Streitobjekte: Die erste Wohnsiedlung der Briten ist seit März freigegeben. Weitere sollen bald folgen. Wer die Häuser zu welchem Zweck kaufen soll, war am Donnerstag Gegenstand einer hitzigen Debatte in der Bezirksvertretung Stieghorst. - © Andreas Frücht
Streitobjekte: Die erste Wohnsiedlung der Briten ist seit März freigegeben. Weitere sollen bald folgen. Wer die Häuser zu welchem Zweck kaufen soll, war am Donnerstag Gegenstand einer hitzigen Debatte in der Bezirksvertretung Stieghorst. | © Andreas Frücht

Stieghorst Streit um die leerstehenden Häuser der Briten in Bielefeld

Hanna Paßlick

Stieghorst. 48 Wohneinheiten haben die Briten an der Sperberstraße in Sieker bereits zurückgegeben. Weitere sollen folgen. Aber was tun mit den zurückgelassenen Immobilien? Darüber wurde am Donnerstagabend lautstark in der Bezirksvertretung Stieghorst gestritten. Die CDU spricht sich in einem Antrag für einen Privatverkauf der Häuser aus. Linke, Grüne und SPD halten die Forderung jedoch für eine Farce: In Bielefeld bestehe vor allem Bedarf an bezahlbarem Wohnraum – nicht an Eigentum. Als Begründung für den Antrag der CDU gab Werner Thole (CDU) an, junge Familien unterstützen zu wollen, die auf der Suche nach einem Eigenheim seien. Die Stadt Bielefeld solle gemeinsam mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben(BIMA) die noch bewohnten Häuser möglichst an private Käufer veräußern. Dieser Äußerung folgte eine hitzige Debatte, in der sich Pro- und Contra-Sprecher schier zu überschlagen schienen vor Empörung. „Jetzt schlägt’s 13", „völliger Unsinn", „,Wie kann man nur" und „Sie sind doch auch nicht besser mit ihrer Forderung", war da gleich von mehreren Seiten zu hören. Etwas gemäßigter zeigte sich Patrick Mayregger (SPD), der dem CDU-Antrag entgegenhielt, dass der Markt eigene Gesetze habe. „Sie müssen sich der Konsequenzen ihrer Forderung bewusst sein", sagt er. Wenn die Stadt Bielefeld nicht von ihrem bestehenden Vorkaufsrecht Gebrauch mache, und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mitmische, habe letztere die Pflicht, die Häuser meistbietend zu verkaufen. „Wie wollen Sie der BIMA vorschreiben, dass sie an junge Familien verkauft?" Auch Hans-Dietmar Hölscher (Linke) tat die Forderung der CDU als unsinnig ab. Der Antrag löse das eigentliche Problem der Stadt nicht: die Wohnungsnot. Außerdem hätten die meisten jungen Familien aus seiner Erfahrung zu Beginn eher weniger Geld – „auf keinen Fall aber genug, um direkt ein ganzes Haus zu kaufen". Klaus-Dieter Hoffmann (CDU) warf ein, dass die Stadt die Häuser doch kaufen und anschließend an Private weiterverkaufen könnte. „Aber das schließt ihr Antrag doch aus, indem sie die BIMA miteinbeziehen", widersprach Mayregger. Die SPD brachte schließlich einen alternativen Antrag ein, in dem die Verwaltung beauftragt wird, ihr Vorkaufsrecht auszuüben, und dadurch die Nachnutzung der Häuser so zu gestalten, dass bezahlbarer Wohnraum entsteht. Dem Antrag wurde mit neun zu acht Stimmen stattgegeben.

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