Heute: Markant sind weiterhin die Arkaden mit dem Treppenaufgang. - © Andreas Frücht
Heute: Markant sind weiterhin die Arkaden mit dem Treppenaufgang. | © Andreas Frücht

Bielefeld Heute Sparkasse, damals "Spar-Ecke"

Vor fast 200 Jahren trafen sich Männer, die den Webern und Spinnern helfen wollten, sich Geld zu leihen

Joachim Wibbing

Mitte. Wer kennt sie nicht? Die größte Filiale der Sparkasse Bielefeld aus den 1920er Jahren an der Ecke Stresemann- und Herforder Straße. Fast jeder Bielefelder dürfte bei Einkäufen in der Stadt schon einmal an dem eindrucksvollen Backsteingebäude vorbeigekommen sein. Zahlreiche Menschen haben dort auch das eine oder andere Bankgeschäft erledigt. Besonders eindrucksvoll stellt sich die große, arkadenförmige Eingangs-Außentreppe dar. Kurz nach Fertigstellung des Gebäudes sprachen Bielefelder bereits von der "Spar-Ecke". Seit 1977 gibt es eine Sparkasse für Bielefeld Die 1825 gegründete Stadt-Sparkasse, die erste Vorgängerin der heutigen Sparkasse Bielefeld, ist das älteste Institut ihrer Art in Westfalen. 22 Jahre später gründete sich die für den Kreis Bielefeld zuständige Kreis-Sparkasse. 1903 wurde in Brackwede eine weitere der Vorgängersparkassen ins Leben gerufen. Aufgrund des Bielefeld-Gesetzes, das zur kommunalen Neugliederung führte, kam es am 1. Januar 1974 zu einem Zusammenschluss der Stadt- und der Kreis-Sparkasse Bielefeld sowie der Städtischen Sparkasse Brackwede zur heutigen Sparkasse Bielefeld. Diese eröffnete im Jahre 1977 ihre heutige Zentrale an der Schweriner Straße in Sieker. Die Anfänge liegen im Jahr 1823 - im Rathaus Werfen wir doch noch einen kurzen Blick auf die Anfänge: Es war im Januar des Jahres 1823, als sich im Ratsstübchen am Alten Markt die Stadtväter zu einer wichtigen Beratung versammelten. Es galt, die allgemeine heimische Not zu beseitigen. Die Folgen des Friedens von Tilsit 1807 waren auch für die frühere Grafschaft Ravensberg sehr belastend geworden. Zwar hatten die Befreiungskriege 1813 bis 1815 eine Besserung der Verhältnisse gebracht, aber dennoch lagen Handel und Wandel darnieder. Schlecht ging es vor allem den Webern und Spinnern in der Stadt und Land. Es war notwendig geworden, eine Leihbank und eine Stadt-Sparkasse ins Leben zu rufen. Man muss dabei berücksichtigen, dass es seinerzeit kein wirkliches Bankensystem in weiten Teilen Deutschlands gab. Kreditnehmer wandten sich an Privatleute, so den wohlhabenden Textilfabrikanten Weber oder auch die bekannten jüdischen Kaufleute Weinberg, um sich Kredit zu leihen. Die neue Stadt-Sparkasse sollte Spargelder in Verwaltung nehmen und das Kreditbedürfnis des Not leidenden Handwerks und Kleinhandels befriedigen. Die Stadt-Sparkasse war zunächst im Rathaus am Alten Markt, dann im Verwaltungsgebäude der Stadt an der Detmolder Straße untergebracht, dort, wo jetzt das Landgericht steht. Am 1. Februar 1899 verlegte sie ihre Amtsräume an den "neuen" Markt an der Ecke Brunnenstraße in das Privathaus des jüdischen Augenarztes Steinheim. Jetzt steht an dieser Stelle das Stadttheater. Ein winziger Raum von vier mal vier Metern stand hier der Stadt-Sparkasse zur Verfügung. Neue Räume und weitere Umzüge 1904 musste die Stadt-Sparkasse nochmals umziehen. Im neuen Rathaus am Niederwall wurde der größte Raum für den Sparbetrieb zur Verfügung gestellt. Doch auch diese Lösung reichte nicht aus und der große markante Neubau an der Stresemann-/Ecke Herforder Straße entstand. Das Gebäude an der Herforder Straße wurde schließlich von 1927 bis 1929 von der früheren Stadt-Sparkasse als erste eigene Hauptstelle nach Plänen des Architekten und Stadtverordnetenvorsitzenden Bernhard Kramer errichtet. Als es am 25. November 1929 eingeweiht wurde, war es eines der modernsten Bankgebäude des Landes, mit so innovativen Einrichtungen wie Rohrpostanlagen und Förderbändern für Belege. Prägend für das Stadtbild war die berühmte "Gebogene Achse" mit der sogenannten "Spar-Ecke" an der Herforder Straße. Im Zweiten Weltkrieg wurde die "Spar-Ecke" schwer beschädigt. Nach dem Krieg wurde sie wieder aufgebaut. In den 1950er Jahren entstanden die bekannten Arkaden an der Herforder Straße.

realisiert durch evolver group