Das hier ist kein Ausnahmezustand - so sieht es am Osterkamp, Roggenkamp und Gerstenkamp immer aus. - © Wolfgang Rudolf
Das hier ist kein Ausnahmezustand - so sieht es am Osterkamp, Roggenkamp und Gerstenkamp immer aus. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Das ist das widerlichste Viertel Bielefelds

Rund um die Straßen Osterkamp/Roggenkamp/Gerstenkamp sieht es aus wie auf der Müllhalde

Alexandra Buck

Bielefeld. Es ist eine der hässlichsten Ecken Bielefelds. Das Viertel um die Straßen Roggenkamp, Osterkamp und Gerstenkamp gleicht an schlechten Tagen einem riesigen Müllhaufen, an besseren zumindest noch einer Sammelstelle für Einkaufswagen. Ob die Netto-Filiale nebenan überhaupt noch Wagen vorhalten kann? Mindestens 50 standen und lagen am Montag jedenfalls im Schatten der Hochhäuser in der Gegend. Daneben Teppiche, vor sich hin gammelndes Mobiliar, Matratzen, Dreck. Die so genannte Conti-Bronx ist bekannt für Sperrmüllhaufen und Dreck. "Ich habe dort gewohnt, bin Mitte der 70er Jahre eingezogen. Da war es noch richtig toll. Das waren sehr schöne Wohnungen damals. Heute möchte ich dort nicht mietfrei wohnen", berichtet eine ehemalige Bewohnerin. "Was ist nur aus der einst gepflegten Siedlung geworden, in der ich meine Kindheit verbracht habe", fragt ein anderer Ex-Bewohner. "Frechheit, dafür noch Miete zu nehmen." Für die umliegenden Häuser und Wohnungen zeichnet das Immobilienunternehmen "Vonovia" zuständig. Das Unternehmen betreut und verwaltet 333.381 Wohnungen in ganz Deutschland - und ist somit verantwortlich für rund eine Million Bewohner. Vonovia geht aus dem Zusammenschluss der Deutschen Annington und der Gagfah hervor. Beide Unternehmen haben ihre Wurzeln im gemeinnützigen Wohnungsbau. Auf Anfrage von nw.de berichtet eine Sprecherin, dass sich das Unternehmen "im ständigen Dialog mit den Mietern" befinde und versuche, das Problem "weiter zu minimieren". An den Liegenschaften Roggenkamp, Gerstenkamp und Osterkamp sei die Fachfirma "Innotec" mit dem Abfallmanagement für Vonovia tätig. "Die Standplätze werden im Abfallmanagement mindestens fünf mal wöchentlich angefahren und mit großem Aufwand geräumt und gesäubert", so die Sprecherin. "Wir haben in den letzten Wochen zusätzlich einen Sicherheitsdienst beauftragt, der vor Ort mögliche Auffälligkeiten meldet und versucht, zu verhindern. Zusätzlich sind wir an die umliegenden Einkaufsmärkte herangetreten, um auch hier präventiv Maßnahmen abzustimmen. Dazu laufen die Gespräche." Auch Objektbetreuer seien im Einsatz. Außerdem gebe es Gespräche mit der Polizei und der Stadt. "Denn die unerlaubten sowie illegalen Sperrmüllentsorgungen stellen ein großes Problem dar." Eine Beratung der Mieter zum Thema ordnungsgemäße Entsorgung gestalte sich aufgrund der Vielfalt der Herkunftsländer sprachlich und kulturell oftmals sehr schwierig. "Selbstverständlich wird immer wieder versucht, Aufklärung mittels unserer fünfsprachigen Broschüren zu betreiben. Die Behälter und Standplätze sind mit Aufklebern ausgestattet, die über Bilder und weniger über Sprache versuchen, die Entsorgung zu verbessern."

realisiert durch evolver group