Bethel Bethels "Halleluja-Express"

Skurrile Namen in Bielefeld

Joachim Wibbing

Bethel. Vor 60 Jahren, am Nikolaustag des Jahres 1956, wurde der Bethel-Bus begründet. Damit gab es erstmalig im Bereich der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel eine regelmäßige Transportmöglichkeit. Im 19. Jahrhundert konnte man mit einem Pferde-Omnibus von hier zum Bahnhof fahren. Seit 1881 verkehrte eine private Linie zwischen dem Bahnhof und Bethel. Der findige Fuhrunternehmer und Kohlenhändler August Nobbe hatte den Verkehr mit "Linienwagen" organisiert. Mit dem Verkehrsbetrieb sollte gleichzeitig sein Kohlenhandel angekurbelt werden. Auf den Fahrscheinen zu 10 und 20 Pfennigen war zu lesen: "Aug. Nobbe, Bahnhofstraße, empfiehlt sein Fuhr- und Kohlengeschäft, besorgt Fuhren jeder Art und liefert alle Sorten Kohlen und Koks mit dem Attest der Zechen nach Gewicht billigstfrei ins Haus. Bestellung besorgt der Kutscher dieses Wagens." DER BETHEL-BUS FÄHRT Überlegungen und Planungen für einen Busverkehr der Ortschaft Bethel gab es schon lange, am 6. Dezember 1956 war es also so weit: der Startschuss für die eigene Buslinie in Bethel war gefallen. Pünktlich um 9 Uhr brauste der von Bethel angeschaffte, nagelneue Klein-omnibus zum ersten Mal vom Parkplatz am Betheleck los. Einen ersten Halt machte der Mercedes-Benz des Typs O 319 D, Baujahr 1956, nach genau zwei Minuten Fahrtzeit am Gemeindeamt Gadderbaum. Mit den Stopps an weiteren Haltepunkten erreichte er nach zwölf Minuten "Neusalem", benannt nach dem dort liegenden Erholungsheim für Diakonissen. Hier wendete er und - abwechselnd über den Saronweg, den Bethelweg und den Friedhofsweg (der heute Remterweg heißt) - ging es wieder zurück zum Anfang der etwa 4 km langen Runde. Dieser erste kleine Bethel-Bus war sieben Jahre lang im Einsatz. DER HALLELUJA-EXPRESS 1963 schaffte Bethel einen neuen Bus des gleichen Typs an. Innerhalb Bethels wurde der Bus schnell unter dem Spitznamen "Halleluja-Express" bekannt. Leider gibt es keine Quellen, die belegen, wie der Name nun genau zustande kam oder wer der Namensgeber war. Jedenfalls erschien im Januar 1961 ein Artikel über den Bethel-Bus im Westfalen-Blatt mit der Überschrift "Seit vier Jahren unterwegs. Bethel besitzt seinen Express". Wie beim ersten Bus entfernte man auch beim zweiten wieder vier der vorderen Sitzplätze, um das Ein- und Aussteigen für die Fahrgäste etwas zu erleichtern. Außer dem Fahrersitz waren so 13 Sitzplätze vorhanden. Was noch auffällt, ist der zusätzliche Dachaufbau des Busses. Wie ein ehemaliger Bethel-Busfahrer berichtete, ließ Bethel diesen Fahrzeugumbau extra für besonders große Fahrgäste vornehmen. Es soll sich dabei speziell um zwei Patienten gehandelt haben, die den Bus regelmäßig benutzten. Über 2 Meter lang hatten sie es jetzt etwas bequemer. Unabhängig von der Länge der Strecke kostete 1956 jede Fahrt 25 Pfennige. Die günstigen Fünferkarten gab es nur im Kaufhaus "Ophir, in der Bethelpforte und in der Schlosserei", zu der damals der Bus gehörte. Die Fünferkarten sollten der Entlastung des Busfahrers dienen: Er musste nicht nur kassieren und die Fahrscheine entwerten, sondern auch beim Ein- und Aussteigen helfen. Die Fahrpreise waren so niedrig berechnet, dass sie gerade eben die laufenden Kosten deckten. DIE NEUE BUSLINIE 122 Am 1. Juni 1997 ging der Bethelbus, als Linie 122, in Betrieb. Der Verkehr wurde mit zwei speziell beschafften Midi-Bussen für die engen Straßen im Ortsteil Bethel durchgeführt. Aufgrund des Erfolges wurde bereits im Herbst das Angebot in den Tagesrandlagen und im Folgejahr auch auf den Sonntag ausgeweitet.

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