Das Opfer: Die 35-jährige Ehefrau des geständigen Täters. - © Wolfgang Rudolf
Das Opfer: Die 35-jährige Ehefrau des geständigen Täters. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Prozess: Erstmals spricht das Opfer über die Messerattacke

Prozess: Bielefelder hatte an an der Elbeallee auf seine Ehefrau eingestochen, weil er die Scheidung nicht akzeptieren wollte. Ein Busfahrer rettete der Verletzten das Leben.

Nils Middelhauve

Bielefeld. Sie wirkt gefasst. Sachlich schildert die 35-Jährige den brutalen Angriff ihres Noch-Ehemanns, der sie im Mai dieses Jahres das linke Augenlicht kostete. Seit Dienstag muss sich der 36-jährige Alexander J. wegen des Verdachts des versuchten Totschlags vor dem Landgericht verantworten. „Wir sind seit 15 Jahren verheiratet. Mein Mann war immer eifersüchtig und hat mich ständig kontrolliert", berichtete die Mutter von zwei Kindern in ihrer Zeugenaussage. Ende November 2015 habe sie ihm schließlich eröffnet, dass es ihr reiche und sie sich scheiden lassen wolle. Dies, so die Frau, habe J. jedoch nicht akzeptiert: In der Folgezeit sei dieser mehrfach handgreiflich geworden, um sie zu nötigen, doch noch bei ihm zu bleiben. Nach einem dieser Übergriffe „bin ich mit den Kindern für drei Wochen ins Frauenhaus gegangen. Er zog dann zwar schließlich aus der Wohnung aus, hat mich jedoch ständig angerufen. Zuletzt am 12. Mai gegen 23 Uhr." Sie habe ihm dann gedroht, dass sie ihn anzeigen werde, wenn er sie weiter belästigte und habe das Gespräch beendet. Am folgenden Morgen, so die 35-Jährige, sei sie zu Fuß zur Arbeit aufgebrochen. Plötzlich sei J. mit seinem Auto hinter ihr aufgetaucht. Nach kurzer Diskussion habe er sie in den Wagen gedrängt und sei losgefahren, „er war sehr aggressiv." In der Nähe der Bushaltestelle Travestraße gelang der Frau die Flucht aus dem Auto. „Ich wusste, das bald ein Bus kommen würde und bin zur Haltestelle gegangen", berichtete die Frau gestern. Alexander J. sei hinter ihr hergegangen. „Dann zog er ein Messer. Ich dachte, das war’s." Sie habe an ihm vorbeigehen wollen, als sie den ersten Stich in den Oberkörper bekam. „Danach weiß ich nicht mehr alles", schilderte sie die dramatischen Sekunden. Alexander J. stach mehrfach auf die nun auf dem Boden liegende Frau ein. Gerade rechtzeitig fuhr Markus R. mit einem Bus der Linie 30 die Haltestelle an. Der 44-jährige MoBiel-Mitarbeiter sah, dass J. auf die Frau losging. Er sprang aus dem Bus, zerrte ihn von seinem Opfer weg und forderte Hilfe an. Die schwer verletzte Frau kam ins Krankenhaus. Die massiven Verletzungen führten zur Erblindung des linken Auges. Das alles dauerte lediglich wenige Sekunden, „es kam mir damals aber wesentlich länger vor", sagte Markus R. vor Gericht. Alexander J. riss sich aus dem Griff des Busfahrers los und floh. Er übernachtete in einem Wald und stellte sich zwei Tage nach der Tat der Polizei. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. In der Verhandlung vor der I. Großen Strafkammer erklärte Verteidiger Alexander Strato namens seines Mandanten, dass dieser die Tat einräume und bedauere. Es sei auch richtig, dass es im Vorfeld der Tat häufig zu heftigen Streitigkeiten zwischen den Eheleuten gekommen sei. Diese seien jedoch niemals handgreiflich gewesen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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