Angeregte Diskussion: Sozialdezernent Ingo Nürnberger (v. l.), Esther Klaer vom ASB, Soziologieprofessor Thomas Faist und Staatssekretät Thorsten Klute stehen dem Publikum im Sennestadthaus Rede und Antwort. - © Judith Gladow
Angeregte Diskussion: Sozialdezernent Ingo Nürnberger (v. l.), Esther Klaer vom ASB, Soziologieprofessor Thomas Faist und Staatssekretät Thorsten Klute stehen dem Publikum im Sennestadthaus Rede und Antwort. | © Judith Gladow

Sennestadt 100 Besucher sprechen über Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit Flüchtlingen

SPD Sennestadt veranstaltet Podiumsdiskussion

Judith Gladow

Sennestadt. Am Freitagabend, noch vor den schrecklichen Ereignissen in Paris, hatte die SPD Sennestadt zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Flüchtlinge" eingeladen, um mit den Bürgern und Vertretern aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis über über Ängste und Sorgen zu sprechen. Auch wenn die Diskussion einen Tag später - unter dem Eindruck der Terroranschläge in Paris - vielleicht deutlich anders verlaufen wäre, fanden Besucher und Gäste dort deutliche Worte auch zum öffentlichen Umgang mit der Angst. "Wie ist das alles zu bewältigen?" - unter diese Überschrift ließ sich der erste große Block Fragen fassen, die an diesem Abend gestellt wurden. So äußerte eine Besucherin die Ängste vieler Arbeitsloser vor einer Konkurrenz mit den Flüchtlingen: "Wo sollen die ganzen Arbeitsstellen denn herkommen?" - "Diese beiden Gruppen stehen ökonomisch nicht in direkter Konkurrenz", versicherte der Soziologieprofessor Thomas Faist, warnte aber auch vor Argumentationen mit demografischen Prognosen. "Wir wissen es schlicht und einfach nicht." Auch Wohnraum spielte eine große Rolle. "Wir müssen und wollen in den Wohnungsbau einsteigen", sagte Ingo Nürnberger, der darin auch eine Chance sieht für alle, die es schwer haben, ein bezahlbares Dach über dem Kopf zu finden. Von mehr Stellen in Schulen, Kitas und Sozialarbeit war ebenfalls die Rede. "Nicht alles geht über das Ehrenamt", erklärte der Bielefelder Sozialdezernent. Ein zweites Thema umfasste Miteinander und Konfliktpotenziale. Hier sollen in Zukunft "die bestehende Infrastruktur genutzt und Begegnungsräume geschaffen werden", erklärte Thorsten Klute, Staatssekretär im Ministerium für Integration. Und als Einzelfälle von Konflikten zwischen Flüchtlingen erwähnt wurden, versicherte Esther Klaer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), dass es trotz der räumlichen Enge auch sehr friedlich zugehen kann: "Wir haben im Oldentruper Hof so viele unterschiedliche Nationen, die gut miteinander zurecht kommen." "Ich habe vor allem Angst davor, dass bei uns die Stimmung kippt", erzählte ein Besucher dann und eröffnete damit den dritten Teil der Diskussion, in dem Politik und Medien von Publikum und Podium so einiges an Schelte bekamen. Da wurde zum einen die Rhetorik beklagt: Ströme, Lawinen und Wellen als Beispiele genannt und auch das Wort "Flüchtlingskrise" kritisiert: "Die Krisen finden anderswo statt, wir erleben hier nur die geringen Ausläufer", betonte Faist. Zum anderen monierten viele die Uneindeutigkeit der Politik. "Ich möchte da mehr Klarheit, auch von der SPD" - war eine Publikumsstimme, eine andere sprach im Bezug auf die Bundesregierung sogar von einem "Tollhaus". Aber auch Gerüchte und Nachrichtenfälschungen in sozialen Netzwerken kamen zur Sprache. "Lassen wir uns davon nicht manipulieren", forderte Klute. SPD-Ortsvereinsvorsitzende Brigitte Biermann war zufrieden mit dem Verlauf der Diskussion, an der rund 100 Zuhörer teilgenommen haben. "Es wird ganz sicher Folgeveranstaltungen geben", sagte sie. "Es wurde ja viel von Entwicklungen und Plänen gesprochen, das müssen wir jetzt auch einfordern."

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