Picasso-Platz von oben: Der offiziell Adenauerplatz genannte Platz - hinten die Oetker-Welt, vorne die Kunsthalle. - © Detlef Wittig
Picasso-Platz von oben: Der offiziell Adenauerplatz genannte Platz - hinten die Oetker-Welt, vorne die Kunsthalle. | © Detlef Wittig

Mitte Fast vergessen: Verwirrender "Picasso-Platz"

Der Adenauerplatz spiegelte mit seiner als merkwürdig empfundenen Verkehrsführung den Wirrwarr des Alltags - kreativ, wie Picasso

Joachim Wibbing

Mitte. Wer kennt ihn nicht: den heutigen Adenauer-Platz in der Nähe der Kunsthalle und zu Füßen der Sparrenburg. Noch heute ist für manchen Autofahrer die Verkehrsführung ein wenig verwirrend. Da gehen drei Fahrbahnen Richtung Neustädter Marienkirche, eine zweigt zur Sparrenburg ab. Da führen mehrere Fahrbahnen Richtung Innenstadt und auch wieder aus ihr heraus. Die vermeintliche Unübersichtlichkeit hat Tradition. Aus ihr kommt die volksmundliche Bezeichnung für den Platz: Picasso-Platz. Die schlangenförmige Verkehrsführung hatte die Bevölkerung auf die Idee des Spitznamens gebracht. Büschers Badeanstalt In alten Zeiten verlief die Verkehrsführung über Kreuzstraße, Gadderbaumer Straße und Bethel-Eck Richtung Gütersloh. Damals gab es den Picasso-Platz also nicht. Wichtig war hier aber die vermutlich erste öffentliche Badeanstalt, die von Büscher: ein Freibad, in dem die Bielefelder damals schwimmen konnten und das privat organisiert und geführt wurde. Bald gab es dazu auch ein Hallenbad. Allerdings muss das Schwimmen wohl eher was für Hartgesottene gewesen sein. Das Hallenbad wurde kaum geheizt, so dass dort in der Regel bei neun Grad geschwommen wurde. Joseph Beuys Vermutlich nur wenige Bielefelder wissen, dass es hier die einzige Joseph-Beuys-Arbeit in Bielefeld gibt. Auf dem Rangiergleis vor der Kunsthalle stehen mehrere kleine Basalt-Steine - daneben immer ein Baum. In den 1980er Jahren hatte der bekannte Düsseldorfer Künstler mehrere 100 Steine in Kassel ausgeschüttet. Diese Steine konnten erworben und dann in den jeweiligen Städten und Orten aufgestellt werden. Bedingung war, dabei einen Baum zu pflanzen. Das geschah auch in Bielefeld eben am Picasso- oder Adenauerplatz - vor der Kunsthalle. Papa Rosts Schieferhaus Direkt auf der Ecke zur Straße am Sparrenberg befand sich lange eines der wenigen Schiefer verkleideten Häuser in Bielefeld. Dort hatte der Musikalienhändler Rost seine Verkaufsräume. Im Volksmund hieß er nur "Papa Rost". Er unterstützte in den 1960er Jahren einheimische Pop- und Rock-Fans, die für die Bielefelder Jugend in verschiedenen Lokalitäten aufspielten. Legendär sind dabei sicherlich die Auftritte verschiedener Gruppen im "Star-Club" im Volkshaus Sudbrack. Papa Rost führte die so überaus wichtigen Lautsprecherboxen. Die Gruppen kauften sie bei ihm - es wird sogar berichtet, dass wegen der außerordentlich guten Qualität auch englische Musikgruppen bei ihm einkauften. Falls die Musikgruppen noch nicht genügend Geld für diese Boxen hatten, mussten sie diese mit fünf D-Mark pro Monat abstottern - oder auch mal den Mercedes von Papa Rost waschen. Waschplätze Im Bereich des Adenauerplatzes verlief die Lutter. Bei verschiedenen archäologischen Grabungen wurde festgestellt, dass es in diesem Bereich große Wasch- und Trockenplätze gab. Es wird weiter geforscht zu diesem Thema. Die Normaluhr Zentral auf dem Platz war die aufgeständerte vierseitig lesbare Uhr - von der Firma "Telephonbau und Normalzeit". Deren schlichte Gestaltung symbolisierte die 1950er und 60er Jahre im Sinne der funktionalen Moderne. Eine solche Uhr befand sich ursprünglich auch auf dem Jahnplatz. Die Firma Telephonbau und Normalzeit fertigte öffentliche Uhren seit den 1920ern. Sie galten als die schlichte Realität der Zeitlichkeit und des industriellen Fortschritts. Die Uhr auf dem Adenauerplatz steht seit einiger Zeit unter Denkmalschutz.

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