Blick von der Frordisser Straße aus: Vor den Häusern die Linnenstraße, hinter ihnen der "Wolgabogen". - © Kurt Ehmke
Blick von der Frordisser Straße aus: Vor den Häusern die Linnenstraße, hinter ihnen der "Wolgabogen". | © Kurt Ehmke

Stieghorst Skurrile Orte: "Wohnen am Wolgabogen"

Joachim Wibbing

Stieghorst. Wohnraum in Bielefeld - ein Dauerthema. Ob im 19. Jahrhundert, nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 1980er Jahren, als Aussiedler in die Stadt kamen oder heute beim Blick auf Flüchtlinge: Die Frage ausreichenden Wohnraums ist ein permanentes Problem. WOHNRAUM FÜR SPÄTAUSSIEDLER In den 1980er Jahren nahm die Zahl der Aussiedler und Spätaussiedler für einige Zeit beständig zu. So kamen auch viele nach Bielefeld. Durch einen besonderen Umstand fanden mehrere Familien ihre neue Heimat in einem Wohnraum-Bauprogramm, das vom NRW-Städtebauministerium unter Leitung des damaligen grünen Ministers Michael Vesper in Ubbedissen entwickelt wurde. DAS WOHNEN AM LIPPERLÄNDER Dieses Projekt firmierte 1998 als "Wohnen am Lipperländer". Der Investor plante, die Grundstücke mit Haus zu verkaufen. Dafür fanden sich aber kaum Interessenten. Schließlich wurden die Bauplätze ohne Bebauung veräußert. Dafür zeigten überwiegend Spätaussiedler, die oftmals in Eigenhilfe tätig wurden, Interesse. So kam es, dass der Volksmund seinerzeit gelegentlich vom "Wohnen am Wolgabogen" oder von der "Russen-Siedlung" sprach. Die Pläne sahen viele Entwicklungen vor, die sich zwar wunderbar anhörten, die aber nach der Erschließung der Fläche in das Reich der Utopie rutschten - was später zu mancher Verbitterung führte. Es war den Einheimischen bekannt, dass die Feuchtigkeit dort im Boden hoch war. Zur Entwässerung der neu zu bebauenden Straßen entschieden sich die Planer für eine spezielle Entwässerung, die aber nicht ausreichte. In der Folge mussten viele der Häuser wieder "ausgegraben" und mit einer zusätzlichen Drainage versehen werden. Das Wohnen am Lipperländer bedeutete auch "Wohnen am Schienenstrang" - zwischen Hauptbahnhof und Lage. Vorgesehen war mindestens ein Haltepunkt mehr in Ubbedissen; und zwar nahe am Baugebiet. Doch diese wohlmeinenden Planungen zerstoben im Wind. GARTENSTADT AM FRORDISSER HOF Die damaligen Planungen für die neue Gartenstadt in Ubbedissen sahen eine neue Heimat für etwa 350 Bewohner vor. Der Rat der Stadt hatte die Besiedlung dieser etwa sieben Hektar großen Fläche im Rahmen des "1.000-Häuser-Programms" beschlossen. Namensgebend für das Wohngebiet waren der Frordisser Hof und der Frordisser Bach. Das Bebauungskonzept ging von einem markanten halbkreisförmigen Siedlungs-Grundriss aus. So entstand dann auch die typische Bogenform, die auf Luftbildern und im Stadtplan gut zu erkennen ist - und dem Spitznamen der Siedlung sehr zuträglich war. Die Haupterschließung des Gebietes erfolgte von der Linnenstraße und führt in einem halbkreisförmigen Bogen nach Süden. Den Mittelpunkt des Quartiers bildet eine Fläche für Gemeinbedarf, so den Kindergarten - hier gibt es eine parkähnlich Fläche mit Spielplatz.

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