Die Staatsanwaltschaft hat jetzt einen 40-jährigen Bielefelder angeklagt, weil er einen Mann mit Faustschlägen zum Pflegefall geprügelt haben soll. - © Symbolfoto: Barbara Franke
Die Staatsanwaltschaft hat jetzt einen 40-jährigen Bielefelder angeklagt, weil er einen Mann mit Faustschlägen zum Pflegefall geprügelt haben soll. | © Symbolfoto: Barbara Franke

Bielefeld Anklage: 40-jähriger Bielefelder soll Opfer zum Pflegefall geprügelt haben

Opfer ist nach der Attacke ein "Schwerstpflegefall" und kann sich nicht mehr selbstständig bewegen oder sprechen

Jens Reichenbach

Bielefeld. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat jetzt einen 40-jährigen Bielefelder wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Was sich im Tatvorwurf noch relativ harmlos liest, hätte im Ergebnis kaum schlimmer enden können. Der Mann, der am 27. Juli vor dem kik-Textildiscounter am Sennestadtring verprügelt wurde, kann heute weder sprechen noch sich selbst bewegen. Er wird ein Pflegefall bleiben. Staatsanwalt Veit Walter spricht von einer körperlichen Auseinandersetzung in der Trinkerszene. Gegen 20.30 Uhr sei es zwischen dem späteren Opfer (51) aus Bielefeld und dem mehrfach einschlägig vorbestraften Angeklagten (40) zu einem Streit gekommen. Schließlich soll der 40-Jährige mindestens fünfmal mit seiner Faust ins Gesicht seines Gegenübers eingeschlagen haben. "Irreversible Hirnschäden" Dem Opfer wurde dabei quasi das Gesicht zertrümmert. Nach Angaben von Walter mehrere Gesichtsknochen (Nasenbein, Stirnhöhle, Felsenbein, Kiefer) gebrochen. Außerdem erlitt er Einblutungen in der Augenhöhle und Nasennebenhöhle. Als Folge der Schläge und Knochenbrüche erlitt der 51-Jährige außerdem eine lebensgefährliche Hirnblutung. Das Opfer überlebte zwar dank der Hilfe der Ärzte, doch trug es durch die Hirnblutung "irreversible Hirnschäden" davon. "Das Opfer wird ein Schwerstpfegefall bleiben", sagte der Staatsanwalt. Der 51-Jährige könne heute weder kommunizieren noch sich selbstständig bewegen. 2006 schon wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung verurteilt Der Anlass des Streites war nichtig. "Vor Ort waren bereits etwa zehn Mitglieder der dortigen Trinkerszene. Die  waren bereits alle stark betrunken", sagte Walter. Dann kam das spätere Opfer dazu: "Das Opfer wollte mittrinken, durfte es aber nicht." Tatsächlich soll der 51-Jährige über längere Zeit sehr provokativ auf die Gruppe eingegangen sein. Den Aufforderungen, endlich abzuhauen, kam der Bielefelder nicht nach. Schließlich - davon geht die Staatsanwaltschaft aus - schlug der Angeklagte auf den 51-Jährigen ein. Laut Walter schlug er ihn zu Boden und prügelte dann erneut auf den Liegenden ein - mindestens fünfmal ins Gesicht, aber auch auf den Oberkörper. Selbst Tritte sind nicht auszuschließen. Weil der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist und eine laufende Bewährung aus dem Jahr 2006 wegen Körperverletzung sowie schwerer räuberischer Erpressung aufgrund des angeklagten Falls widerrufen wurde, sitzt der 40-Jährige inzwischen in Strafhaft. Die Staatsanwaltschaft plant in Anschluss an das Verfahren die Unterbringung des Angeklagten in der Sicherungsverwahrung anzuordnen. Oder waren es doch zwei Täter? Verteidiger Carsten Ernst sieht den Fall nicht so eindeutig wie Staatsanwalt Walter. Dem Rechtsanwalt zufolge stehe noch die Tatbeteiligung eines zweiten Mannes im Raum: "Die Rolle dieses zweiten Mannes ist überhaupt nicht geklärt." Walter bestätigt: "Ein Zeuge hat einen zweiten Beteiligten erwähnt. Doch die anderen Zeugen sagen: Das stimmt nicht." Daher geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der 40-Jährige die Körperverletzungen alleine beging. Ob noch jemand beteiligt war, soll nun die Hauptverhandlung ergeben.

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