Frank (l.) und Patrik Riklin zeigen die Fliege Erika, die im Unternehmen Reckhaus in einem Betonsockel ausgestellt ist. Das Unternehmen stellt seit mehr als 50 Jahren Insektenbekämpfungsmittel her. - © FOTOS: BARBARA FRANKE
Frank (l.) und Patrik Riklin zeigen die Fliege Erika, die im Unternehmen Reckhaus in einem Betonsockel ausgestellt ist. Das Unternehmen stellt seit mehr als 50 Jahren Insektenbekämpfungsmittel her. | © FOTOS: BARBARA FRANKE

Sennestadt/Deppendorf Ein Königreich für Fliegen

Erste Insektenausgleichsfläche auf dem Flachdach der Firma Reckhaus eröffnet

Sennestadt/Deppendorf. Ein Hersteller von Insektenspray hat wenig übrig für die Belange der kleinen Tierchen. Sollte man meinen. Doch beim Chef des Sennestädter Insektenbekämpungsmittel-Herstellers Reckhaus liegen die Dinge etwas anders. Der hat am Samstag die erste Ausgleichsfläche für Würmer, Fliegen und Co. geschaffen.

"Ich habe 15 Jahre lang ohne ein schlechtes Gewissen Insektenspray hergestellt", sagt Hans-Dietrich Reckhaus, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. "Und dann habe ich mir zum ersten Mal Gedanken darüber gemacht, wie viele Insekten durch unsere Produkte sterben."

Als Ausgleich dafür hat Reckhaus darum eine Fläche von 200 Quadratmetern auf dem Flachdach seiner Firma in einen Wohlfühlort für Insekten verwandelt. Neben Holz und Steinen gibt es eine spezielle, zwölf Zentimeter dicke Substratschicht. "Das ist eine Kompensationsfläche", sagt Reckhaus. Kompensation für einen neuen Fliegenfänger, den die Firma bald auf den Markt bringt und durch den in Zukunft auch Fliegen sterben werden.

Den Umschwung seines Denkens hat Reckhaus den beiden Schweizer Künstlern Frank und Patrick Riklin zu verdanken. "Er ist auf uns zugekommen und wollte eine Aktion zur Einführung seines Produktes", sagt Frank Riklin. Doch mit dem Töten von Tieren haben die Zwillingen nichts am Hut. Sie wollten mit ihrem Kunstprojekt in eine vollkommen andere Richtung. "Wir haben gesagt: ,Hans, du musst damit die Welt auf den Kopf stellen.’"

Und so gewannen sie den Unternehmer Reckhaus für ihr Kunstprojekt. Gemeinsam mit den Bürgern Deppendorfs retteten sie 902 Fliegen und brachten sie in ein Fliegenhaus. Eine davon wurde ausgewählt, Erika getauft und mit dem Flugzeug in ein Wellnesshotel geflogen. Eine absurde Aktion mit einem realen Anliegen: "Wir wollen einen Diskurs über den Wert einer Fliege auslösen", sagt Frank Riklin.

Die Fliege Erika hat allerdings nichts mehr von der Ausgleichsfläche. Sie ist gestorben und wurde nun in einen Sockel in der Firma eingelassen. Dort ist das präparierte Tierchen nun ausgestellt. Für seine Insektenausgleichsfläche hat Hans-Dietrich Reckhaus das Label "Insect Respect" eingeführt, mit dem er seine neuen Fliegenfänger kennzeichnen will. Denn neben der neu entdeckten Liebe zu Fliegen hat Reckhaus auch wirtschaftliche Pläne. Zum einen hofft er, dass mehr Menschen auf Insektenschutzmittel vertrauen, deren Hersteller sich auch für den Schutz der Tiere einsetzt. Zum anderen plant Reckhaus, sein Label anderen Herstellern, die sich für Insekten einsetzen, zur Verfügung zu stellen.

Ökonomisch sei das Projekt ein Risiko, sagt Frank Riklin. "Hans hat dadurch noch keinen Cent eingenommen."

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