er in seiner Praxis noch rund 850 verschiedene Patienten betreut. Heute seien es 1.250. Die Folge: Patienten müssen sich Hausärzte in anderen Stadtteilen suchen. So wie Georg Aidinis. Der Stieghorster war über viele Jahre Patient in der Gemeinschaftspraxis Linke/Jacob-Mikoleit. Seit April muss er sich einen neuen Arzt suchen - ohne Erfolg. "Ich habe es schon bei drei Ärzten in Stieghorst versucht. Keiner nimmt mich mehr auf", sagt er. Aidinis will sich nun einen Arzt in Mitte oder Heepen suchen. "Da ich ein Auto habe, ist das nicht so schlimm. Aber was machen ältere und bettlägerige Menschen?", fragt er frustriert. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) verweist darauf, dass die Situation in den nördlich und westlich angrenzenden Bielefelder Stadtteilen deutlich besser sei. "Das kann zu einer Entlastung der Situation in Stieghorst beitragen", heißt es in einem Schreiben der KVWL an die Stieghorster Bezirksvertretung. "Die räumliche Nähe und die guten Verkehrsanbindungen erleichtern die Inanspruchnahme des Versorgungsangebotes in benachbarten Stadtbezirken, anders als auf dem Land." Bezirksamtsleiter Peter Skarabis zeigt sich ratlos: "Die Kommune hat wenig Einfluss auf die Situation. Wir sind derzeit relativ hilflos."

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