Mucksmäuschenstill: Dieses Projekt finden Kinder und Lehrer der Brüder-Grimm-Schule gut. Die kleine Maus weist in der großen Halle und in allen Fluren darauf hin. Unser Bild zeigt v.l. Leon (8), Leon (9), Lilia Marie (9), Nicole (8), Laura (8), Baktihar (9), Carola (8) und Celine (7) mit Schulleiterin Heidi Klocke. - © Foto: Sibylle Kemna
Mucksmäuschenstill: Dieses Projekt finden Kinder und Lehrer der Brüder-Grimm-Schule gut. Die kleine Maus weist in der großen Halle und in allen Fluren darauf hin. Unser Bild zeigt v.l. Leon (8), Leon (9), Lilia Marie (9), Nicole (8), Laura (8), Baktihar (9), Carola (8) und Celine (7) mit Schulleiterin Heidi Klocke. | © Foto: Sibylle Kemna

Sennestadt Still wie ein Mucksmäuschen

Brüder-Grimm-Schule: Zweite Pilotschule des Projektes von Dorothea Böhm. Rennen und schreien nur noch draußen

Sibylle Kemna

Sennestadt. Mucksmäuschenstill ist es zwar nicht in der Brüder-Grimm-Schule (BGS), aber auf den Fluren gehen die Kinder, anstatt zu laufen, und unterhalten sich leise. Die Grundschule ist zweite Pilotschule des „Mucksmäuschen-Projekts“ der Medizinerin und Pädagogin Dorothea Böhm. Kinder lärmen und rennen – das gehört dazu. Das war lange die gängige Meinung, wohl beeinflusst von der antiautoritären Erziehung. Doch das führte in Schulen zu einem immer lauteren und chaotischeren Umfeld und einer gesundheitsgefährdenden Lärmbelastung. Dieser hat Böhm, die seit zwölf Jahren Lehrerinnen und Lehrer in Positivem Unterricht (PU) coacht, den Kampf angesagt. Und BGS-Rektorin Heidi Klocke, die Böhm schon aus ihrer Konrektorenzeit in Schildesche kennt, hat dafür gesorgt, dass ihre Schule Pilotschule wurde. Überall in der BGS hängen runde Schilder und stehen Aufsteller mit dem vereinfachten Kopf einer Maus, die ihre Hand an den Mund und den Zeigefinger hoch hält – das Zeichen für „Psst – leise sein“. Sie erinnern die Schüler daran, dass sie sich ruhig verhalten und ruhig sprechen. Rennen und schreien können die Kinder auch – aber nur draußen. Bereits vor den Sommerferien wurde das Projekt intensiv vorbereitet, Eltern und Pädagogen des offenen Ganztags wurden ins Boot geholt. Mit dem neuen Schuljahr wurde die BGS dann Mucksmäuschenschule – und das klappt erstaunlich gut. „Wir loben die Kinder, die leise sind, und erinnern die anderen freundlich – wir arbeiten ausschließlich über positive Verstärkung“, berichtet Klocke. Da alle gelobt werden wollen, hat der Lärmpegel deutlich abgenommen.Es braucht viel Geduld und Wiederholungen, aber es zahlt sich aus „Die Kinder sind entzückend. Sie sind sehr motiviert dabei und geben sich ganz viel Mühe“, erzählt die Rektorin, der die Pausenklingel angesichts des ruhigeren Umfeldes nun viel zu laut vorkommt. „Allen tut es gut, es ist mehr Ruhe eingekehrt, und der Unterricht kann schneller beginnen.“ „Wir wollten immer, dass es in der Klasse leiser wird“, berichtet die neunjärhige Lilia Marie. „Aber erst mit dem Mäuschen hat es geklappt.“ Auch Leon (9) freut sich über mehr Ruhe. „Vorher war alles stressiger.“ Es braucht viel Geduld und Wiederholung, aber es zahlt sich aus. Davon ist das Lehrerkollegium überzeugt. Wenn sich das Projekt etabliert hat, soll es in den Klassen „Mucksmäuschen-Beauftragte“ geben, die ihre Mitschüler und auch die Lehrerinnen und Lehrer an das Ruhig-Sprechen erinnern. „Man muss dranbleiben, bis es Normalität ist, dass es leise bleibt“, meint Klocke. Am Beispiel der ersten Pilotschule in Vilsendorf, wo das Projekt vor einem Jahr erst gut gestartet war und dann Erosionserscheinungen bekam, weiß sie, dass es kein Selbstläufer ist.

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