Geschlossen: Die alte Turnhalle am Semmelweisweg, vor mehr als 40 Jahren in Leichtbauweise errichtet, ist stark renovierungsbedürftig. Die von Bodelschwinghschen Stiftungen wollen in das Gebäude nichts mehr investieren. - © Susanne Lahr
Geschlossen: Die alte Turnhalle am Semmelweisweg, vor mehr als 40 Jahren in Leichtbauweise errichtet, ist stark renovierungsbedürftig. Die von Bodelschwinghschen Stiftungen wollen in das Gebäude nichts mehr investieren. | © Susanne Lahr

Eckardtsheim Turnhalle und Bad in Eckardtsheim sollen abgerissen werden

Beide Gebäude am Semmelweisweg sollen verkauft oder abgerissen werden. Und das noch in diesem Jahr

Silke Kröger

Eckardtsheim. Das alte Hallenbad am Semmelweisweg wurde schon vor gut neun Jahren geschlossen. Jetzt ist auch die Turnhalle daneben dicht, die im gleichen Zeitraum, vor mehr als 40 Jahren, errichtet wurde; beide Gebäude haben gemeinsame Versorgungsleitungen. Damit ist in Eckardtsheim ein weiterer Schritt vollzogen auf dem Umwandlungsweg von der Ortschaft zum ganz normalen Ortsteil: Die von Bodelschwinghschen Stiftungen haben in den vergangenen Jahren immer mehr stationäre Plätze abgebaut, ganze Häuser sind verkauft oder abgerissen worden. Das droht jetzt auch dem Hallen-Ensemble. Auch wenn die Halle noch in gutem Zustand erscheint - sie ist schon lange in die Jahre gekommen, berichtet Ortschaftsreferent Edmund Geißler. Defekt sei etwa die Lüftungsanlage, und der alte Schwingboden sei ebenfalls nicht mehr in Ordnung: "An vielen Stellen kommen die Schrauben durch." Für eine weitere Nutzung müssten in das Gebäude, das Anfang der 70er Jahre in Leichtbauweise errichtet worden sei, rund 2 Millionen Euro investiert werden. Bereits im vergangenen Herbst sei daher die Entscheidung gefallen, dass die Halle nicht mehr repariert werde, führt der Ortschaftsreferent weiter aus. "Man mus ja schauen, wo es noch Sinn macht zu investieren und die Betriebskosten zu tragen und wo man Gebäude aufgeben muss." Eckardtsheim habe sich seit Beginn der Dezentralisierung in den 90er Jahren stark gewandelt. "Die Zahl der stationären Plätze ist damals von 17.000 auf jetzt nur noch 600 gesunken." Auch das Klientel habe sich geändert, viele der Menschen seien in ihrer Mobilität eingeschränkt. "Für sie sind aufsuchende Angebote besser. Und da hat sich in der Vergangenheit schon einiges entwickelt", sagt Geißler mit Hinweis etwa auf die beiden Alteneinrichtungen, Haus Elim und das Boysenhaus. Viele Häuser verfügten zudem über Mehrzweckräume, die sich für Bewegungsangebote vor Ort sehr gut nutzen lasse: das Antoni-Kepinski-Haus etwa, Heidegrund oder Kana. Für manche Nutzer der alten Turnhalle hätten sich andere Lösungen gefunden. Die Schule am Schlepperweg etwa werde zum Halbjahreswechsel mit ihrem Sportunterricht in die Sporthalle Nord in Sennestadt "umziehen". Aber es gebe natürlich auch "einzelne Härtefälle", räumt Geißler ein. Der Verein Freiräume gehöre dazu, der die Halle im Winterhalbjahr genutzt habe. "Das ist leider nicht mehr möglich." Auch die Betriebssportgemeinschaft Bethel könne dort nun nicht mehr Tischtennis, Fuß- und Volleyball anbieten, sagt der Ortschaftsreferent, verweist jedoch auf die Angebote in Bethel, im Stadtbezirk Gadderbaum. Für die Eckardsheimer werde es so natürlich aufwendiger, zu ihrem Sport zu kommen, die Wege würden länger. Gleichwohl biete die Ortschaft auch künftig noch einiges: Yoga etwa werde im Begegnungs- und Freizeitzentrum weitergeführt, "auch dort gibt es einen großen Mehrzweckraum", sagt Geißler, der selbst als Bildungs- und Sporttherapeut tätig ist. Auch neue Sportmöglichkeiten seien entstanden: die Boulebahn etwa, das Beachvolleyballfeld oder das Kunstrasenkleinfeld. Für das Hallen-Ensemble gebe es einen Investor, der den Standort gern für Büroräume nutzen wolle, berichtet Geißler. Allerdings müsse dieser die Gegebenheiten noch genau vor Ort prüfen. "Das wäre für Bethel natürlich eine ganz charmante Lösung und würde auch neue Impulse in die Ortschaft bringen." Ansonsten würden Turnhalle und Schwimmbad - das dem Bereich Unterstütztes Wohnen lange Zeit als Zwischenlager für Mobiliar gedient habe - abgerissen. Und das noch in diesem Jahr.

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