Verbittert: Peter Gumprecht muss die Hütte auf seiner gepachteten Parzelle auf dem Grabeland am Dissenkamp abreißen. Damit wird ein Beschluss er Bezirksvertretung Sennestadt und des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses aus dem Jahr 2000 umgesetzt. Von ehemals 73 Parzellen waren zuletzt noch rund drei Dutzend bewirtschaftet. - © Foto: Sibylle Kemna
Verbittert: Peter Gumprecht muss die Hütte auf seiner gepachteten Parzelle auf dem Grabeland am Dissenkamp abreißen. Damit wird ein Beschluss er Bezirksvertretung Sennestadt und des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses aus dem Jahr 2000 umgesetzt. Von ehemals 73 Parzellen waren zuletzt noch rund drei Dutzend bewirtschaftet. | © Foto: Sibylle Kemna

Sennestadt Grabeland wird freigeräumt

Dissenkamp: Nach langer Kündigungsfrist müssen die Parzellen zurückgegeben und widerrechtlich errichtete Hütten abgerissen werden. Aufforstung geplant

Sennestadt. Viele Erinnerungen an glückliche Stunden verbinden die Pächter der Parzellen im Grabeland Dissenkamp mit ihren Fleckchen Erde. Doch bis Jahresende müssen sie diese räumen. „Das sollte mein Altersruhesitz werden, jetzt kann ich alles wegreißen“, sagt Peter Gumprecht verbittert. Bereits vor neun Jahren schickte der Immobilienservicebetrieb (ISB) den Pächtern ein Schreiben, in dem das Ende der Verträge in fast zehn Jahren bekannt gemacht wurde. „Aber ich hatte noch die Hoffnung, dass sich das Blatt dreht“, sagt der ehemalige Fernfahrer, der vor zwanzig Jahren die 210 Quadratmeter große Parzelle am Dissenkamp mit Hütte übernommen hatte. Bereits im Jahre 2000 hatte die Bezirksvertretung Sennestadt und der Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss die Räumung beschlossen. Der ISB will mit dem Ende der Kleingartenanlage Forderungen der Bezirksregierung Detmold nachkommen. Denn das Grabeland liegt in der Wasserschutzzone II. Dünge- oder Pflanzenschutzmittel könnten mangels Lehmschicht ins Grundwasser gelangen.„Im Winter gab es Glühwein, im Sommer haben wir gegrillt“ Laut Pachtvertrag ist nur der Anbau von Nutzpflanzen vorgesehen, Hütten sind, wie immer bei Grabeland, nicht zulässig. Jedoch würden diese oft von den Bezirksämtern geduldet, sagt ISB-Betriebsleiter Jürgen Bültmann. Er betont, dass Grabeland immer „nur eine vorübergehende Bewirtschaftung“ ist, im Gegensatz zu Kleingärten. Verpachtet wird auch immer nur für ein Jahr. Die Argumentation mit dem Wasserschutzgebiet findet Gumprecht nicht nachvollziehbar. Er verweist auf umliegende bebaute private Grundstücke. „Ich finde das eine Schweinerei.“ Seine Hütte war mit Küche, Schlafzimmer, Wohnbereich, Garderobe und Campingtoilette ausgestattet, sogar einen Holzofen zum Heizen hatte er und eine Pumpe holte Grundwasser nach oben. Es gab keinen Strom, aber das gehörte mit zum besonderen Reiz des Lebens hier, das von Natur, dem Gefühl von Freiheit und der Gemeinschaft mit den anderen Grabeländern auf den 73 Parzellen geprägt war. „Im Winter gab es Glühwein, im Sommer haben wir gegrillt“, berichtet der frischgebackene Rentner, der sich nicht um eine Parzelle in einem anderen Grabeland bemüht hat, weil er immer noch Hoffnung hatte.Das einstige Grabeland wird Ausgleichsfläche Jetzt muss alles weg. Bei Aufgabe der Pachtfläche muss diese im vollständig abgeräumten Zustand an die Stadt Bielefeld zurückgegeben werden. Gumprecht nutzt das schöne Herbstwetter, um seine Hütte abzureißen. Unter den Paletten, die den Boden bildeten, taucht weißer Sennesand auf. „Erst habe ich die Hütte teuer bezahlt, und jetzt muss ich sie teuer entsorgen“, sagt der Sennestädter. Einige Hütten stehen noch, doch viele haben ihre Behausungen auch schon eher abgebaut. Einige haben das Angebot des ISB genutzt und woanders ein neues Zuhause für die Freizeit gefunden. Bis zum kommenden Frühjahr wird das ehemalige Grabeland am Dissenkamp aufgeforstet, berichtet die Pressesprecherin der Stadtwerke Bielefeld, Yvonne Liebold. Es dient dann als Ausgleichsfläche für Wasser- und Windkraftanlagen. Es gibt noch eine Grabelandfläche im Wasserschutzgebiet: am Markengrund. Dort bleiben die Pachtverträge aber bestehen. Denn die Grabelandfläche am Markengrund hatte 2009, als die Pachtverträge am Dissenkamp gekündigt wurden, noch einen anderen Wasserschutzstatus, erläutert Liebold.

realisiert durch evolver group