Farben: Die Ratten im Tierheim sind gescheckt, schwarz und weiß. Die Mäuse dagegen sind alle weiß, einige sind Albinos. - © Silke Kröger
Farben: Die Ratten im Tierheim sind gescheckt, schwarz und weiß. Die Mäuse dagegen sind alle weiß, einige sind Albinos. | © Silke Kröger

Sennestadt Aus illegalem Tiertransport gerettet: Putzige Mäuse suchen Zuhause

Von einem an der Autobahn 6 gestoppten Massentiertransport hat auch das Bielefelder Tierheim einige possierliche Nager übernommen

Silke Kröger

Sennestadt. Kaum sind die letzten Tauben vermittelt, wird der Platz in der neuen Vogelaufzuchtstation im Bielefelder Tierheim für einen Notfall gebraucht: Auf einem Autobahnparkplatz an der A 6 bei Amberg wurde Mitte Oktober einer der größten illegalen Tiertransporte Deutschlands gestoppt. Rund 7.000 Nager mussten kurzfristig auf die Tierheime verteilt werden. Einige, Farbratten und junge weiße Mäuse, haben es bis nach Bielefeld geschafft. Für sie suchen die Tierschützer nun ein neues (sicheres) Zuhause. Die Tiere waren im Lkw in engen Boxen gepfercht gewesen. Neben Ratten und Mäusen seien Kaninchen und Meerschweinchen, darüber hinaus Heuschrecken und Kakerlaken dabei gewesen sowie streng geschützte Arten wie Chamäleons und Axolotls (mexikanische Schwanzlurche), erzählt der Vorsitzende des Bielefelder Tierschutzvereins, Helmut Tiekötter. "Sie waren wahrscheinlich als Futtertiere gedacht. Produziert wird sowas alles in Tschechien und dann an Futterhändler in Belgien geliefert." Da das kleine Tierheim in der Oberpfalz mit so vielen Zöglingen völlig überfordert gewesen wäre, wurden sie über den Deutschen Tierschutzbund im ganzen Land verteilt. Tiekötter holte Dienstag vor einer Woche 110 weiße Mäuse, darunter viele noch ganz jung, und 65 Farbratten aus Amberg ab und verteilte sie weiter an die Tierheime, mit denen die Bielefelder zusammenarbeiten - Paderborn etwa, Gütersloh, Vlotho oder Herford. Jeweils eine Gruppe mit männlichen und weiblichen Farbratten sowie rund 60 Mäuse blieben in der Einrichtung in Sennestadt zur Weitervermittlung. Das ging nicht ohne unerwünschte Zwischenfälle ab: Obwohl in Amberg Männchen und Weibchen schon getrennt worden waren, hatte sich ein "Bielefelder" Mäuserich erfolgreich unter die Damen gemischt. Nicht ganz folgenlos. Doch inzwischen ist auch er "unter Männern" untergebracht. Die sich im übrigen, besonders auf engem Raum, nicht gerade sozial untereinander verhalten, wenn sie erwachsen werden - sie fechten erbarmungslose Revierkämpfe aus. "Deshalb müssen wir sie einzeln vermitteln", sagt der Vereinsvorsitzende. Diejenigen, die nicht so schnell neue Besitzer finden, würden kastriert. "Dann hört das auf. Aber das ist für unseren Tierarzt wirklich Filigranstarbeit." Die Ratten werden als Gruppe oder zu zweit oder dritt abgegeben. Bis es soweit ist, bleiben die wuseligen Tierchen, verteilt auf mehrere nagergerecht eingerichtete Käfige und Terrarien, in der Vogelaufzuchtstation. Das Tierheim steht den neuen Besitzern mit Rat und Tat zur Seite, dort gibt es auch Flyer zur richtigen Haltung. Infos unter Tel. (0 52 05) 9 84 30.

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