Keck: Die jungen Blaumeisen haben keine Angst vor der Blechamsel. - © Andreas Schäfferling
Keck: Die jungen Blaumeisen haben keine Angst vor der Blechamsel. | © Andreas Schäfferling

Bielefeld Die schönsten Tiere in Bielefelder Gärten

Naturbeobachtungen vor der Haustür

Andreas Schäfferling

Bielefeld. Auch wenn der Sommer lange geschwächelt hat, im Garten gibt es immer etwas zu entdecken: Der Gesang der Vögel ist zwar nun unauffälliger, dafür hört man bettelnde Jungvögel im Geäst, die von ihren Eltern letzten Einsatz verlangen. Zum Glück erreicht in dieser Zeit auch das Insektenleben seinen Höhepunkt, so dass die gestressten Altvögel hoffentlich genug Nahrung finden, um den nimmersatten Nachwuchs ausreichend zu versorgen. Pause für die Vogeleltern Die Entwicklung junger Vögel verläuft unglaublich schnell: Ein mächtiger Vertreter wie der Weißstorch legt im April seine Eier, die Jungvögel schlüpfen nach 32 Tagen und verlassen nach weiteren zwei Monaten das Nest, um sich im Herbst auf die Reise zu machen, die bis in den Süden Afrikas führen kann. Wenn alles gut läuft, gilt das auch für den jungen Storch der Johannisbachaue, der in diesen Tagen seine ersten Flugversuche starten sollte. Noch deutlich schneller wachsen kleinere Vögel heran. Was bei Störchen drei Monate dauert, schaffen die Grünspechte in etwa sechs Wochen. Die flüggen Jungen werden dann noch eine Weile von den Eltern unterstützt. Weil dabei laut gerufen und gebettelt wird, kann man die farbenfrohen Spechte nun gut entdecken und beobachten. Die Blaumeise gehört zu den häufigsten Vögeln unserer Gärten und ist mit etwa 12 Gramm ein Leichtgewicht – sie wiegt dreihundert Mal weniger als ein Storch. Wie viele Kleinvögel schafft sie zwei Jahresbruten. Das ist für die Erhaltung der Art aber auch wichtig, denn einerseits werden Meisen kaum älter als drei Jahre und andererseits ist die Verlustrate bei den Jungvögeln sehr hoch. Im Frühsommer gehen die jungen Blaumeisen das erste Mal allein auf Futtersuche. Als Blattlausjäger leisten sie dabei einen wesentlichen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Schade, dass viele der noch unerfahrenen Flieger dabei von einer Katze erwischt werden oder an einer spiegelnden Glasfläche ihr Ende finden. Höhepunkte des Insektenlebens Für viele Insekten endet das Larven- beziehungsweise Puppenstadium im Frühsommer. Während die Hauptaufgabe der Larven das Fressen ist, haben die voll entwickelten Käfer, Schmetterlinge, Libellen, Schwebfliegen, Heuschrecken und andere mehr Interesse an Partnersuche und Fortpflanzung. Wilde Möhren und weitere Sommerblumen locken blütenbesuchende Käfer an, darunter so prächtige Arten wie den Pinselkäfer oder den schillernden Moschusbock, der über sechs Zentimeter lang wird, wenn man die Fühler mitrechnet. In gestapeltem Nadelholz, das mindestens zwei Jahre gelagert wird, entwickeln sich die Larven des Blauen Scheibenbocks, dessen dunkle Flügelecken blau-metallisch glänzen. Die Käfer schlüpfen im Frühsommer und können dann für kurze Zeit sehr zahlreich ein. Der Sommer- oder Schmetterlingsflieder schmückt seine Blüten mit Tagpfauenauge, Admiral und anderen hübschen Faltern. Arten, wie das Große Ochsenauge wirken auf den ersten Blick unscheinbarer, bei genauem Hinsehen offenbaren sie jedoch hübsche Details. Viele weitere Vertreter aus der artenreichen Klasse der Insekten kommen im Garten vor, allerdings sind die Individuenzahlen in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Ungebetene Gäste? Nicht alle Tiere sind im Garten willkommen. Zecken wie der Gemeine Holzbock sind gelegentlich Überträger von Borreliose oder sogar Hirnhautentzündung, deshalb sollte man nach der Gartenarbeit seinen Körper inspizieren und sie gegebenenfalls mit einer Zange vorsichtig entfernen. Spinnen dagegen sind zwar nicht beliebt, aber völlig harmlos und außerdem wichtige Fänger unerwünschter Insekten. Große Nacktschnecken treiben manchen Hobbygärtner zur Verzweiflung. Den Einsatz von „Schneckenkorn" sehen Natur- und Verbraucherschützer trotzdem sehr kritisch. Das Gift würde auch natürliche Feinde wie den Tigerschnegel treffen, der sich bevorzugt von den ungeliebten Nacktschnecken ernährt. Im naturnahen Garten leben auch Igel und Spitzmäuse, die Schnecken auf ihrer Speisekarte haben. Fliegen und Mücken möchte man nicht unbedingt massenhaft im Garten haben, aber ohne sie gäbe es auch kaum Schwalben. Und wer sich über Ameisen ärgert sollte bedenken, dass sie die Hauptnahrung des Grünspechts ausmachen. Tipp Wer sich für Bielefelder Artenvielfalt interessiert, findet hier alles, was Naturbeobachter in letzter Zeit im Bielefelder Norden entdeckt haben.

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