Repräsentieren die Gruppe: (v. l.) Nora Laurin, Michael Gugat, Klaus Rees und Gordana Rammert sind vier von rund 3.200 Menschen, die sich über Facebook zu "Geflüchtete willkommen in Bielefeld" zusammengetan haben. - © Andreas Frücht
Repräsentieren die Gruppe: (v. l.) Nora Laurin, Michael Gugat, Klaus Rees und Gordana Rammert sind vier von rund 3.200 Menschen, die sich über Facebook zu "Geflüchtete willkommen in Bielefeld" zusammengetan haben. | © Andreas Frücht

Bielefeld Hundert Freiwillige helfen Flüchtlingen würdig zu leben

"Geflüchtete willkommen": Seit einem Jahr kümmern sich Hunderte Freiwillige darum, dass Flüchtlinge in Bielefeld würdig leben können und anständig ausgestattet sind

Ansgar Mönter

Bielefeld. Am Anfang waren Farbeimer und Pinsel. Das Treppenhaus der Flüchtlingsunterkunft Teichsheide machte für einige Bielefelder einen so verwahrlosten Eindruck, dass sie die Aktion "Farbe für Teichsheide" ins Leben riefen. Das war im November 2014. "80 Helfer kamen", berichtet Michael Gugat. Die einen strichen, die anderen schleppten, wieder andere kochten, backten Kuchen, brühten Kaffee. Die Keimzelle der Gruppe "Geflüchtete willkommen in Bielefeld" war entstanden. Heute zählt sie 3.200 Mitglieder auf Facebook. "Ganze Gruppen haben sich uns angeschlossen", sagt Klaus Rees. Gewerkschaften, Schulen, Kirchengemeinden, muslimische Jugendliche und viele andere sind dabei. Hunderte helfen, damit Flüchtlinge in Bielefeld menschenwürdig leben können, das Nötigste für den Alltag haben und Unterstützung finden, wenn es Schwierigkeiten gibt. Aufgaben gibt es genug. Die Helfer sammeln Handtücher, Besteck, Töpfe und Teller, versorgen frisch Ankommende mit Kaffee, Wasser, Snacks und Brot, sortieren und verteilen Kleidung, organisieren Freizeitangebote wie Backen für Flüchtlinge oder betreuen Kinder, während Erwachsene Papierkram erledigen müssen. Für manche ist es nebenbei ein Halbtagsjob oder mehr - wie für Michael Gugat. "20 Stunden", schätzt er, hat er vor allem mit Koordinationsaufgaben pro Woche zu tun, im Spätsommer waren es sogar bis zu 60 Stunden. Bei ihm und bei Klaus Rees, Gordana Rammert und Nora Laurin laufen viele Fäden zusammen. Sie vermitteln Kontakte. "Wir haben schnell festgestellt, das Koordination nötig ist", sagt Rammert. Dennoch bleibt "Geflüchtete willkommen" eine Gruppe ohne Hierarchie, ohne Chefs oder Bestimmer. "Wir sind nicht mal ein Verein", sagt Gugat. Als eine Bewegung von unten bezeichnet sie Rees. Dennoch klappt die Arbeit weitgehend reibungslos. Wer etwas tun möchte, meldet sich, bekommt Ansprechpartner genannt und bringt sich ein, wo, wann und wie lange er möchte. "Bei uns bekommt niemand gesagt, was er zu tun hat", erklärt Gugat. Möchte ein Helfer etwa bei der Kinderbetreuung in der Zentralen Ausländerbehörde am Stadtholz mitmachen - dort stehen Eltern oft in der Schlange für die Registrierung - , wird er entweder mit Nora Laurin oder den anderen zwei oder drei Menschen aus der Kerngruppe zusammengebracht, die diese Aufgabe organisieren. Eine passende Zeit wird ausgesucht, ein Tag ausgemacht, dann kann es losgehen. So geht das weiter, was im November 2014 am Farbeimer an der Teichsheide begonnen hat. Damals kamen Menschen und guckten, was sie tun konnten, wo sie gebraucht werden, ohne Stress, ohne Kämpfe. Einfach so. Weil es keinen Bestimmer gab, gab es auch keine, über die bestimmt wurde. Später wurde sogar noch die Außenanlage gepflegt und der Keller aufgeräumt. "Als wir fertig waren, fragten ganz viele, wo und wann man wieder was machen könnte", erinnert sich Klaus Rees. Mitstreiter Michael Gugat richtete die Facebookseite ein und die Geschichte von der Gruppe "Geflüchtete willkommen in Bielefeld" nahm ihren erfolgreichen Lauf. Wer mithelfen will, kann sich an die Gruppe wenden über die Internetseite: https://gefluechtetewillkommeninbielefeld.wordpress.com

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