Über dem ehemaligen Gipsbergwerk an der Straße Am Schiffberge ist wieder die Erde abgesackt. Ein 4,50 Meter tiefes Loch wurde von Stadt und Bezirksregierung abgesperrt. - © Jens Reichenbach
Über dem ehemaligen Gipsbergwerk an der Straße Am Schiffberge ist wieder die Erde abgesackt. Ein 4,50 Meter tiefes Loch wurde von Stadt und Bezirksregierung abgesperrt. | © Jens Reichenbach

Bielefeld Erdreich wieder abgesackt: Neue Einsturzgefahr über dem Gipsbergwerk in Bielefeld-Stieghorst

An der Straße Am Schiffberge klafft seit Mittwoch ein 4,5 Meter tiefes Loch. Anwohnergebäude sind nicht gefährdet

Jens Reichenbach

Bielefeld-Stieghorst. "Betreten verboten! Einsturzgefahr", so lautet seit Mittwoch wieder die Warnung eines Verkehrsschildes an der Straße Am Schiffberge. Der Weg ist komplett gesperrt, ein großes, 4,50 Meter tiefes Loch klafft direkt neben dem Schotterweg. Für die Anwohner des Hanges ist das Phänomen nicht neu. Im Spätsommer 2016 hatten zahlreiche Risse und Tagesbrüche an der Oberfläche Sorgen bei Anwohnern und Wanderern ausgelöst. Denn im Untergrund hat das ehemalige Gipsbergwerk (betrieben bis 1982) für Bewegung im Erdreich gesorgt und damit Risse im Straßenasphalt, Absenkungen der Fahrbahn sowie metertief klaffende Erdspalten verursacht. Nachdem der Besitzer des Privatgrundstückes reichlich Erdreich in die Spalten gefüllt hatte, war wieder Ruhe in dem ehemaligen Steinbruch eingekehrt. Bis der am Mittwoch direkt neben dem Privatweg zu seinem Gehöft ein gut drei Meter breites und 4,50 Meter tiefes Loch entdeckte. Die Stadt sperrte die Gefahrenstelle umgehend ab, die Abteilung "Nachbergbau" der Bergverwaltung Arnsberg rückte daraufhin am Donnerstagvormittag an. Nach dem Verfüllen der Spalten kam es jetzt zum Absacken Ergebnis der ersten Kamerafahrt in die neue Spalte: "Das Loch ist endlich. Der Gutachter hat keine Verbindung zur alten Grube gefunden", erklärte Peter Hogrebe von der Arnsberger Bergverwaltung. "Er spricht von Nachwehen, die nach der Verfüllung 2016 zu erwarten waren." Dass das Erdreich allerdings jetzt schon nachsacken würde, damit habe der Bergbauingenieur noch nicht gerechnet. „Ich hatte gehofft, dass wir hier zehn Jahre Ruhe haben würden." Mit dem Nachsacken selbst hatte der Gutachter, der sich seit 20 Jahren mit der alten Gipsabbaugrube beschäftigt, gerechnet. Wie damals, als der Gutachter eine Gefahr für die Gebäude ausschloss, gibt er auch diesmal Entwarnung für die direkten Anwohner: "Was sich hier abspielt, liegt direkt über der alten Gipsgrube. Die angrenzende Bebauung, die nicht über den alten Stollen liegt, ist nicht betroffen oder gefährdet." Dennoch herrscht an dem Tagesbruch selbst akute Einsturzgefahr. Die Sperrung könne erst aufgehoben werden, wenn das Loch wieder ausreichend verfüllt wurde, so die Abteilung für Bergbaufolgen in Arnsberg. Die alten Stollen, Kammern und Räume von einer Größe von mehr als 900.000 Kubikmetern komplett mit Erde zu verfüllen, sei übrigens nicht möglich, betont Hogrebe: "Das wäre wirtschaftlich nicht machbar." "Öffentliche Straße ist zum Glück nicht betroffen", betont Hans Martin vom Amt für Verkehr. Die punktuelle Absackung habe sich auf privatem Grund ereignet. Dennoch sei der Stadt die Sicherheit in dem Gebiet wichtig. Bisher warnten Schilder ohnehin vor weiteren Absackungen. Der Gutachter prognostiziert mit "hoher Wahrscheinlichkeit weitere Schadensstellen", heißt es in einem Bericht des Unterausschusses Bergbausicherheit. Für Personen bestehe deshalb abseits der Wege eine konkrete Gefahr. Schilder machen deshalb deutlich: Die Wege zu verlassen ist hier nicht mehr erlaubt. Und im aktuellen Fall des Tagesbruches bleibt eben auch die Zuwegung komplett gesperrt - bis der Grundstückeigentümer die Spalte wieder ausreichend gefüllt hat.

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