Eingezäunt: Die Skulptur "Auf der Lichtung" auf dem Sennestadtplatz wurde schon vor Wochen beschädigt. Im Hintergrund erhebt sich das markante Sennestadthaus. - © Silke Kröger
Eingezäunt: Die Skulptur "Auf der Lichtung" auf dem Sennestadtplatz wurde schon vor Wochen beschädigt. Im Hintergrund erhebt sich das markante Sennestadthaus. | © Silke Kröger

Sennestadt Skulpturen in Bielefeld zerstört

"Großes Strandstillleben" von Peter Sommer ist teilweise zerbrochen, "Auf der Lichtung" von Tony Cragg aus der Verankerung gerissen. Beides schon vor Wochen

Silke Kröger

Sennestadt. Das künstlerische Schaffen und besonders die Kunst im öffentlichen Raum hatten in Sennestadt immer schon eine hohe Bedeutung. Überall finden sich Plastiken und Skulpturen, 34 sind es inzwischen. Und, anders als in anderen Teilen Bielefelds, sind sie alle bestens dokumentiert. Jetzt sind, ausgerechnet im Zentrum, zwei der Werke beschädigt, und das schon seit Wochen: "Auf der Lichtung" (1997) und "Großes Strandstilleben" (1981). Die Bronze-Plastik mitten im Herzen des Stadtbezirks hatte der englische Künstler Tony Cragg speziell für den Reichowplatz angefertigt. 2006 war der am Boden liegende Teil versehentlich von einem Markthändler angefahren worden. Vor acht Jahren dann wurden alle drei Objekte grundlegend aufgearbeitet und fest im Boden verankert. Vor mehr als fünf Wochen rüttelten unbekannte Randalierer so lange an dem liegenden Element herum, bis sich die fest verschraubte Verankerung löste. Seitdem steht ein Bauzaun um die "Lichtung", um sie zu sichern. Denn die liegende Skulptur könnte ins Rollen geraten. Eine Reparatur ist aufwendig und teuer. Daher wird derzeit nach einer Lösung gesucht, das Werk künftig fest zu arretieren und gleichzeitig vor Zusammenstößen zu bewahren. Dazu habe sich eine Initiative gebildet, die bereits verschiedene Ideen entwickelt habe, berichtet Bernhard Neugebauer, Geschäftsführer der Sennestadt GmbH, die Eigentümerin von "Auf der Lichtung" ist. Angedacht seien etwa Sitzsteine aus Granit oder ein schmaler Bordstein. "Man muss jetzt erst einmal sehen, welche Möglichkeiten es gibt, und dann, wie das finanziert werden könnte." Die Sennestadt GmbH habe bereits Kontakt zu einem Tiefbauunternehmen aufgenommen. "Ein vierstelliger Betrag wird das auf jeden Fall kosten", schätzt Neugebauer. Welche Lösung auch immer gewählt wird: Bis Ende des Jahres soll die "Lichtung" wieder frei stehen. Etwas anders gelagert ist der Fall beim "Großen Strandstillleben" (1981) des Oerlinghausener Künstlers Peter Sommer im Sennestadtteich, das ebenfalls im Besitz der Sennestadt GmbH ist. Die 17-teilige Figurengruppe aus Terrakotta wird über die Wintermonate von ihrer kleinen Insel geholt, um sie vor Frost und möglichem Vandalismus (wenn der Teich gefroren ist) zu schützen. Die Transporte, aber auch die Witterung hätten über die Jahre bereits ihre Spuren - Löcher oder Risse - an der Gruppe, die innen hohl ist, hinterlassen, sagt Neugebauer. Vom ursprünglichen Arrangement des Künstlers ist seit längerem nichts mehr erkennbar, die Anordnung wechselt jeden Frühjahr bei der Neuaufstellung. Seit rund fünf Wochen aber ist die zentrale große Figur zerstört, Kopf und Teilstück liegen inmitten der anderen Objekte. Ob, wann und wie Unbekannte das "Strandsstilleben" demolierten, vermag Neugebauer nicht zu sagen. Direkt beobachtet worden sei nichts, obwohl immer mal wieder Personen auf der Insel gesichtet würden. Die vertragliche Gewährleistung (20 Jahre) sei längt abgelaufen, berichtet Neugebauer weiter. Gleichwohl werde sich die Sennestadt GmbH einer "finanziellen Beteiligung nicht verschließen" - wenn denn eine Entscheidung getroffen sei. Anfang Dezember werden die Figuren nun erstmal wie immer von der Insel geholt, dann wird ihr Zustand überprüft. "Und dann werden wir sehen, ob es sich reparieren lässt oder nicht." Vielleicht könne auch auf ein anderes, haltbareres Material zurückgegriffen werden. Neugebauer setzt auf eine gemeinsame Lösung - "auf breiter Basis": mit dem Künstler, dem Sennestadtverein, der Politik und dem Stadtbezirk. "Das ist guter Brauch in Sennestadt. "

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