63 Katzen hat das Bielefelder Veterinäramt bei einer Bielefelderin "beschlagnahmt". Jetzt hat sie sich zu Wort gemeldet. - © Symbolfoto Pixabay
63 Katzen hat das Bielefelder Veterinäramt bei einer Bielefelderin "beschlagnahmt". Jetzt hat sie sich zu Wort gemeldet. | © Symbolfoto Pixabay

Bielefeld Veterinäramt stellte 63 Katzen sicher - jetzt meldet sich die Halterin

Halterin ist vollkommen fassungslos: "Natürlich waren die Tiere krank, deshalb habe ich die ja aufgenommen"

Bielefeld. 63 Katzen hatten Mitarbeiter des Veterinäramtes am 8. März aus einem kleinen Häuschen in Eckardtsheim geholt. Die Begründung: Die Tiere sind krank und schlecht versorgt. Vier Katzen wurden direkt eingeschläfert. Nun hat sich auf Facebook die Halterin geäußert. Sie ist vollkommen fassungslos. „Wir stehen vor Ihrer Tür, wenn Sie nicht umgehend kommen und uns rein lassen, werden wir uns selbst Zugang verschaffen." So beschreibt die Bielefelderin den ersten telefonischen Kontakt mit dem Veterinäramt. "Als mich der Anruf des Veterinäramts erreichte, war ich bei meiner Arbeit. Sie hätten einen Beschluss, wurde mir gesagt. Ich ließ alles stehen und liegen, fuhr wie paralysiert los und war durch den Schock zu keinem klaren Gedanken fähig. Innerhalb von zwanzig Minuten war ich vor Ort." Viele der Katzen seien pflege- und besonders schutzbedürftig, da sie krank oder behindert sind, schreibt die Bielefelderin in ihrer Stellungnahme auf Facebook. "Ich habe ein sehr großes Haus mit weitläufigem Grundstück", heißt es weiter. Eigentlich sollte 'CatDorado', so der Name ihres Katzen-Gnadenhofs, als Gnadenhof für behinderte und alte Katzen dienen, "doch vor der Kittenschwemme, auch aus dem Ausland, konnte ich die Augen nicht verschließen". Jedes Tier, das sie abgelehnt hätte, wäre wohl in der Tötung oder auf der Straße gestorben. Das habe sie nicht übers Herz gebracht. "Die gesunden Katzen sind Freigänger auf dem 1250 Quadratmeter großen Grundstück. Aber vor allem: Jungtiere lassen sich gut vermitteln, die Situation war überschaubar. Eigentlich." Drei Mitarbeiter und eine Praktikantin des Veterinäramts hätten alles durchsucht. „Zur Abwehr von gegenwärtigen Gefahren für die im Haus lebenden Katzen, die unter tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten werden", hatte das Veterinäramt formuliert. "Ich war zu überrumpelt, um Hilfe zu holen und musste zusehen, wie die Katzen, auch die außerhalb des Hauses, eingefangen wurden." Was ihrer Meinung nach nicht rechtens war. "Polizei hätte zur 'Beschlagnahmung' anwesend sein müssen und die dem Angriff zugrunde liegenden Vorwürfe wären mit einem kurzen Blick in die Ausweise, Unterlagen und Arztrechnungen schnell ausgeräumt gewesen." Der Ablauf der Beschlagnahmung sei sehr wohl rechtens gewesen, sagt Dr. Ivo Lücke vom Bielefelder Veterinäramt. "Wir haben Betretungsrechte, wenn Gefahr im Verzug ist. Die Polizei wird erst dann hinzugerufen, wenn uns dieses recht verweigert wird." Gefahr im Verzug bedeutet, dass etwa Seuchen oder Infektionen zu befürchten sind. "Vier Katzen wurden noch am selben Tag eingeschläfert", schreibt die Katzenhalterin. "Zwei waren behindert. Da sie nicht springen und nicht klettern können, seien sie angeblich nicht zu einem würdigen, artgerechten Leben fähig gewesen. Es waren sehr fröhliche, lebensfrohe Tiere, die ich mit ganzem Herzen geliebt habe." Sie stehe nun in leeren Räumen vor einem "riesen Berg Vorwürfe, Angriffe, Kosten und mehreren langwierigen Gerichtsverfahren". Das Veterinäramt habe sie völlig überrumpelt und sich mit einem unvollständigen Gerichtsbeschluss und ohne Rechtsbehelfsbelehrung Zutritt ins Haus verschafft. "Ich betreibe einen privaten Gnadenhof. Es gibt ein Patenschaftssystem, dies funktioniert über Futter- und Sachspenden, niemals nahm ich Geld für meine Tierschutzarbeit an. In der Regel nehme ich nur kranke, alte oder behinderte Tiere auf, bis zu etwa 45, lediglich die massive Kittenschwemme und die eindringlichen Bitten von Tierheimen und anderen Tierschutzorganisationen, auch aus dem Ausland, bewegten mich dazu, mehr Katzen aufzunehmen, die sich größtenteils im weitläufigen Gelände als Freigänger aufhalten. Jedes Lebewesen, das ich abgelehnt hätte, wäre heute tot." Im Haus betreue sie vor allem die kranken Tiere, die separiert werden müssen, sowie die Behinderten, die besonders schutz- und pflegebedürftig seien. Diese Tiere würden von den Tierheimen meist abgelehnt. Tiere, die behindert sind, nicht springen und klettern können, als nicht „lebenswert" abgestempelt würden, würden offenbar grundsätzlich eingeschläfert. Den Tierheimen fehlte oft auch die Zeit und Motivation, teils schwerkranke Tiere liebevoll aufzupäppeln. Unter den Katzen seien einige, die bereits von Ärzten als unheilbar bezeichnet wurden und heute quicklebendig durch die Gegend sprängen. "Springen durften. Denn nun sind sie in Gewahrsam." "Es wird mir vorgeworfen, dass ich kranke Tiere beherbergte. Aber genau um diese kümmere ich mich ja, weil keiner sonst sie nimmt. Alle Krankheitsverläufe sind dokumentiert. Anders lautende Befunde von Tierärzten wurden mir nicht vorgelegt." Ihr sei vorgeworfen worden, dass der Boden im Haus nicht sauber gewesen sei. "Da es auf Grund von Alter und Behinderung auch inkontinente Katzen unter meinen Pfleglingen gibt, wird bei mir mehrmals täglich geputzt. Doch über Nacht kann sich wieder einiges ansammeln." Es gebe zahlreiche Zeugen, die immer wieder und teils unangekündigt bei ihr aufgetaucht waren, "die jederzeit bestätigen, dass es aus ihrer Sicht nie Grund zur Beanstandung gab". Überhaupt sei es ihr ein Rätsel, warum ihr, die seit so vielen Jahren Katzen halte, nun in einer solchen Überfallaktion fast alle Tiere abgenommen worden seien. "Es war doch lange bekannt, dass ich hier kranke Tiere habe, auch bei den Behörden." Sie sei vollkommen einverstanden gewesen mit einer regelmäßigen Überprüfung. "Damit hätte ich kein Problem gehabt." Dass aber nun so plötzlich alles aus sei, das sei schon hart. Auch sei ihr vorgeworfen, dass die Tiere teilweise nicht kastriert seien. "Termine hierzu waren bereits beim Tierarzt vereinbart – nachweislich". "Trotz dem man mir die Katzen quasi raubte, muss ich täglich, zusätzlich zu der städtischen Unterstützung, einen hohen Betrag pro Tag pro Tier in Gewahrsam bezahlen. Es stehen nun mehrere Prozesse bevor, meine Anwältin muss und soll ordentlich vergütet werden. Wenn es möglich ist, möchte ich meine Katzenherzchen schnellst möglich aus dem anonymen Gewahrsam auslösen." Wer die Bielefelderin unterstützen oder sich generell zum Thema äußern möchte, kann sich gern per Email unter bielefeld@nw.de an die Lokalredaktion wenden. Wir leiten die Mails dann weiter.

realisiert durch evolver group