Im Gespräch: Peter Grohmann lebt seit seiner Kindheit in Bielefeld. Seit April ist der 67-Jährige neuer Schiedsmann für Stieghorst-West. Die Entscheidung hatte er sich reiflich überlegt, sagt Grohmann. - © Wolfgang Rudolf
Im Gespräch: Peter Grohmann lebt seit seiner Kindheit in Bielefeld. Seit April ist der 67-Jährige neuer Schiedsmann für Stieghorst-West. Die Entscheidung hatte er sich reiflich überlegt, sagt Grohmann. | © Wolfgang Rudolf

Stieghorst Die Streitschlichter: Wie Bielefelds Schiedsmänner arbeiten

Peter Grohmann ist neuer Schiedsmann in Stieghorst. Er folgt auf Manfred Hubrich, der das Ehrenamt 20 Jahre lang ausgeübt hat

Ingo Kalischek

Stieghorst. Nicht jeder Streit landet vor Gericht. Erste Anlaufstelle ist das Schiedsamt. Hier kümmert man sich um Nachbarschaftskonflikte, Beleidigungen und Sachschäden. Diese Fälle kommen jetzt auch auf Peter Grohmann zu - dem neuen Schiedsmann für den Bezirk Stieghorst-West. "Ich habe Lust auf etwas Neues", sagt der 67-jährige Bielefelder. 20 Jahre lang war er zweiter Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn. In dieser Zeit kam er mit vielen Menschen zusammen, hatte oft die Rolle des Moderators und Organisators inne. "Das gefiel mir gut." In seiner neuen Tätigkeit als Schiedsmann will er davon profitieren. "Ich höre gerne Menschen zu und beschäftige mich viel mit juristischen Themen", sagt er. Dennoch musste er "ins kalte Wasser springen", als er vor einigen Wochen erstmals einen Fall als Schiedsmann übernahm - dazu auch noch als spontane Krankheitsvertretung. "Ich war vorher ziemlich nervös", gesteht Grohmann. Mit der Hilfe eines Kollegen konnte er den Streit um nächtliche Ruhestörungen schließlich klären. "Aber nur, weil mein Kollege nach drei Stunden auf den Tisch geklopft und eine klare Ansage gemacht hatte." Durchsetzungsvermögen, Ordnung, Feingefühl und "ausdauernde Ohren": Das sollte ein Schiedsmann mitbringen, sagt Manfred Hubrich. Der 81-Jährige muss es wissen: 20 Jahre lang war er Schiedsmann in Stieghorst. Aus Zeitgründen hörte er auf - Grohmann folgt ihm nach. Mehr als 200 Fälle betreute Hubrich in dieser Zeit, bis zu 70 Prozent konnte er klären - also einen Vergleich erzielen. Dabei einigen sich die beiden Parteien auf ein Abkommen, das der Schiedsmann schriftlich festhält, meist an einem neutralen Ort - wie der Bürgerberatung in Stieghorst. Oft gehe es um vermeintliche Kleinigkeiten: Um einen stinkenden Mülleimer beim Nachbarn, eine zu hohe Hecke oder zu laute Musik. Was harmlos klingt, ist für die Beteiligten oft ein großes Problem. "Irgendwann schaukelt sich ein Streit hoch - und ist nur noch mit fremder Hilfe zu klären, weil die Menschen nicht mehr miteinander sprechen", sagt Hubrich und wirkt dabei ruhig und souverän. In solchen Fällen habe dann sein Telefon geklingelt und Hubrich vereinbarte ein Treffen mit den Streithähnen. Einigen sei er schon vorab ein Begriff gewesen. "Viele Leute wussten, was ich da mache." Wirklichen Ärger habe er nie erlebt. Auch dann nicht, als vor einigen Jahren 17 Freunde und Verwandte eines Beteiligten erschienen waren - "und jeder etwas zu sagen hatte". In solchen Momenten musste der 81-Jährige das Heft in die Hand nehmen. "Solange wir hier sind, habe ich das Sagen", machte er den Anwesenden klar. Mit Erfolg. Am Ende wurde er sogar zum gemeinsamen Grillen eingeladen - mit beiden Konfliktparteien. Nicht immer endet ein Fall derart positiv. Manchmal kommt es auch zu keiner Einigung, dann gehe der Fall vor das Amtsgericht. Peter Grohmann profitiere enorm von der Hilfe seines Vorgängers. "Er steht mir mit Rat und Tat zur Seite", sagt der Diplom-Kaufmann im Ruhestand, der verschiedene Schulungen besucht. Zudem lese sich Grohmann derzeit viel ein. Dabei habe er auch erfahren, wie wertvoll sein künftiges Engagement sei: Durch die Arbeit der Schiedspersonen werde umgerechnet pro Jahr ein Bielefelder Richter entlastet.

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