Altmühlstraße: Der Innenhof ist von keiner größeren Straße aus direkt einsehbar, Arkadengänge und überdachte Bereiche, diverse Hausflure sorgen für viele Ecken zum Verstecken. Jetzt gibt es Überwachungskameras. - © Susanne Lahr
Altmühlstraße: Der Innenhof ist von keiner größeren Straße aus direkt einsehbar, Arkadengänge und überdachte Bereiche, diverse Hausflure sorgen für viele Ecken zum Verstecken. Jetzt gibt es Überwachungskameras. | © Susanne Lahr

Bielefeld Bielefelder Polizei observiert Drogenhändler in der Südstadt

Ermittler führten monatelang verdeckte Observationsmaßnahmen durch. Nun sind erste Strafverfahren eingeleitet und Überwachungskameras installiert

Susanne Lahr

Bielefeld-Sennestadt. Die Entwarnung gleich vorweg: Eine richtig gehende Drogenszene rund um den Gebäudekomplex Altmühlstraße gibt es laut Polizei nicht. Aber Drogenhandel und -konsum einzelner Personen sehr wohl, so dass sich Anwohner mit mehreren anonymen Schreiben bereits im Vorjahr an Polizei und Bezirksvertreter gewandt haben. Lange hatten sie offenbar den Eindruck, sie würden nicht ernst genommen. Doch die Polizei hat monatelang observiert, ermittelt, Wohnungen durchsucht und nun erste Strafverfahren eingeleitet. Er ist groß und verwinkelt, der Gebäudekomplex einer Eigentümergemeinschaft zwischen Paderborner und Altmühlstraße. In den Gebäuden befinden sich Wohnungen, Arztpraxen, Geschäfte, Versicherungsbüros, Spielothek und Wettbüro. Es gibt einen großen Innenhof und diverse Durchgänge – viele Ecken, in denen sich Menschen, die nicht gesehen werden wollen, herumdrücken können. Anonyme Hilfeschreiben der Bewohner Schon im April meldeten sich besorgte Bewohner anonym zu Wort. Flyer wurden verteilt, die auf das Drogenproblem aufmerksam machten. Darin hieß es, es würden „Drogen offen gehandelt und konsumiert". Den Junkies sei es egal, ob Passanten oder Patienten vorbeigingen. Eine Haustüre würde regelmäßig manipuliert, damit die „Kunden" ungehindert ins Haus gelangen könnten. Seit Mitte 2016 lebe ein polizeibekannter Dealer im Haus. Es wurde davon berichtet, dass sich jeden Tag „mindestens zehn bis 15 Kunden im Hof und beim Dealer tummeln", schrieben „sehr besorgte und verängstige Bürger" in diesem Brief. Am 2. November sendeten die Bürger einen „weiteren Hilferuf" an die Mandatsträger in Sennestadt, legten ein „Drogenkonsum-Protokoll" mit Kundenbesuchen des Dealers bei (angeblich bis zu fünf Mal am Tag) und forderten Abhilfe. Zumal das Schulzentrum Wintersheide und das Ehrenberg-Gymnasium ebenfalls nicht weit seien. Zweimal Wohnungen durchsucht Nach Recherchen der Neuen Westfälischen hat sich die Polizei des Drogenhandels an und im Objekt Altmühlstraße 4-18 angenommen. Von Juni 2017 bis Januar 2018 wurden im Rahmen von Ermittlungen wiederholt längerfristige verdeckte Observationsmaßnahmen durchgeführt, erklärt die Polizei. Diese Ermittlungen führten zur Einleitung von Strafverfahren wegen des Handels mit Betäubungsmitteln und wegen deren Besitzes gegen mehrere Personen. Genaue Zahlen wollte Polizeisprecher Achim Ridder auf Nachfrage der NW aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Er erklärte lediglich, dass im Rahmen des Verfahrens auch zweimal Wohnungen in dem Hauskomplex durchsucht worden seien, bei denen jedoch nur geringe Mengen Marihuana gefunden worden seien. In einem Fall seien die Ermittlungen bereits abgeschlossen und sei Anklage erhoben. Überwachungskameras angebracht Auch Polizisten in Uniform haben laut Ridder in den vergangenen Monaten verstärkt Präsenz an der Altmühlstraße gezeigt und Kontrollen durchgeführt. Darüber hinaus habe die für den Gebäudekomplex zuständige Hausverwaltung Überwachungskameras angebracht. Die habe zu einem deutlichen Rückgang von Personenbewegungen im Umfeld des Hauses geführt, sagt Achim Ridder. Ein Mieter berichtete der NW, dass seit längerem abends ab 18 Uhr das Treppenhaus zu den Arzt- und Krankengymnastikpraxen abgeschlossen werde, um ungebetene Gäste fernzuhalten. Sprecher Achim Ridder kündigte an, dass die Bielefelder Polizei auch weiterhin im engen Kontakt mit der Hausverwaltung die Entwicklung beobachten und gegebenenfalls notwendige Maßnahmen treffen werde.

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