Schikane in der Schule: Mobbing und Cybermobbing gehören offenkundig leider zum Alltag in den Schulen. Der richtige Umgang damit ist in jedem Fall eine Gratwanderung. - © Christine Panhorst
Schikane in der Schule: Mobbing und Cybermobbing gehören offenkundig leider zum Alltag in den Schulen. Der richtige Umgang damit ist in jedem Fall eine Gratwanderung. | © Christine Panhorst

Bielefeld-Sennestadt Breites Echo auf Lehrer-Mobbing-Fall - auch andere Schulen betroffen

Zahlreiche Rückmeldungen, Nachfragen und Kritik nach Bericht über anonyme „Beichtseiten“ mit teils beleidigenden und pornografischen Inhalten

Susanne Lahr

Bielefeld-Sennestadt. Cybermobbing an der Hans-Ehrenberg-Schule (HES) – der große Bericht der Neuen Westfälischen dazu in der vergangenen Woche hat Wellen geschlagen und Echos ausgelöst. Die Reaktionen über den Bericht eines krassen Falls von Lehrer-Mobbing reichten von Ungläubigkeit, Verharmlosungstendenzen, Betroffenheit bis hin zu Vorwürfen gegen die HES, generell beim Thema „Mobbing" zu untätig zu bleiben. Und es gab das Echo, dass „Beichtseiten" auch an vielen anderen Schulen gang und gäbe sind. Schulleiterin Ute Wilmsmeier erklärt im Gespräch mit der NW, dass sie diverse Rückmeldungen von anderen Schulleitern erhalten habe. Auch an deren Schulen seien die über die Plattform Tellonym erstellten anonymen „Beichten" ein Problem. Tellonym ist ein digitaler Briefkasten, eine Plattform für anonyme Komplimente und Nachrichten. Der Link dorthin wird gerne verbunden mit Instagram oder Twitter. Vorwurf: Schüler mobben Schüler wird nicht so verfolgt So auch an der HES. Allerdings wurden nicht nur Nettigkeiten geteilt. Zwar gab es dort auch harmlose Witzchen, aber ebenso Peinlichkeiten, pornografische Bemerkungen bis hin zu Beleidigungen von Lehrern und Schülern. Als es Schülern zu heftig wurde, setzten sie die Schulleitung in Kenntnis, die dann im November gezielt gegen das Cybermobbing vorging. Seitdem ist die Schulgemeinde durchaus noch in Aufruhr. Weil in diesem Fall das Lehrer-Mobbing im Mittelpunkt stand, wurde von mehreren Eltern, Schülern und Ehemaligen behauptet, dass dem Thema „Schüler mobben Schüler" an der HES nicht die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wurde und werde. Begriff wird "inflationär benutzt" Schulleiterin Wilmsmeier widerspricht. Zunächst einmal sagt sie, werde der Begriff „Mobbing" leider sehr inflationär genutzt. „Nicht jede Meinungsverschiedenheit ist gleich Mobbing." Wenn schwerwiegendere Fälle aufträten, versuchten Lehrer, Tutoren und die Schulsozialarbeiterin eine Lösung zu finden, zu vermitteln. „In manchen Fällen gelingt es, zu sensibilisieren und Empathie zu wecken, in manchen nicht." Dass bei Einigen der Eindruck entstehen könne, es werde zu wenig getan, könne auch daran liegen, dass solche Fälle in der Regel „nicht an die große Glocke gehängt werden". Man müsse auch sehen, was dies mit dem Mobbing-Opfer mache. Ihres Erachtens sei es wichtiger, dass in solchen Fällen „Diskretion herrscht", dann „kann man zielorientierter arbeiten". Handyverbot für Sekundarstufe I In der Kritik steht auch die Handyordnung der HES, die von der Schulkonferenz vor mehr als einem Jahr beschlossen worden ist. Demnach gilt für die Schüler der Sekundarstufe I ein generelles Handyverbot während der Schulzeit. Es sei denn, das Gerät wird ausdrücklich im Unterricht eingesetzt, beispielsweise zu Recherchezwecken. Schüler der Sekundarstufe II dürfen das Handy in Pausen oder Freistunden nur dort nutzen, wo sie unter sich sind. Wer dagegen verstößt, muss das Handy abgeben und kann es erst am Folgetag mit einem Elternschreiben wieder abholen. Eine Mutter schreibt, dass sie zumindest gerne in den Pausen ihren Kinder „die Selbstbestimmung über die Nutzung des Handys überlassen möchte". Verbote führten nur zu Verlagerungen. Ein medienpädagogisches Konzept der HES wird von einigen vermisst. „Ich kenne es nicht", schreibt eine Mutter der NW. „Im Gespräch mit unseren Kindern haben wir gemerkt, dass sie mit der Wirkung und Nutzung der Medien zum Teil überfordert sind." Schulleiterin Wilmsmeier betont, dass es in Klassenstufe 5 und 6 spezielle Medienprojekte gebe, in Klasse 7 gebe es die „Informationstechnologische Grundbildung" (ITG), in der die Mediennutzung in unterschiedlichen Zusammenhängen verankert werde. „Ob wir darüber hinausgehen, werden wir uns jetzt in Ruhe überlegen", sagt Ute Wilmsmeier. Anfang 2018 sollen, wie berichtet, zunächst Projekttage mit dem präventiv arbeitenden Verein „Eigensinn" stattfinden.

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