Alexander J. verbirgt auf der Anklagebank sein Gesicht hinter einem Schnellhefter. Ihm zur Seite steht sein Verteidiger Alexander Strato. - © Wolfgang Rudolf
Alexander J. verbirgt auf der Anklagebank sein Gesicht hinter einem Schnellhefter. Ihm zur Seite steht sein Verteidiger Alexander Strato. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Prozessauftakt nach brutaler Messerattacke an der Elbeallee

Angeklagter räumt Tat ein. Ein Busfahrer rettete damals die 34-Jährige vor den Angriffen ihres getrennten Mannes

Nils Middelhauve
Jens Reichenbach

Bielefeld. Vor dem Bielefelder Landgericht hat am Dienstag der Prozess gegen einen 36-jährigen Bielefelder begonnen, der am 13. Mai an der Elbeallee mit einem Messer seine von ihm getrennt lebende Frau attackiert haben soll. Wie berichtet, ereignete sich der brutale Angriff damals gegen 7.40 Uhr vor den Augen zahlreicher Schüler, die gerade mit einem Linienbus an der Haltestelle gestoppt hatten. Just an dieser Haltestelle hatte der Täter auf sein Opfer gewartet. Vor Gericht räumte der Angeklagte nun die Tat ein. Die Staatsanwaltschaft wirft Alexander J. versuchten Totschlag vor. Die 34-Jährige überlebte den Messerangriff vermutlich nur, weil der Fahrer der Buslinie 30 geistesgegenwärtig aus seinem Fahrzeug an der Haltestelle Travestraße sprang und den Täter von seinem Opfer wegzog. Die Ermittler der "Mordkommission Trave" gehen davon aus, dass der nun Angeklagte sonst immer weiter auf sein Opfer eingestochen hätte. MoBiel-Mitarbeiter Markus R. gilt seitdem als Held. Das Opfer, das durch den Messerangriff auf dem linken Auge erblindet ist, hat den Busfahrer schlicht als "ihren Lebensretter" bezeichnet. Per Erklärung durch seinen Verteidiger Alexander Strato räumte der Angeklagte vor Gericht ein, auf das Opfer eingestochen zu haben. Sein Motiv: Er wollte wohl die Trennung von seiner Frau nicht akzeptieren. Laut Erklärung war der Angeklagte davon ausgegangen, dass ein anderer Mann seine Ehefrau zu der Trennung gedrängt habe. Der zunächst geflüchtete Täter hatte sich aufgrund des hohen Fahndungsdrucks zwei Tage nach der Tat auf der Polizeiwache Brackwede gestellt. In seinem Versteck in einem Waldgebiet zwischen Sennestadt und Lipperreihe habe der Gesuchte bereits das Bellen der Polizeihunde gehört und jederzeit mit seiner Entdeckung gerechnet. Doch nicht nur die 34-Jährige zählt zu den Opfern dieser vor dem Landgericht verhandelten Tat. Mehrere Schüler in dem Bus mussten alles mit ansehen und wurden anschließend mit großem Aufwand psychologisch betreut werden.

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