Strenge Kriterien: Eine Stieghorsterin klagte vor dem Verwaltungsgericht, weil sie die Urne ihres verstorbenen Ehemanns nicht umbetten lassen durfte. Der Prozess endete mit einem Vergleich, die Totenruhe bleibt gewahrt. - © Patrick Menzel
Strenge Kriterien: Eine Stieghorsterin klagte vor dem Verwaltungsgericht, weil sie die Urne ihres verstorbenen Ehemanns nicht umbetten lassen durfte. Der Prozess endete mit einem Vergleich, die Totenruhe bleibt gewahrt. | © Patrick Menzel

Stieghorst Streit um Umbettung einer Urne

Prozess: Klage einer Witwe vor dem Verwaltungsgericht Minden endet mit Vergleich mit der Kirchengemeinde Stieghorst-Hillegossen

Hartmut Nolte

Stieghorst. Nach dem Tod ist alles anders. Über den Tod hinausgehende Vereinbarungen lassen sich dann schwer ändern. Diese Erfahrung machte jetzt die Witwe eines Stieghorster Bürgers, die vor dem Verwaltungsgericht Minden die Umbettung der Urne ihres 2009 verstorbenen Ehemanns gegen die Kirchengemeinde Stieghorst-Hillegossen einklagen wollte. Die besondere Schwierigkeit für diesen Fall vor dem Einzelrichter der 9. Kammer war, dass hier kein direktes Vertragsverhältnis zwischen der Klägerin und der beklagten Kirchengemeinde als Friedhofseigentümerin besteht. Denn ihr Gatte war 2009 auf dem Familiengrab beigesetzt worden, quasi "in Untermiete", denn der Nutzungsvertrag bis 2028 lief mit der Familie. Die hatte von der Kirchengemeinde die Nutzungsrechte für insgesamt sechs Grabstellen erworben. Aber sie hatte den Vertrag gekündigt und die Grabstätte zuvor einebnen lassen. Deshalb und offensichtlich vor dem zusätzlichen Hintergrund eines Familienstreits wollte die Klägerin die Umbettung der Urne erreichen. Das lehnte die Kirchengemeinde viermal ab. Es sei der ursprüngliche Wille des Verstorbenen gewesen, hier beigesetzt zu werden. Ein Angebot auf eine Bestattung "nebenan" lehnte die Klägerin ab. Sie möchte die Urne an einem Platz ihren Wahl neu beisetzen lassen. Richter Hans-Ulrich Wilke wies die Parteien darauf hin, dass die Rechtsprechung bis zum Bundesverwaltungsrecht den Vorrang der Totenruhe vor Änderungswünschen der Hinterbliebenen betone - "und seien sie aus deren Sicht noch so sinnvoll". Nur durch drei Kriterien könne die Totenruhe gegenüber einer Umbettung zurücktreten. Erstens wenn es der erklärte Wille des Verstorbenen sei, oder wenn aus Belegen, zum Beispiel Aussagen, dies als maßgeblich festgestellt werden könne oder wenn außergewöhnliche Umstände das zuließen. Keine dieser drei Kriterien liege hier vor, sagte der Mindener Verwaltungsrichter, regte aber dennoch einen außergerichtlichen Vergleich an. Den nahmen schließlich auch Pastor Frank Sieckmann als Vertreter der Kirchengemeinde wie auch die von der durch einen Düsseldorfer Fachanwalt vertretenen Klägerin an. Danach wird die Klage zurückgezogen und das Nutzungsrecht neu zwischen Klägerin und Kirchengemeinde geregelt. Die Grabstelle - nun ja nicht mehr im alten familiären Umfeld - wird wiederhergestellt und die Klägerin darf einen eigenen Grabstein aufstellen, sieht der Vergleich weiter vor. Und die Totenruhe ist gewahrt, die Urne bleibt, wo sie ist.

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